Dr. Winfried Berger berichtet als Leitender Arzt der Hämatologie und Internistischen Onkologie des Katholischen Klinikums Essen über einen lieb gewonnenen Patienten, offene Gespräche und unkonventionelle, spontane Hilfe.
Mir gegenüber sitzt ein sympathischer Mann, Mitte sechzig mit Glatze. Werner Juhnke trägt eine Sauerstoffbrille in der Nase. Er ist gut gelaunt und erzählt freimütig und ganz offen seine Geschichte. Es fing im vergangenen Herbst an. Er bekam schlecht Luft. Er hatte sich auf seine Rentenzeit gefreut und eine große Reise, einen Segeltörn im Mittelmeer mit Freunden, geplant, ohne die Frauen, die wollten nicht mitkommen.

Sein Hausarzt hat sofort erkannt, dass es sich um eine ernste Erkrankung handelt. In der Medizinischen Klinik II des Philippusstiftes wurde dann nach umfangreichen Untersuchungen ein Lungenkrebs festgestellt. Durch die Entlastung von Wasser in der Lunge wurden die Beschwerden deutlich gebessert. Zur spezialisierten Betreuung wurde Herr Juhnke in die Onkologie des Marienhospitals Altenessen weitergeleitet. Das Philippusstift in Borbeck und das Marienhospital in Altenessen gehören zusammen mit dem St. Vincenz Krankenhaus in Stoppenberg zum Katholischen Klinikum Essen. Je nach Krankheitsbild werden die Patienten in den einzelnen Fachabteilungen versorgt. Der Schwerpunkt für die Krebserkrankungen ist im Marienhospital angesiedelt.

Die Onkologie und Palliativmedizin wird von mir ärztlich geleitet. Wir sind ein gut eingespieltes Team und gemeinsam können wir den uns anvertrauten Menschen mit den Möglichkeiten der modernen Medizin helfen. Herr Juhnke erinnert sich, dass er gleich nach der Verlegung ausführliche Gespräche über seine Erkrankung führen konnte. Es wurde ganz offen und umfassend über die Erkrankung geredet. Das ist für mich und mein Team ein ganz wichtiges Anliegen. Wir reden von Anfang an ganz ehrlich mit unseren Patienten. Es braucht Zeit, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen. Auch müssen alle Beteiligten, insbesondere die Angehörigen, mit eingebunden werden.

Für die Bewältigung seiner ganz konkreten Probleme wurde Herrn Juhnke die sogenannte „Komplexbehandlung Palliativmedizin“ angeboten. Bewahrung und Förderung der eigenen Ressourcen, Hilfe bei der Regelung sozialer Fragen und auch bei der Krankheitsbewältigung sind die Ziele dieses Angebotes, die Herr Juhnke sehr zu schätzen wusste. Einen besonderen Stellenwert hatte für ihn die gute, persönliche und unkomplizierte Atmosphäre auf der Station A 2.2 im Marienhospital. Auch wenn der Krebs bereits fortgeschritten war, so hat Herr Juhnke gemeinsam mit den Ärzten und der Pflege und dem gesamten Team für sich entschieden: „Ich werde nicht im Bett liegen und warten, dass ich sterbe.“ Für mich und meine Mitarbeiter ist der vertrauensvolle Umgang miteinander ganz wichtig. Nur wenn wir offen miteinander umgehen und klar darlegen, was wir mit unserer modernen Medizin können, aber auch, was wir nicht können, lässt sich aus schwierigen Lebenssituationen das Beste machen. Ärzte und Pflege arbeiten in der Onkologie ganz eng zusammen, gemeinsam mit allen Beteiligten, von der Psychoonkologin, den Physio- und Ergotherapeuten bis hin zu den Servicekräften und der Seelsorge. Jeder ist wichtig und wir müssen kreativ und authentisch sein, um in unserer rationalisierten Welt noch das Menschliche zu bewahren.

Gemeinsam mit engagierten Mitarbeitern habe ich vor einigen Jahren das sogenannte MONIKA Projekt ins Leben gerufen, um meinen Patienten auf verschiedenste Weise unkonventionell und spontan alles zu bieten, was ihnen in ihrer ganz persönlichen Situation helfen kann. So öffnet sich die Abteilung aktuell auch für die traditionelle chinesische Medizin. „Ich hatte Verdauungsprobleme, keinen Appetit und ordentlich an Gewicht verloren“, berichtet Herr Juhnke. „Ein neuer Arzt in der Abteilung hat es mit Akupunktur fertiggebracht, dass ich mein ganzes Mittagessen aufgegessen habe, obwohl ich Fleisch bis dahin nicht riechen konnte, dazu noch einen Salat und den Nachtisch. Das war sensationell.“ 

Seit Juni dieses Jahres gehört Herr Chunting Wang zum ärztlichen Team der Onkologie und Palliativmedizin des Marienhospitals. Er hat in seiner Heimat China das Studium der Traditionellen Chinesischen Medizin abgeschlossen, hier in Deutschland noch das komplette Studium der klassischen Schulmedizin absolviert und bildet sich nun in der Onkologie fort, um dann optimal behandeln und helfen zu können. Wir werden das positive Potenzial auf jeden Fall nutzen und unseren Patienten zur Verfügung stellen. Anfang Dezember wird auch ein neuer Therapieraum eingeweiht werden. Dort können wir unseren Palliativpatienten unter anderem auch eine tiergestützte Therapie mit den top ausgebildeten Hunden von Filiz Erfurt anbieten.

In diesem Umfeld fühlt sich Herr Juhnke gut aufgehoben und blickt zuversichtlich in seine Zukunft: „Es geht mir gut. Vielleicht können die Ärzte noch eine Verlängerung herausholen und mir Lebensqualität schenken.“ Dr. Berger und sein ganzes Team helfen ihm, und so schmiedet er Pläne: „An die Nordsee zum Fische fangen, wäre perfekt.“

Autor: Dr. Winfried Berger
Leitender Arzt der Hämatologie
und Internistischen Onkologie am
Katholischen Klinikum Essen