Für ihre ausgezeichnete Arbeit ist die Handchirurgie des Katholischen Klinikums Essen überregional bekannt. In den Krankenhäusern Philippusstift und St. Vincenz Krankenhaus werden nicht nur verletzte Gelenke und Bänder sowie Rheumahände geheilt, sondern – wenn nötig – auch mal eine ganze Hand rekonstruiert.

Dr. Christoph Eicker, einer der Leitenden Ärzte der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie sowie Hand- und Fußchirurgie, gibt Einblicke in kuriose Fälle, neue Behandlungsmethoden und den OP-Saal.

Eine Frau sieht an ihrer Wohnzimmerwand eine Spinne, steigt auf die Couch, um den Achtbeiner zu erlegen, verliert das Gleichgewicht – und das Handgelenk ist gebrochen. „Jeder weiß, dass man nicht auf Möbel klettern sollte und doch passiert es immer wieder“, sagt Dr. Christoph Eicker. Solche und ähnliche Fälle behandelt er regelmäßig. Männer und Frauen steigen auf Drehstühle, wollen Wespen erschlagen oder stürzen beim Sport.

Meist bricht die dominante Hand

Ein Schaubild der Knochen in der menschlichen Hand

Die menschliche Hand

„Wenn wir fallen, strecken wir reflektorisch die Hand aus, um uns abzustützen“, erklärt Dr. Eicker, warum so oft das Handgelenk betroffen ist. Am häufigsten sind Brüche der Speiche, meist an der dominanten Hand: bei Linkshändern die linke, bei Rechtshändern die rechte. Ob operiert werden muss, entscheidet das orthopädische Ärzteteam in Essen nach drei OP-Kriterien: Verschiebt sich der Bruch? Kippt er ab? Ist er verkürzt? „Treffen zwei der drei Kriterien zu, empfehlen wir eine Operation“, so der Leitende Arzt. Mit einem Handgelenksbruch sei man erheblich gehandicapt. „Machen Sie sich mal mit einer Hand den Knopf zu“, scherzt Dr. Eicker.

Zwar gebe es zu jeder Operation als Alternative die konservative Behandlung. „Brüche wachsen unbehandelt allerdings deutlich langsamer und nicht so gut zusammen wie nach einer Operation“, meint der Experte. Außerdem seien durch neue Behandlungsmethoden die Folgen einer Operation geringer als noch vor einigen Jahren. Um die Jahrtausendwende hat mit winkelstabilen Implantaten eine neue Ära der operativen Behandlungen begonnen. Vorteile dieser Platten sind, dass sie sich der Anatomie des Handgelenks anpassen und  durch Schwingungen die Knochensubstanz anregen, sich neu zu bilden. Früher wurde fehlende Knochensubstanz aus dem Becken entnommen. Das ist heute nicht mehr nötig.

Innerhalb von zwei Tagen geht die Hälfte der Muskelmasse verloren
Je nach Bruch ist nur noch eine kurzzeitige bis gar keine Ruhigstellung mit Gips mehr nötig. „Das ist besonders für Sportler von Vorteil“, weiß Dr. Eicker, denn: „Innerhalb der ersten zwei Tage verliert das eingegipste Körperteil 50 Prozent seiner Muskelmasse.“ Die Heilung dauere zwar trotzdem sechs Wochen, Gewichte  heben und abstützen sind in dieser Zeit weiterhin tabu, aber der Patient kann sich immerhin selbst ein Butterbrot schmieren.

Darüber hinaus müssen Patienten nicht mehr zwangsläufig unter Vollnarkose operiert werden. Auf Wunsch ist auch örtliche Betäubung durch einen Katheter möglich, durch den kontinuierlich und kontrolliert das Betäubungsmittel in den Arm fließt. „Der Arm ist im Dauerschlaf, der Kopf wach. Nach ein bis zwei Tagen reduziere ich die Menge an Betäubungsflüssigkeit. So hat der Patient weniger Schmerzen als nach einer Vollnarkose“, beschreibt der Orthopäde den Vorgang.

„Wichtig bei einer Fraktur ist, dass ich mich auch um das Band kümmere“, ergänzt der auf Handwurzelverletzungen spezialisierte Arzt. Bei Brüchen reiße oft die Verbindung zwischen Kahnbein und Mondbein. Das Zeitfenster, das Band zu nähen, beträgt laut Dr. Eicker drei bis sechs Monate. „Warte ich zu lange, ist die Chance vertan, und der Patient wird immer wieder Probleme mit dem Gelenk haben.“

Abgetrennte Finger und Hände
Noch komplizierter wird es, wenn nicht nur das Handgelenk verletzt ist, sondern ganze Finger oder die ganze Hand abgetrennt sind. „Solche Fälle haben wir besonders häufig vor Weihnachten: der Opa will noch schnell das Vogelhaus für sein Enkelkind bauen und schneidet sich mit der Kreissäge den Finger ab“, schildert der Doktor. In solchen Fällen kommt es auf das ganze Geschick des Chirurgen-Teams an, das für seine hervorragende Arbeit weit über die Ruhr hinaus bekannt ist.

Das Katholische Klinikum Essen gehört zu den großen Zentren der Handchirurgie. Fünf Ärzte sind Spezialisten auf dem Gebiet und werden regelmäßig in Schulungen fortgebildet. Wenn nötig, stellen sie auch mal eine ganze Hand wieder her. Wie das möglich ist? „Mit einer ruhigen Hand und optischer Vergrößerung“, entgegnet Dr. Eicker, der unter einem OP-Mikroskop mit 25-facher Vergrößerung Gefäßnerven komplett rekonstruieren kann.

Kontakt
Katholisches Klinikum Essen
Philippusstift
Dr. med. Christoph Eicker, Dr. med. Peter Kaivers
Leitende Ärzte
Chirurgische Klinik II – Orthopädie und Unfallchirurgie, Hand- und Fußchirurgie
Hülsmannstraße 17
45355 Essen
Fon: 0201 6400 3201
Mail: c.eicker(a)kk-essen.de, p.kaivers(a)kk-essen.de

St. Vincenz Krankenhaus
Von-Bergmann-Str. 2
45141 Essen
Fon: 0201 6400 3101
Mail: c.eicker(a)kk-essen.de, p.kaivers(a)kk-essen.de