Computerspielen – das verlangt stundenlanges Zocken Ihrem Körper und dem Gehirn ab.

Die Spezialisten Dr. Christoph Eicker, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie, Hand- und Fußchirurgie, Priv.-Doz. Dr. Horst Gerhard, Ärztlicher Leiter Physikalische und Rehabilitative Medizin im Medizinischen Versorgungszentrum Essen-Nord-West, und Prof. Cornelius Wurthmann, Chefarzt Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin klären über die Gefahren beim Computerspielen auf und geben hilfreiche Tipps, um eventuelle Schäden zu minimieren.

Auswirkungen auf den Körper

Wie Sie am besten am Schreibtisch sitzen sollten, um Ihren Rücken, Schultern und Hände zu schonen, weiß Dr. Eicker:

Dr. Christoph Eicker, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie, Hand- und Fußchirurgie

Dr. Christoph Eicker

Für den Rücken ist es wichtig, dass die Stuhllehne fest ist und sich nicht nach hinten kippen lässt. Dadurch bleibt der Rücken gerade.

Für Schultern und Hände gilt es mehr zu beachten: Die Maus sollten Computerspieler von oben greifen. Das geht, indem sie ein Mousepad mit Handgelenkablage verwenden.

Das gilt übrigens auch für die Tastatur, da auch hier das Handgelenk abgeknickt ist.

 

Warum ist ein abgeknicktes Handgelenk schädlich?

Wenn das Handgelenk permanent abknickt, ist das nicht nur unangenehm, die Computerspieler riskieren außerdem ein Karpaltunnelsyndrom – und das ist extrem schmerzhaft.

Die Nerven und Sehnen laufen am Handgelenk durch einen schmalen Kanal im Knochen, der sie vor äußeren Gefahren schützt. Wird das Handgelenk ständig abgeknickt, kann das die Hüllen der Beugesehnen entzünden. Sie werden dicker und üben in dem engen Kanal übermäßigen Druck auf den Medianus, den Handnerv, aus.

Das Resultat ist ein starker Schmerz, der sich bis zum Ellbogen und in die Schulter ziehen kann. Außerdem kann es zu Taubheitsgefühlen in den Fingern kommen.

 

Tipps für einen gesunden Rücken:

  • feste Rückenlehne
  • aufrecht und entspannt sitzen
  • Entspannungsübungen zwischendurch: Schultern kreisen lassen, Arme lockern, Rücken dehnen und Hände ausschütteln

 

Auswirkungen auf das Gehirn

Motion Sickness und „Fear of Missing out

Vor allem bei schnellen Spielen klagen manche Spieler über Schwindel, Unruhe, Übelkeit, Kopfschmerz oder schnellen Herzschlag. Das können unter Umständen Symptome der Motion Sickness, beziehungsweise ihrer Unterform Gaming Sickness, sein, weiß Dr. Gerhard.

Motion Sickness – was ist das genau?

Dr. Horst Gerhard

Motion Sickness tritt auf bei starken optischen Reizen oder Veränderung des Lageempfindens. Es entsteht also eine Diskrepanz zwischen der optischen oder akustischen Wahrnehmung und der empfundenen Körperhaltung.
Der Spieler sitzt bewegungslos auf seinem Stuhl, die visuellen und akustischen Reize spielen ihm allerdings vor, dass er sich in einem Raum bewegt. Diese widersprüchlichen Informationen können vom Gehirn nicht zugeordnet werden, wodurch Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen ausgelöst werden können.

 

„Fear of Missing out“ (FOMO) ist die Angst, etwas verpassen zu können und bezieht sich überwiegend auf Soziale Netzwerke. Gibt es das auch bei Videospielen, Prof. Wurthmann?

Ja, auch bei Videospielen gibt es dieses Phänomen – durch den persistenten Online-Modus. Heißt: Die Spielwelt entwickelt sich immer weiter – auch wenn man selbst gerade gar nicht spielt.

Fomotiker sind oft unkonzentriert und abgelenkt, weil sich ihre Gedanken immer um den Wunsch drehen, ständig erreichbar bzw. online zu sein. Das Paradoxe an dieser Angsterscheinung ist, dass die Betroffenen nicht zufriedener werden, wenn sie dann Zugang zu Internet oder Spielen haben.

Welche Folgen hat diese Angst?

Prof. Dr. Cornelius Wurthmann

Die Angst, ständig etwas zu verpassen, kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Es kann zu Depressionen kommen oder psychosomatische Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme auslösen.

Das muss aber nicht sein. Wer soziale Kontakte persönlich pflegt, Sport treibt, eine zufriedenstellende Arbeit hat und neben dem Computerspielen anderen Hobbies nachgeht, der leidet wahrscheinlich seltener an FOMO.

Oft reicht die Erkenntnis, der Gefahr von FOMO ausgesetzt zu sein. So können dominante Faktoren wie die ständige Benutzung von Smartphones rechtzeitig eingeschränkt werden. Denn FOMO ist keine Sucht, sondern eine Gewohnheit, die andere Lebensbereiche stört.

 

Weiterführende Artikel zu den Folgen von Computerspielen:

Auswirkungen vom übermäßigen Computerspielen

Computerspiele und ihre Wirkung auf die Hirnstruktur

 

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