Nasser oder glatter Untergrund, Stolperfallen in der Wohnung, Schwindelanfälle: Im Alter nimmt die Gefahr von Stürzen zu. Die Folge sind oft Brüche. Warum Operationen in vielen Fällen alternativlos sind, erklärt Dr. Peter Feldmann, Leitender Arzt der Chirurgischen Klinik II – Orthopädie und Unfallchirurgie, Hand- und Fußchirurgie im Philippusstift und St. Vincenz Krankenhaus Essen.

Die Reise sollte ein ganz besonderes Erlebnis werden, auf das Christa Joos sich lange gefreut hatte. Ein Lebenstraum, der zum Albtraum wurde. Die 71-Jährige wollte in einer Rundreise Südafrika erkunden, war von den Gegensätzen und der Landschaft fasziniert, hatte sich Fotos angesehen, Berichte gelesen, die Reise sorgfältig für sich und zwei Cousinen organisiert und sich am meisten auf Kapstadt gefreut. Es kam anders: Bereits am zweiten Tag fiel die Essenerin beim Aussteigen an einem Zwischenstopp aus dem Bus, konnte nicht mehr aufstehen und wurde in einem sechsstündigen Transport erst mit dem Bus zum nächsten Hotel und von dort per Krankenwagen unter Schmerzen weiter in ein noch mal eineinhalb Stunden entferntes Krankenhaus gefahren. Die Diagnose: gebrochener Oberschenkelhals.

Wie Christa Joos geht es vielen älteren Menschen. „Die meisten stürzen allerdings im häuslichen Umfeld über doch noch vorhandene Stolperfallen“, sagt Dr. Peter Feldmann und nennt als Klassiker die berühmte Teppichkante.

 

Jeder dritte Rentner stürzt einmal im Jahr

Weil im Alter die Knochen weicher, schwächer und damit auch brüchiger werden, sind oft ältere Menschen von Frakturen betroffen. Der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zufolge werden pro Jahr 400.000 ältere Menschen nach einem Sturz im Krankenhaus behandelt. Im Schnitt stürzt jeder dritte alleinlebende Rentner mindestens einmal pro Jahr. Unter Pflegeheimbewohnern und über 80-Jährigen ist jeder zweite betroffen. Häufigste Folgen sind laut Dr. Feldmann Unterarmbrüche, hüftgelenksnahe Frakturen und Oberarmbrüche.

So auch bei einer älteren Dame, die zwei Rettungssanitäter mit einer Tragbahre in die Ambulanz bringen. Die Frau klagt über starke Schmerzen, ein Bein wirkt kürzer als das andere und ist nach außen gedreht. Sie war in ihrer Wohnung auf dem Weg zum klingelnden Telefon, als sie stolperte und das Gleichgewicht verlor. Ein ums Handgelenk gebundener Hausnotruf bewahrte die Seniorin davor, mehrere Stunden unbemerkt auf dem Boden zu liegen. Der Rettungsdienst kam und brachte sie ins St. Vincenz Krankenhaus.

„Eine Hüftgelenksfraktur sehen wir an dem verkürzten Bein und dem nach außen gedrehten Fuß fast sofort“, erklärt Dr. Feldmann. Über die Form des Bruchs, die mit dem bloßen Auge von außen nicht zu erkennen ist, gibt eine Röntgenaufnahme Aufschluss. Bei besonders komplizierten Verletzungen können zur Diagnose auch CT oder MRT hinzugezogen werden.

 

„Nicht zu Operieren wäre medizinischer Unfug“

 

Hüftprothese hilft nach Schenkelhalsbruch und bei verschlissenen Knochen

Schenkelhalsbrüche werden in der Regel mit einer Teilprothese behandelt, berichtet der unter anderem auf Endoprothesen am Knie, der Hüfte und der Schulter spezialisierte Mediziner und erklärt: „Die Bruchstelle mit Schrauben zu kitten, kommt nur äußerst selten und bei ganz jungen Patienten in Frage, weil nach einer Hüftfraktur ohne Prothese die Gefahr von Durchblutungsstörungen, besonders bei älteren Menschen, zu groß wäre.“ Im Philippusstift und St. Vincenz Krankenhaus ersetzen Mediziner deshalb – je nach Ausmaß der Verletzung – entweder das kugelförmige Ende des Oberschenkelknochens durch eine Teilprothese oder setzen eine vollständige Prothese ein. Letzteres ist auch ohne Fraktur beim Verschleiß des Hüftgelenks notwendig.

Mit rund 330 implantierten Hüftgelenken im Jahr, davon 130 im Falle einer Fraktur, hat das Team um Dr. Feldmann höchste Expertise in diesem Bereich. Ausgewiesene Experten sind die Chirurgen im St. Vincenz Krankenhaus und Philippusstift darüber hinaus in allen weiteren Bereichen der Endoprothetik, wie im Einsatz von Knieprothesen, Hüftprothesen oder auch Schulterprothesen. Beide Häuser sind sowohl als Endoprothetikzentrum als auch als Traumazentrum zertifiziert und können damit die hervorragende Qualität belegen.

