Mit drohenden Herzstillstand und in höchster Lebensgefahr wird Wilhelm V. in das Philippusstift des Katholischen Klinikums Essen eingeliefert. Die Mediziner um Prof. Hailer, Leitende Ärztin der Medizinischen Klinik II – Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie, Angiologie und Rhythmologie, müssen schnell reagieren. Sie versorgen den Patienten und retten ihm mit einer hochmodernen Kardiokapsel das Leben. Das Katholische Klinikum Essen gehört bundesweit zu den ersten Kliniken, die die jüngst auf den Markt gebrachte Technik verwenden.

„Ich hatte seit längerem Beschwerden beim Gehen, musste beim Spazieren alle 50 Meter stehen bleiben“, beschreibt der kürzlich operierte Patient die Tage vor der Operation. Schließlich ging nichts mehr. Unter höchster Luftnot fährt Wilhelm V. ins Philippusstift und wird dort direkt auf die Intensivstation verlegt. „Er hatte einen sehr langsamen Puls mit etwa 20 Schlägen pro Minute“, erinnert sich Prof. Dr. Hailer. Normal sind 60 bis 70. „Ohne Schrittmacher wäre er nicht mehr lebensfähig gewesen“, so die Ärztin.

Wilhelm V. wird auf der Intensivstation stabilisiert, sein Puls mit Medikamenten beschleunigt. Im Anschluss führen Kardiologen des Philippusstifts einen Katheter mit enthaltenem Schrittmacher zum Herzen des Patienten, platzieren das Gerät in der rechten Herzkammer und setzen es frei. Das Verfahren selbst gehört für Prof. Hailer und ihr Team zu den Standard-Eingriffen. „Die Technik des Zugangsweges über die Leiste ist unsere tägliche Routine auch bei anderen Eingriffen am Herzen, deshalb beherrschen wir den Vorgang sehr sicher“, beruhigt die Professorin. Neu ist lediglich das einzusetzende Gerät.

Prof. Dr. Birgit Hailer, Leitende Ärztin der Medizinischen Klinik II, zeigt einen herkömmlichen Herzschrittmacher (rechts) und einen Mikroherzschrittmacher im Vergleich

Prof. Dr. Birgit Hailer, Leitende Ärztin der Medizinischen Klinik II, zeigt einen herkömmlichen Herzschrittmacher (rechts) und einen Mikroherzschrittmacher im Vergleich

Zahl der eingesetzten Herzschrittmacher steigt

Grundsätzlich sind Herzschrittmacher dann nötig, wenn das Herz zu langsam schlägt, um den Körper ausreichend mit Blut und damit Sauerstoff zu versorgen. Die Zahl der eingesetzten Herzschrittmacher ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Bundesweit sind nach Angaben des Deutschen Herzschrittmacher-Registers im Jahr 2013 rund 107.000 Geräte implantiert worden. Fünf Jahre zuvor waren es noch knapp 96.000. Zugenommen hat deutschlandweit auch die Zahl der Revisionen: Sie stieg von 13.447 im Jahr 2012 auf 13.525 im zuletzt untersuchten Zeitraum 2013. Gründe sind beispielsweise leere Batterien (sowohl regulär als auch vorzeitig), Infektionen oder dislozierte sowie gebrochene Sonden.

Die bisher üblichen Herzschrittmacher werden über einen Schnitt unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Sie bestehen aus einem Impulsgenerator und ein bis zwei dünnen isolierten Drähten, den Elektroden. Sie verbinden das Gerät mit dem Herzen und messen dort die eigene elektrische Aktivität des Herzens. Ist der Rhythmus zu langsam, werden über die Elektroden elektrische Impulse abgegeben, damit das Herz wieder schneller schlägt. „Das Hauptproblem herkömmlicher Geräte ist, dass die Sonden irgendwann Störungen aufweisen“, sagt Prof. Hailer. Sonden, die einen langen Weg von der Schrittmacherbatterie bis zum Herzen nehmen, könnten nach einigen Jahren brechen oder eine Quelle von Entzündung oder Gerinnselbildung werden.

Kardiokapsel weist weniger Störungen auf

„Bei den kleinen Kapseln ist die Angriffsfläche deutlich geringer“, erklärt die Professorin. Die winzigen Geräte, die etwa die Form und die Größe einer kleinen Batterie haben, kommen ohne Sonden aus. Sie sind deshalb deutlich weniger störanfällig und beeinträchtigen Patienten weniger als bisherige Geräte. Weiterer Vorteil der neuen Technik: Es bleibt nur eine winzige Narbe in der Leistengegend, weil das Gerät nicht mehr über einen Schnitt unterhalb des Schlüsselbeins sondern per Punktion der Leiste implantiert wird.

Anders als herkömmliche Herzschrittmacher wird die Kardiokapsel vom Patienten kaum wahrgenommen. Allerdings kommt sie nur für Patienten infrage, die über die Hauptkammer stimuliert werden müssen. Wer unsicher ist, ob ein Schrittmacher und gegebenenfalls welcher der richtige ist, kann sich in einem Beratungsgespräch im Philippusstift oder St. Vincenz Krankenhaus detaillierter über mögliche Vor- und Nachteile informieren.

Wilhelm V. darf nach einer Routine-Untersuchung am Tag nach der Operation bereits wieder nach Hause. Der ganze Aufenthalt dauerte für ihn drei Tage. Anzusehen ist dem 86-Jährigen weder sein Alter noch der kürzlich erfolgte Eingriff. Quickfidel spaziert er zu einer Nachuntersuchung durch die Gänge des Philippusstiftes. Sein Puls liegt inzwischen nicht mehr bei 20, sondern bei 60 Schlägen in der Minute. Dank der modernen Technik sind auch ausgiebige Spaziergänge mit seiner Frau kein Problem für den Rentner.