Das Katholische Klinikum Essen warnt vor illegalen Feuerwerkskörpern, landläufig auch als „Polenböller“ bezeichnet. Die Zahl der dadurch verursachten Verletzungen sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

„Illegale Böller können ganze Hände zerfetzen“, mahnt Dr. Peter Feldmann, Leitender Arzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Katholischen Klinikums Essen.

Mit dem Alkoholspiegel steigt zum Jahreswechsel auch der Ansturm auf die Notaufnahme. Neben Verletzungen durch Feuerwerk müssen die behandelnden Ärzte besonders oft durch Glasscherben verursachte Schnittwunden an den Händen versorgen. Die häufigste Unfallursache an Silvester sind zerbrochene Flaschen oder Gläser. „Außerdem kommt es vermehrt zu Verkehrsunfällen“, sagt Dr. Feldmann. Oft seien alkoholisierte Passanten involviert, die unachtsam über die Straße gingen.

Feuerwerkskörper können ganze Gliedmaßen abreißen
„Der richtige Boom entsteht nach Mitternacht und hält sich bis in die späten Morgenstunden“, berichtet der Chirurg von einer typischen Silvesternacht im Krankenhaus. Erhöhter Betrieb herrsche aber schon ab dem späten Nachmittag, weil auch tagsüber viel geböllert und getrunken werde. Vor allem junge Erwachsene werden an Silvester in der Notaufnahme behandelt. Unter Alkoholeinfluss zünden sie Raketen oder werfen Böller in Menschenmengen – und gefährden dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Mitmenschen. „Wenn ein handelsüblicher Chinaböller in der Hand explodiert, verursacht das in der Regel schmerzhafte Brandverletzungen“, sagt der Unfallchirurg, „bei Polenböllern ist das Verletzungsmuster in Heftigkeit und Ausprägung wesentlich schlimmer“. Feuerwerkskörper mit dieser Sprengkraft können ganze Gliedmaßen abreißen.

Reiz der größtmöglichen Explosion
Nicht umsonst ist solches Feuerwerk in Deutschland illegal. Vergehen werden von der Polizei strafrechtlich verfolgt. Nur Feuerwerkskörper mit aufgedruckter Registriernummer und CE-Prüfzeichen sind erlaubt. Und dennoch scheint der Reiz der größtmöglichen Explosion so hoch, dass der illegale Import boomt. Die Böller stammen meist aus Polen oder Tschechien und der Erwerb hierzulande wird immer einfacher. In Zeiten des Internets bedarf es nur weniger Klicks, um zu Händlern zu gelangen, welche das Feuerwerk im Ausland illegal besorgen und über Webshops in Deutschland weiterverkaufen.

Dr. Peter Feldmann warnt:

„Feuerwerk birgt vor allem in Kombination mit Alkohol ein gewaltiges Risiko.“ Natürlich müsse niemand in der Silvesternacht prinzipiell auf Alkohol verzichten. Jedoch ließe sich aus seiner Sicht das Unfallrisiko durch eine einfache Regel erheblich senken: Erst böllern, dann trinken. „So, wie man betrunken nicht Auto fährt, sollte man auch unter Alkoholeinfluss kein Feuerwerk zünden.“

 

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Katholisches Klinikum Essen
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Dr. med. Peter Feldmann
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Chirurgische Klinik II – Orthopädie und Unfallchirurgie, Hand- und Fußchirurgie
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