Gefäßkrankheiten sind Volkskrankheiten mit teils dramatischen Folgen. Prof. Dr. Thomas Schwarz, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V., erklärt im Interview, warum Krampfadern nicht verharmlost werden dürfen und welche Botschaft der Aktionstag Gefäßgesundheit am 16. Juni 2018 vermitteln möchte.

Prof. Dr. Thomas Schwarz:

Prof. Dr. Thomas Schwarz

Am 16. Juni 2018 ist der Aktionstag Gefäßgesundheit – Welche Botschaft möchte Ihre Fachgesellschaft mit diesem Aktionstag vermitteln?

Prof. Dr. Thomas Schwarz: Mit dem bundesweit stattfindenden Aktionstag Gefäßgesundheit möchte die Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. (DGA) die Öffentlichkeit über Gefäßkrankheiten aufklären. Am 16. Juni 2018 findet der Aktionstag zum 8. Mal statt. Gefäßkrankheiten sind Volkskrankheiten, doch ihre Anzeichen, Verbreitung und zum Teil dramatischen Folgen sind in der Bevölkerung weitestgehend unbekannt. Im Mittelpunkt des Aktionstages stehen die Früherkennung, Prävention und Behandlung von Gefäßkrankheiten. Dazu zählen beispielsweise die Thrombose und die Lungenembolie, Krampfadern, Artherosklerose sowie die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK). Letztere wird im Volksmund auch als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet, was nach einer gefährlichen Verharmlosung dieser Krankheit klingt, denn sie ist Vorbote von Herzinfarkt und Schlaganfall. Der Aktionstag soll die wichtigsten Diagnoseverfahren auf Veranstaltungen vor Ort bekannt machen. Präventionsmöglichkeiten sollen möglichst publikumswirksam veranschaulicht und Vorträge zu venösen und arteriellen Erkrankungen angeboten werden.

 

Warum sollten Betroffene aus Sicht der Fachgesellschaft Krampfadern nicht auf die leichte Schulter nehmen?

Prof. Dr. Thomas Schwarz: Krampfadern treten in verschiedenen Ausprägungsformen auf. Kleinere Krampfadern wie Besenreiser oder Netzkrampfadern stellen ein eher kosmetisches Problem dar und müssen nicht zwingend behandelt werden. Bei großlumigen Krampfadern besteht die Gefahr, dass Stauungssymptome auftreten wie Schweregefühl im Bein, Wadenkrämpfe, Schweregefühl. Es kann zu einer Schwellungsneigung des Beins kommen oder zu Hautveränderungen wie Braunverfärbungen, Hautverhärtungen und Entzündungen. Ist die Haut lange geschädigt, besteht die Gefahr eines „offenen Beins“, d.h. oft banale Verletzungen in der betroffenen Hautregion heilen nicht mehr ab.

 

Wie werden Krampfadern gemäß der Leitlinie behandelt?

Prof. Dr. Thomas Schwarz: Es stehen verschiedene Behandlungsformen zur Verfügung. Grundsätzlich ist eine Therapie mit adäquater Kompression der betroffenen Extremität zusammen mit physikalischen Maßnahmen immer eine Alternative. Des Weiteren stehen bei fortgeschrittener Krampfadererkrankung operative Verfahren (z. B. die sogenannte Stripping-OP), medikamentöse Verödungsbehandlungen oder Krampfaderverschlüsse mittels eines Katheters (z. B. Laser, Radiowelle) zur Entfernung der Krampfadern zur Verfügung.

 

Thema Prävention: Was können wir Menschen selbst für unsere Gefäßgesundheit tun?

Prof. Dr. Thomas Schwarz: Die Redewendung „Vorbeugen ist besser als heilen“ trifft auch auf die Gesundheit der Gefäße zu. Die folgenden Tipps sorgen für einen intakten Blutfluss in Arterien und Venen:

Viel trinken! Optimal sind 2 Liter pro Tag – natriumarmes Wasser und Tees sind gute zuckerfreie Durstlöscher.

Bewusste Ernährung! Ballaststoffreiche Produkte mit komplexen Kohlenhydraten, z.B. Vollkornproduke und Müsli, am besten mehrmals täglich frisches Obst und Gemüse, weniger Fette, bevorzugt pflanzliche Fette mit ungesättigten Fettsäuren, magere Fische wie Seelachs, Rotbarsch, Scholle und Forelle – sehr gut sind die fettreicheren Fische Hering, Lachs und Makrele wegen ihrer wertvollen Omega-3-Fettsäuren.

Sparsam im Umgang mit Salz!

Bleiben Sie aktiv! Gehen Sie zu Fuß zum Einkaufen oder fahren Sie mit dem Fahrrad. Nehmen Sie die Treppe statt des Fahrstuhls und fahren Sie mit dem Fahrrad zur Arbeit oder stellen Sie das Auto in einiger Entfernung vom Arbeitsplatz ab. Gehen Sie bewusster; in bequemen Schuhen über den ganzen Fuß abrollen. Vermeiden Sie hohe Absätze und gehen Sie auch mal barfuß! Mindestens 3 x 30 Minuten pro Woche Wandern, Walken, Joggen, Schwimmen, Radfahren oder Tanzen senkt Ihre Blutfette und hilft beim Abnehmen! In vielen Städten gibt es Gefäßsportgruppen mit speziellem Gehtraining.

Rauchstopp! Im Tabakrauch sind ca. 4.000 gefäßgiftige chemische Substanzen nachgewiesen – jeder Zigarettenzug verändert im Blut eine Milliarde Sauerstoffmoleküle in freie Radikale, die wie Torpedos die Gefäßwände angreifen und damit eine Arterienverkalkung fördern. Eine Sucht allein bekämpfen ist schwer: Suchen Sie sich Unterstützung, um mit dem Rauchen aufzuhören, z.B. Rauchentwöhnungskurse über die Krankenkasse.

Integrieren Sie Venengymnastik in Ihren Alltag! Wenn Sie beruflich viel Sitzen oder Stehen können Sie Ihre Gefäße ganz einfach am Arbeitsplatz trainieren. Übungen finden Sie auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Angiologie

Kennen Sie die Risikofaktoren! Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes mellitus, zu hohen Cholesterinwerten und Übergewicht haben ein erhöhtes Risiko an den Gefäßen zu erkranken.

 

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V.
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