Fettreiches Essen, das eine oder andere Glas Wein zu viel und am nächsten Tag eine Tablette gegen die Kopfschmerzen: Die Leber verzeiht einiges. Wird sie aber überstrapaziert, können dauerhafte Schäden die Folge sein. Schlimmstenfalls hilft nur noch eine Organspende.

„Weil erhöhte Leberwerte nicht wehtun, werden sie von vielen verharmlost“, sagt Dr. Christiane Arnold, auf Gastroenterologie und Lebererkrankungen spezialisierte ärztliche Leiterin am Medizinischen Versorgungszentrum Essen-Nord-West. Sie zählt im Essener Norden zu den wenigen Ärzten, die auf diesen Bereich spezialisiert sind und bedauert: „Die Vorstellung beim Spezialisten erfolgt oft zu spät.“

 

Erhöhte Leberwerte: Zeichen vielfältiger Erkrankungen

Das Hochleistungsorgan, das wie eine Fabrik arbeitet, entgiftet den Körper beispielsweise von Schadstoffen, Alkohol, Medikamenten und macht sie unschädlich. „Die Leber ist ein lebenswichtiges Organ, das sensibel auf Erkrankungen auch anderer Organe, Infektionen oder Umwelteinflüsse reagiert“, sagt die Ärztin. Erhöhte Leberwerte könnten deshalb ein Zeichen vielfältiger Erkrankungen des Körpers sein. Allerdings bleiben Entzündungen der Leber lange Zeit ohne Symptome. Treten diese auf, ist es möglicherweise bereits zu spät und höchste Zeit zu handeln.

„Häufig, aber längst nicht immer, ist Alkoholkonsum der Grund für asymptomatisch erhöhte Leberwerte oder manifeste Lebererkrankungen“, begründet Dr. Arnold, warum eine kranke Leber schnell mit einer Alkoholkrankheit in Verbindung gebracht wird. Allerdings: Auch Übergewicht, bestimmte Medikamente, Nahrungsmittelergänzungen oder -zusatzstoffe, Autoimmunerkrankungen, Virus-Infektionen, Stoffwechselstörungen wie eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus können zu erhöhten Leberwerten im Sinne einer Leberentzündung führen.

Ursachen für erhöhte Leberwerte gibt es viele und auch ungewöhnliche. Die Medizinerin erinnert sich beispielsweise an eine junge, schlanke Patientin, die keinen Alkohol trank und bei der ohne ersichtlichen Grund über einen längeren Zeitraum erhöhte Leberwerte festgestellt wurden. Trotz gründlicher Befragung der Patientin, Blutuntersuchungen und Ultraschall blieb die Ursache ein Rätsel, bis eine Gewebeprobe der Leber eine Bleivergiftung zum Vorschein brachte. Hervorgerufen wurde die Bleivergiftung durch eigens aus Asien importierten Tee, den die Patientin regelmäßig trank. In Asien werden die Felder oft mit Wasser aus Bleirohren gewässert. Die auf diesen Feldern wachsenden Pflanzen reichern Blei an, wodurch es bei regelmäßigem Konsum zu einer schleichenden Bleivergiftung kommen kann.

 

Schlimmstenfalls hilft nur noch eine Organspende

Werden erhöhte Leberwerte auf die leichte Schulter genommen, kann eine Leberzirrhose die Folge sein. Sie gilt als Endstadium einer erkrankten Leber. „Man muss die Quelle einer anfangs vielleicht harmlos erscheinenden Leberentzündung finden, um relevante Komplikationen verhindern zu können. Das geht aber nur, wenn erhöhte Leberwerte auch ernst genommen und frühzeitig, also in einem beschwerdefreien Stadium abgeklärt werden“, so Dr. Arnold.

„Weil Leberwerte nicht routinemäßig untersucht werden, sollten Patienten ab einem Alter von etwa 40 Jahren ihren Hausarzt fragen, wann zuletzt die Leberwerte kontrolliert wurden und ob es irgendwelche Auffälligkeiten gab“, rät Dr. Arnold. Die Therapiemöglichkeiten bei einer Erkrankung seien so vielfältig wie die Krankheiten selbst, die hinter den Werten stecken könnten. Grundsätzlich empfehlenswert sind der Medizinerin zufolge eine gesunde Ernährung, wenig Alkohol oder andere lebertoxische Substanzen und die Vermeidung von Übergewicht. Bei bestimmten Erkrankungen kann eine medikamentöse oder eventuell auch immunsuppressive Therapie helfen. Schlimmstenfalls, wenn die Leber nicht mehr funktionsfähig ist, kann das Leben des Betroffenen nur noch durch eine Organspende gerettet werden.

Das schadet der Leber

  • Alkohol
  • Bestimmte Medikamente
  • Ungesunde Ernährung (zu fettig, zu viel Zucker)
  • Übergewicht

Alarmsignale: diese Anzeichen deuten auf eine geschädigte Leber hin

  • Gelbe Augen
  • Gelbe Haut
  • Dunkel verfärbter Urin
  • Müdigkeit
  • Übelkeit
  • Bauchschmerzen
  • Generalisierter Juckreiz

Das hilft, die Leber zu retten:

  • Gesunde Ernährung
  • Wenig Alkohol
  • Vermeidung von Übergewicht
  • Störer:
    Erhöhte Leberwerte ernst nehmen

 

„Weil erhöhte Leberwerte nicht wehtun, werden sie von vielen verharmlost“

 

Leistungsspektrum Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) Essen-Nord-West im Überblick:

  • Physikalische und Rehabilitative Medizin, Dr. Horst Gerhard:
    • Behandlung akuter und chronischer Schmerzzustände und Blockaden
    • Behandlung von Fehlhaltungen infolge von Unfällen oder Operationen
    • Behandlung von Fehlhaltungen aufgrund von rheumatologischen, neurologischen oder onkologischen Erkrankungen
    • Ganzheitliche rehabilitative Medizin aktiv mit Physiotherapie, Sporttherapie, Ergotherapie und logopädischer Therapie und passiv mit physikalischer Medizin wie Wärmeanwendungen, Naturheilverfahren, Elektrotherapie
    • Ziel: Wiedereingliederung ins Berufsleben und den Alltag
  • Innere Medizin und Gastroenterologie, Dr. Christiane Arnold:
    • Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse
  • Reisemedizin, Dr. Christiane Arnold:
    • Umfassende medizinische Urlaubsberatung z.B. über notwendige Impfungen, Gesundheitsleistungen der Krankenversicherungen und Reiserücktransport sowie das Vermeiden möglicher Durchfallerkrankungen
    • Reise-Impfungen
  • Innere Medizin und Kardiologie, Dr. Stefan Dreesen:
    • Regelmäßige Herzschrittmacherkontrollen
    • 24-Stunden-Langzeit-Blutdruckmessung
    • 24-Stunden-Langzeit-EKG
    • Telemedizinische Diagnostik von Herzrhythmusstörungen
    • Ruhe-EKG