Verspannungen und Rückenschmerzen kennt jeder. Wenn Schmerzen chronisch werden, finden häufig zuerst Untersuchungen an Gelenken und Wirbelsäule statt. Warum sogenannte „Triggerpunkte“ auch eine Ursache für chronische Gliederschmerzen sein können, erklärt Christel Flügge, Physiotherapeutin der Internationalen Gesellschaft für Schmerz- und Triggerpunktmedizin e.V. (IGTM).

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Frau Flügge, können Muskeln auch Gliederschmerzen auslösen?

Ja, häufig liegt die Ursache für den chronischen Schmerz in der Muskulatur und den Faszien und nicht in der Wirbelsäule und den Gelenken. Faszien sind Bindegewebige Häute die u.a. Muskeln und Organe umgeben. Sie umhüllen nicht nur einzelne Muskeln und Organe, sondern haben je nach Stärke vielfältige Aufgaben und sind miteinander verbunden. Sie sind durchsetzt mit Gefäßen, Lymphbahnen, Rezeptoren und Nervenenden. Deshalb bezeichnet man sie auch als das 6. Sinnesorgan. Faszien können verkleben, einreißen, verkürzen durch Narben beeinträchtigt werden und somit vielfältige Beschwerden auslösen.

Durch alltägliche Über- oder Fehlbelastung, durch Überdehnung oder auch durch Traumatisierung der Muskulatur entstehen im einzelnen Muskel Bereiche, die durch Sauerstoffmangel Stoffwechselveränderungen aufweisen. Solche erkrankten Muskelstellen sind dann als Triggerpunkte tastbar. Triggerpunkte sind sehr weit verbreitet und sehr häufig für Schmerzen verantwortlich. Diese myofaszialen Triggerpunkte können aber nicht nur Schmerzen, Parästesien und Muskelschwäche, sondern auch Bewegungseinschränkungen, autonome vegetative Reaktionen und vieles mehr auslösen. Der ganze Symptomenkomplex wird nach R. Gautschi als myofasziales Syndrom bezeichnet.

Die Diagnostik myofaszialer Triggerpunkte – Hartspannstrang, maximale Druckempfindlichkeit und Reproduktion der Symptome – ist betreffend Rehabilität für ausgebildete, geübte Untersucher im klinischen Alltag gut bis sehr gut (Gerwin, Licht).

Nach Gautschi (2008) hilft die Triggerpunkttherapie dabei,
a) differentialdiagnostisch zu klären, inwieweit die Muskulatur an der Entstehung von Schmerzen oder Funktionsstörungen beteiligt ist
b) gezielt die dekontraktionsunfähigen Zonen im Muskel zu lösen und damit das Störpotential zu deaktivieren
c) die bindegewebigen und faszialen Verklebungen und Verkürzungen zu lösen
d) zu klären, ob der Ort der Schmerzursache mit dem Ort der Schmerzwahrnehmung übereinstimmt

Was leistet die IGTM?

Die IGTM als kleine wissenschaftliche Gesellschaft möchte Menschen mit chronischen Schmerzen Alternativen bieten und beschäftigt sich mit dem „myofaszialen Schmerz“ und den sich daraus ergebenden Funktionsstörungen. Zudem konzentriert sie sich auf die qualifizierte Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärzten und Physiotherapeuten in der Schmerz und Triggerpunktmedizin – so z.B. im Rahmen der Cologne Conference „Myofacziale Schmerzen“ am 06.06.2015 in der Lanxess Arena in Köln (u.a. mit Top-Referenten aus USA und Europa).

Wie unterstützt die IGTM Patienten bei der Triggerpunkttherapie?

Die Patienten werden von uns telefonisch beraten und an zertifizierte Ärzte und Therapeuten weitergeleitet.

 

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