Ebenso wie Freude, Glück, Trauer, Zorn und Wut ist Angst ein Bestandteil des normalen menschlichen Lebens. Die Angst weist – wie zum Beispiel auch der Schmerz – auf Gefahren und Schädigungen hin, vor denen es sich zu schützen gilt. Es ist also wichtig, Angst empfinden zu können.

„Angst wird erst dann zu einer Krankheit beziehungsweise zu einer sogenannten Angststörung, wenn das Auftreten der Angst, die Stärke der Angst sowie das Andauern der Angst nicht mehr kontrolliert werden kann, wenn die Angst den Umständen und dem Entwicklungsstand nach nicht angemessen ist und wenn die Angst das Verhalten dauerhaft negativ beeinflusst, wie zum Beispiel durch Vermeidung oder Flucht“, sagt Prof. Cornelius Wurthmann, Chefarzt der Klinik für Psychiat-rie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin am Katholischen Klinikum Essen.

Verschiedene Erscheinungsbilder
Bei der sogenannten Panikstörung kommt es zu heftigen Angstanfällen, die mit Herzklopfen, Schweißausbrüchen, Zittern, Mundtrockenheit, Beklemmungsgefühlen, Brustschmerzen, Schwin-del oder etwa Hitzewellen verbunden sind. Die Betroffenen fürchten „auszuflippen“ oder zu sterben. Die körperlichen Begleitsymptome der Panikstörung werden in Regel zunächst fälschlicherweise auf körperliche Krankheiten zurückgeführt.

Bei der sogenannten generalisierten Angststörung besteht eine anhaltende beziehungsweise chronische quälende Ängstlichkeit.

Die Betroffenen machen sich in übertriebener Weise Sorge beispielsweise um die Gesundheit von Familie und Freunden, es bestehen Befürchtungen bei der Arbeit etwas zu vergessen oder nicht gut genug im Job zu sein, die Sorgen kreisen möglicherweise darum, obdachlos zu werden, obwohl die tatsäch-liche eigene Finanzlage ausreichend ist und die Befürchtungen kreisen häufig um sogenannten täglichen Kleinkram. „Ich komme bestimmt zu spät“ oder „Ich könnte etwas wichtiges vergessen“ sind Beispiele dafür.

Bei Patienten mit generalisierten Angststörungen ist die Angst ebenfalls mit körperlichen Beschwerden verbunden, diese sind aber bei weitem nicht so stark wie bei der Panikstörung. Bei den sogenannten Phobien besteht eine deutliche Furcht vor einem bestimmten Objekt oder einer bestimmten Situation. In ausgeprägteren Fällen werden die Situationen gemieden, viel-leicht sogar lebenslang, was zu einer erheblichen Einengung der Bewegungsfreiheit führen kann.

Typische Angstauslöser für die sogenannte Agoraphobie sind Menschenmengen, Kaufhäuser, Supermärkte, Spaziergänge, die Benutzung von Bus und Bahn, Flugzeugen, Seilbahnen, das Au-tofahren, Wartesituationen, Kino-, Theater- und Restaurantbesuche. Auch das Alleinsein zu Hause ist häufig, wenn auch nicht immer, Angst auslösend. Die Patienten fühlen sich in den erwähnten Situationen hilflos und haben das Gefühl, in der Falle zu sitzen. Bei den sozialen Phobien bezieht sich die Angst darauf, im Zentrum der Aufmerksamkeit anderer zu stehen oder sich peinlich oder erniedrigend zu verhalten. Die Ängste treten also in sozialen Situationen auf, wie zum Beispiel Essen oder Sprechen in der Öffentlichkeit, Begegnung von Bekannten in der Öffentlichkeit oder Betreten kleiner Gruppen, zum Beispiel bei Partys, Konferenzen oder Klassenräumen. In Verbindung mit der Angst kommt es zu Erröten oder Zittern, Angst vor Erbrechen, Harn- oder Stuhldrang. Schließlich sind sogenannte spezifische Phobien zu erwähnen. Häufige Auslöser sind Vögel, Spinnen, andere Tiere, Höhe, Donner, Anblick von Blut oder Verletzungen, Injektionen, Zahnarzt- und Krankenhausbesuche.

Angststörungen sind häufig
Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen überhaupt. Gegenwärtig leiden etwa 7 Prozent der deutschen Bevölkerung an Angststörungen. 15 Prozent der Bevölkerung er-kranken irgendwann einmal in ihrem Leben an einer sogenannten Angststörung. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Werden Angsterkrankungen nicht rechtzeitig und konsequent behandelt, kann dies zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen führen.

Es können zusätzliche Depressionen auftreten und auch Alkoholismus kann entstehen.

Mittlerweile gehören Angsterkrankungen zu den häufigsten Gründen für die Gewährung einer Rente wegen Minderung der Erwerbsfähigkeit. Dies ist sehr zu bedauern, da Angsterkrankungen eigentlich sehr gut behandelt werden können.

Diagnostik und Möglichkeiten der Behandlung
„Am Anfang der Diagnostik stehen eingehende Gespräche zu den Beschwerden, deren Entwicklung, zur Lebensgeschichte und zu körperlichen Vorerkrankungen“, sagt Prof. Wurthmann. „Selbstverständlich müssen wir durch unsere Untersuchungen auch körperliche Krankheiten als Ursache der Angst ausschließen, was wir sehr sorgfältig machen. Zu erwähnen sind beispielsweise Herzkrankheiten oder Schilddrüsenkrankheiten.“ Des Weiteren müssen andere begleitende psychische Störungen erkannt beziehungsweise ausgeschlossen werden. Am Ende der Diagnosephase muss eine körperliche Krankheit ausgeschlossen worden sein und gleichzeitig müssen Beweise vorliegen für eine psychische Störung.

 

Kontakt:

Katholisches Klinikum Essen
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin
Prof. Dr. Cornelius Wurthmann
Leitender Arzt
Hülsmannstraße 17
45355 Essen
Fon: 0201 6400 3400
Mail: c.wurthmann@kk-essen.de