GesundInEssen.de sprach mit Dr. Karl Deiritz von WIESE e. V., einer Plattform für Selbsthilfearbeit und Anlaufstelle für Selbsthilfegruppen in Essen.

Herr Dr. Deiritz, welche Ziele verfolgt WIESE e. V.?
Wir sind die zentrale Plattform für Selbsthilfearbeit in Essen, eine Selbsthilfe-Beratungsstelle für drei Nutzergruppen: Die Bürgerinnen und Bürger in Essen, die Selbsthilfegruppen und das professionelle gesundheitliche System.
Unser erstes Anliegen ist es, Selbsthilfegruppen in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Wir informieren die Bürgerinnen und Bürger von Essen über das Angebot von Selbsthilfegruppen, immerhin zirka 600 Gruppen und schaffen Zugangswege zu diesen Gruppen.
Unser zweites Anliegen ist die Stärkung der Selbsthilfegruppen in Essen, die Unterstützung bei der Gründung neuer Selbsthilfegruppen und bei der Kontaktaufnahme zu Kliniken oder zu Krankenkassen. Wir unterstützen die Gruppen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit, bieten Fortbildungen an und helfen bei der Gestaltung gruppendynamischer Prozesse.
Das dritte Ziel ist die Unterstützung des professionellen Bereichs. Wir halten beispielsweise Vorträge an Berufs- und Pflegeschulen über Chancen und Grenzen von Selbsthilfegruppen, sind unter anderem Ansprechpartner für Krankenversicherungen und das Gesundheitsamt und vertreten die Idee der Selbsthilfe in kommunalen Gremien.

Sie arbeiten bereits seit 20 Jahren für WIESE e. V. Wie ist die Beratungsstelle personell aufgestellt?
Wir sind drei hauptamtliche Mitarbeiter. Die zentrale Person ist Frau Becker, sie ist Dipl.-Pädagogin und Ansprechpartnerin bei allen Fragen rund um die Vermittlung oder Neugründung einer Selbsthilfegruppe und die weitere Betreuung. Sie hilft auch bei der Klärung von Konflikten. Und sie erklärt den Auszubildenden in Berufs- und Pflegeschulen die Bedeutung von Selbsthilfegruppen. Außerdem haben wir eine Verwaltungskauffrau, Frau Dickgreber. Sie ist zuständig für die organisatorischen Abläufe und die Daten-Verwaltung. Ich bin für die Außenwirkung der Beratungsstelle zuständig.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Katholischen Klinikum Essen?
Wir arbeiten schon seit vielen Jahren erfolgreich mit dem Katholischen Klinikum Essen zusammen. Im vergangen Jahr haben wir beispielsweise zusammen mit dem Marienhospital, mehreren Selbsthilfegruppen, Wohlfahrtsverbänden und dem Büro für Interkulturelle Arbeit den ersten Deutsch-Türkischen Gesundheitstag im Gemeindezentrum der Fatih-Moschee organisiert.
Außerdem stellt das Katholische Klinikum Essen kostenlos Räume für Selbsthilfegruppen zur Verfügung. Umgekehrt funktioniert dieses System natürlich auch: Wenn am Katholischen Klinikum Essen Nachfrage nach einer bestimmten Selbsthilfegruppe besteht, vermitteln wir den Kontakt. Wir haben auch schon eine Woche der Selbsthilfe am Marienhospital gemeinsam organisiert.

Das hört sich nach einer gelungenen Kooperation an. Sie sind also mit der Zusammenarbeit zufrieden?
Ja, unbedingt. Wir haben diese Zusammenarbeit inzwischen auf die solide Basis eines Sechs-Punkte-Programms für ein selbsthilfefreundliches Krankenhaus gestellt, das jetzt für alle Essener Krankenhäuser gilt. Wir haben dieses Programm zuerst mit Manfred Sunderhaus, dem Geschäftsführer des Katholischen Klinikums, diskutiert und sind dann in die Diskussion mit den anderen Klinken gegangen. Sie sehen, die Zusammenarbeit findet auf allen Ebenen, auch auf der Leitungsebene, statt. Und sie hat bestimmt noch – wie sagt man so schön – Luft nach oben.

Vielen Dank für das sympatische Gespräch, Herr Dr. Deiritz. Das Gesund in Essen Team.
Essen, 04.02.2014