Eine relativ junge Behandlungsmethode zur Senkung des Schlaganfallrisikos bei chronischem Vorhofflimmern ist der operative Vorhofohrverschluss. Dr. Rainer Jacksch, Chefarzt der Klinik für Kardiologie Essen am St. Vincenz Krankenhaus des Katholischen Klinikums Essen und sein Oberarzt, Dr. Christian Reiner, wenden die Methode seit einem Jahr an.

Patienten mit Vorhofflimmern, die ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle aufweisen, werden herkömmlich mit Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung, z.B. Marcumar, behandelt. Bei Einnahme solcher Medikamente besteht jedoch insbesondere für ältere Patienten, ein deutlich erhöhtes Risiko für innere Blutungen. In den vergangen Jahren hat sich deshalb der kathetergestütze Verschluss des linken Vorhofohrs mit Hilfe eines Implantats als vielversprechende Alternative immer mehr durchgesetzt.

In den vergangen Jahren hat sich deshalb der kathetergestütze Verschluss des linken Vorhofohrs mit Hilfe eines Implantats als vielversprechende Alternative immer mehr durchgesetzt.

Einsatz des Watchman Device am Katholischen Klinikum Essen

Auch im Katholischen Klinikum Essen wird diese Methode angewandt. Dr. Jacksch arbeitet seit 2012 erfolgreich mit dem sogenannten Watchman Device: „Bei dieser Methode wird über eine Schleuse ein kleines Implantat, das Watchman Device, zum Vorhof vorgebracht. Dort wird es aufgeklappt und so angebracht, dass das linke Vorhofohr dicht verschlossen wird“, erklärt der Kardiologe. Das Implantat wird in den folgenden Monaten von Herzinnenhaut überzogen. Es können keine Thromben mehr im linken Vorhof entstehen und ins Gehirn wandern. „Wir setzen das Watchman Device ein, weil es ist das einzige ist, zu dem schon mehrere Studien vorliegen, die seine Sicherheit und Wirksamkeit belegen“, ergänzt Dr. Reiner. Nach Verschluss des linken Vorhofohrs ist eine Langzeittherapie mit Acetylsalicylsäure (ASS) ausreichend.

„Wir setzen das Watchman Device ein, weil es ist das einzige ist, zu dem schon mehrere Studien vorliegen, die seine Sicherheit und Wirksamkeit belegen“

Eine Studie belegt, dass die Erfahrung des Operateurs großen Einfluss auf negative Ereignisse in Zusammenhang mit dem Einbringen des Watchman Device hat. „Wir empfehlen Patienten deshalb, sich gut über den Arzt und das Krankenhaus zu informieren. Das Katholische Klinikum Essen bietet die OP bereits seit einiger Zeit an – wir haben mit jedem Implantat unsere Technik verbessert. Das ist wichtig für den Erfolg und die Sicherheit der Patienten“, erläutert Dr. Jacksch.

„Das Katholische Klinikum Essen bietet die OP bereits seit einiger Zeit an – wir haben mit jedem Implantat unsere Technik verbessert.“

Watchman Device wird in den ESC-Leitlinien zu Vorhofflimmern empfohlen

Derzeit wird die Methode noch bevorzugt bei Patienten eingesetzt, die aufgrund des hohen Blutungsrisikos keine blutgerinnungshemmenden Medikamente wie Marcumar einnehmen können. „Aufgrund der guten Ergebnisse hinsichtlich der Verminderung des Schlaganfallrisikos bei chronischem Vorhofflimmern, werden wir sie zukünftig aber auch vermehrt Patienten anbieten, bei denen diese Kontraindikation nicht besteht“, berichtet Dr. Reiner. 2012 wurden Vorhofohr-Verschlusssysteme als Therapie sogar in die überarbeiteten ESC-Leitlinien zur Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern aufgenommen. „Diese Entwicklung bestätigt den Erfolg der Methode“, so Dr. Jacksch, „schließlich sind 12-16% der Schlaganfälle in Deutschland auf Thromben aus dem linken Vorhofohr zurückzuführen, die durch chronisches Vorhofflimmern verursacht werden.“

„Aufgrund der guten Ergebnisse hinsichtlich der Verminderung des Schlaganfallrisikos bei chronischem Vorhofflimmern, werden wir sie zukünftig aber auch vermehrt Patienten anbieten, bei denen diese Kontraindikation nicht besteht“