Eine konservative Alternative zur Operation gebe es bei hüftgelenksnahen Brüchen nicht. „Früher bis in die 50er-Jahre haben Patienten acht Wochen lang in gestreckter Position auf dem Rücken im Krankenbett gelegen, in der Hoffnung, dass die Knochen auf diese Weise wieder zusammen wachsen“, berichtet Dr. Feldmann von vergangenen Zeiten, in denen der Einsatz einer Prothese in der heutigen Weise noch nicht möglich war. „Bei manchen hat es geklappt, andere sind daran gestorben“, bedauert der Mediziner. Auch heute noch liegt die Sterblichkeitsrate nicht operierter hüftgelenksnaher Frakturen dem Chirurgen zufolge bei 50 Prozent. Das heißt: Bei jedem zweiten würde ein nicht operierter Schenkelhalsbruch innerhalb eines Jahres zum Tod führen. „Nicht zu operieren wäre medizinischer Unfug“, sagt Dr. Feldmann deshalb.

Nach Hüft-OP: Geriatrische Nachbehandlung direkt vor Ort

Dank engster Zusammenarbeit mit der Kardiologie und der internistischen Abteilung werden Patienten im Philippusstift und St. Vincenz Krankenhaus nach einer Operation umfassend fachübergreifend behandelt. Das ist deshalb wichtig, weil gerade ältere Patienten, wenn sie stürzen und sich die Hüfte brechen, zusätzlich häufig von anderen Krankheiten betroffen sind, beispielsweise von einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Seit Anfang Oktober ist im St. Vincenz Krankenhaus eine geriatrische Behandlung direkt im Haus möglich. „Bisher mussten Patienten nach einem operativen Eingriff zur geriatrischen Nachbehandlung ins Marienhospital verlegt werden. Die Neuerung spart Patienten unangenehme Transportwege“, freut sich Dr. Feldmann.

Ohne begleitende Erkrankungen, die einen weiteren Krankenhausaufenthalt nötig machen, dürfen Betroffene nach dem Einsatz einer Prothese oder Teilprothese bereits am nächsten Tag wieder aufstehen. „Viele sind beim Aufwachen bereits schmerzfrei. Mindestens empfinden sie aber eine deutliche Besserung im Vergleich zu ihrem Befinden vor der OP“, weiß der Orthopäde aus Gesprächen mit etlichen Patienten. Nach einer Woche können die meisten das Krankenhaus wieder verlassen.

„Mulmiges Gefühl in Südafrika“

Glücklich wieder nach Hause konnte nach zwei Wochen im Krankenhaus und anschließender Reha auch Christa Joos, die bis zu diesem erlösenden Moment einige Hindernisse zu überwinden hatte. In dem privaten, südafrikanischen Krankenhaus angekommen musste sie zunächst erstmal ihre Kreditkarte zücken und blieb dann vier Tage unoperiert im Krankenbett liegen. Am meisten beunruhigt hat sie der Hinweis, sie brauche eine Bluttransfusion. „Das war ein mulmiges Gefühl“, sagt Christia Joos. Umso erleichterter war sie hinterher, dass alles gut gegangen ist.

16 Tage später, pünktlich zur geplanten Abreise, durfte Christa Joos das Krankenhaus auf dem fremden Kontinent verlassen. Der Malteser Hilfsdienst brachte sie zum Flughafen nach Johannesburg, in Deutschland nahm ihr Sohn sie in Empfang. Drei Monate lief die sonst rüstige Dame nach dem unglücklichen Sturz aus dem Bus an Gehhilfen, bis sie sich auf Empfehlung von Dr. Feldmann auch aufgrund hoher Verschleißerscheinungen des Knochens zu einer Hüftprothese entscheid. Dr. Feldmann entfernte zunächst den in Südafrika eingesetzten Marknagel, der sich über den gesamten Oberschenkel erstreckte, und setzte anschließend eine Hüftprothese nach modernsten medizinischen Standards ein.

 

„Dr. Feldmann hat an mir sein Meisterstück abgeliefert“

 

„Ich bin vollauf zufrieden“

„Von da an hatte ich praktisch keine Schmerzen mehr“, sagt die 71-Jährige aus dem Essener Süden glücklich und schwärmt: „Ich bin vollauf zufrieden. Dr. Feldmann hat an mir sein Meisterstück abgeliefert und auch über das Pflegepersonal kann ich nur Gutes sagen.“ Sie könne inzwischen wieder alles machen und spüre praktisch keine Schmerzen mehr. „Erst vorige Woche war ich auf Norderney“, berichtet Christa Joos und präzisiert begeistert: „Nach einer dreistündigen Stadtführung zu Fuß bin ich abends sechs Kilometer in ein Restaurant und die gleiche Strecke wieder zurück gelaufen. Das sagt glaube ich alles“. Ob sie allerdings je ihre geplante Reise nachholt, bezweifelt die 72-Jährige: „Im Moment spüre ich noch keinen Drang, wieder hinzufliegen.“