Diabetes ist zu einer Volkskrankheit geworden. In Deutschland leidet jeder 13. darunter, insgesamt 6 Millionen Menschen – Tendenz steigend. Wie Patienten gut mit der Krankheit leben können, weiß Prof. Dr. Hans-Georg Krengel, leitender Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie, Klinische Geriatrie und Pneumologie am Katholischen Klinikum Essen.

Die effektivste Methode, Diabetes gar nicht erst zu bekommen, ist Bewegung kombiniert mit gesunder Ernährung“, sagt Prof. Krengel. Auch für bereits erkrankte Patienten sind das die beiden  entscheidenden Eckpfeiler. Er empfiehlt eine  richtige Diät: „Gewicht verlieren, an das optimale Gewicht herantasten, rauchfrei leben.“ Darüber hinaus: Sport treiben. Allerdings keinen gefährlichen Extremsport: nicht allein lange Strecken mit dem Rad fahren und dann vor Unterzuckerung vom Velo fallen. Radtouren sollten nur in Gesellschaft unternommen werden. Außerdem rät er Diabetikern, den Bluthochdruck richtig einstellen zu lassen.

„Diabetiker-Diät gibt es nicht“

Fünf Mahlzeiten mit möglichst zuckerfreier Kost seien optimal. „Eine spezielle Diabetiker-Diät, wie sie früher angeordnet wurde, gibt es heute nicht mehr“, sagt Prof. Krengel zwar, „Diabetiker sollten aber streng auf die Kalorien achten“ – quasi weniger zu sich nehmen, als ihr Körper am Tag verbrennt. Darüber hinaus sind Lebensmittel gesünder, die über lange Zeit verfügbar sind, lieber Vollkornbrot als Weißbrot: „Das merkt man schon, wenn man es lange auf der Zunge behält: Weißbrot wird im Mund schnell süß“, lädt er zu einem Selbstversuch ein.

„Wer unbedingt süß essen muss, sollte das nur mit Zuckerersatz machen, zum Beispiel Fruchtzucker“, mahnt der Ernährungsspezialist, der aber zugleich warnt: „Auch davon sollten Diabetiker nicht zu viel essen, weil auch Fruchtzucker das Gewicht erhöht.“ Süßigkeiten wie Schokolade, Riegel und Bonbons sind nicht erlaubt. „In Ausnahmefällen darf mal eine Kugel Schoko-Eis gegessen werden, wenn es mit anderen – vollwertigen – Lebensmitteln wieder ausgeglichen wird“, erlaubt der Arzt. „Damit hat es sich aber für den Tag.“

„Demenz durch Unterzuckerung“Diabetes-Formen

Unterwegs sollten Diabetiker immer et- was zu Essen oder zu Trinken bei sich haben, um der Gefahr der Unterzucke- rung vorzubeugen. Am besten schnell verfügbaren Traubenzucker, den die Körperzellen umgehend verwerten kön- nen. „Besonders bei älteren Patienten besteht die größte Herausforderung darin, sie nicht unterzuckern zu lassen“, sagt Prof. Krengel. „Wer dreimal eine schwere Unterzuckerung erlitten hat, ist doppelt so hoch gefährdet, dement zu werden.“

Die eindringlichen Worte und die Ermah- nung zu gesunder Lebensweise haben ihren Grund: Allein am Katholischen Kli- nikum in Essen leidet dem Mediziner zu- folge jeder fünfte Patient unter Diabetes. Folgen können Herzinfarkt, Schlagan- fall, periphere Durchblutungsstörungen, neurologische Störungen, Probleme im Magen-Darm-Trakt, Funktionsverlust an Nieren und Herzschwäche sein. We- gen einer mit Diabetes einhergehenden Nervenstörung spüren manche Pati- enten nicht, wenn sie einen Herzinfarkt erleiden – was schwerwiegende Konsequenzen haben kann.

„Diabetes und Weihnachtsbäckerei“
Neben Bewegung und richtiger Ernährung können Männer und Frauen mit Diabetes medikamentös immerhin so eingestellt werden, dass sie im Alltag gut zurechtkommen. „Sogenannte Antidiabetika werden am häufigsten verschrieben“, weiß der Arzt. Darüber hinaus existiert eine Vielzahl an Insulinen, die kurzzeitig, langzeitig oder in einer Mischform, in Pens oder in Pumpen gegeben werden können. „Wir versuchen, für jeden Patienten die optimale Lösung zu finden“, so Prof. Krengel. „Dazu arbeiten wir eng mit niedergelassenen Diabetologen zusammen und haben auch im Klinikum entsprechendes Personal, wie beispielsweise eine Diabetesberaterin.“ Neben individuellen Ernährungsberatungen und Diabetikerschulungen bietet das Klinikum beispielsweise am 10. Dezember den von Prof. Dr. Krengel und Diabetesberaterin Sabine Hirschfeld geführten Kurs der Patientenhochschule „Diabetes und Weihnachtsbäckerei“ an, für den sich Interessierte unter www. gesundinessen.de anmelden können.

 

 

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