Gabriele Jörß leitet seit 2010 die Selbsthilfegruppe Lungenkrebs in Essen. Im Interview erklärt sie, warum der persönliche Austausch zwischen den Betroffenen so wertvoll ist.

Frau Jörß, warum sollten sich Betroffene der Selbsthilfegruppe Lungenkrebs in Essen  anschließen?
Gabriele Jörß: Nach der Behandlung sind Patienten häufig auf sich alleine gestellt. Wir als Selbsthilfegruppe geben Ratschläge, wie die Nachsorge aussehen kann. Unterstützt werden wir von Onkologen, die regelmäßig Vorträge zu den neuesten Behandlungsmöglichkeiten halten. Praktische Hilfe erhalten wir von Physiotherapeuten, die Atemtherapien und sportliche Aktivitäten anbieten. Darüber hinaus laden wir zu unseren Treffen Institutionen oder Organisationen wie den Arbeiter Samariter Bund ein, die über Themen wie beispielsweise Patientenverfügung sprechen.

Gabriele Jörß, Leiterin der Selbsthilfegruppe Lungenkrebs Essen e.V.

Gabriele Jörß, Leiterin der Selbsthilfegruppe Lungenkrebs Essen

Wie wichtig ist der Austausch zwischen den Mitgliedern der Gruppe?
Gabriele Jörß: Ich sehe es immer wieder: Der Patient bekommt die Diagnose Lungenkrebs und muss diesen Schock erst einmal verarbeiten. Der Austausch mit Betroffenen hilft dabei ungemein. Denn jeder in der Gruppe weiß was es heißt, an Lungenkrebs erkrankt zu sein. Es ist einfach schön zu sehen, wie sich hier Menschen begegnen und sich gegenseitig Mut zusprechen. Ich spüre deutlich, wie sehr dieser Austausch den Betroffenen und auch den Angehörigen hilft.

Leben mit Lungenkrebs – welche Wege gibt es?
Gabriele Jörß: Das Leben wird sich mit der Diagnose Lungenkrebs definitiv ändern. Alle drei Monate müssen Patienten zur Nachsorgeuntersuchung. Unruhe breitet sich aus, denn das Gedankenkarussell beginnt vor jeder Untersuchung wieder zu kreisen, ob sich im Krankheitsverlauf etwas verändert hat. Diese Situation ist schwierig und belastend. Ein Weg, damit zurecht zu kommen, führt in unsere Selbsthilfegruppe, die in solchen Situationen Unterstützung bietet.

Noch viel wichtiger ist ein Stück Normalität; wer arbeiten gehen kann, sollte das auch tun. Viele Betroffene möchten gar nicht so sehr umsorgt werden, denn das rückt die Erkrankung wieder in den Vordergrund. Zu den Treffen und Gesprächen innerhalb der Gruppe sind deshalb auch stets die Umsorgenden, sprich die Angehörigen, herzlich eingeladen. Hier erfahren beide, Betroffene und Angehörige, wie andere ihr Leben meistern. Das hilft.

Treffen der Selbsthilfegruppe Lungenkrebs in Essen
Die Selbsthilfegruppe Lungenkrebs in Essen trifft sich jeden 4. Dienstag im Monat. Die Treffen sind offen für alle Lungenkrebspatienten und deren Angehörige, unabhängig von der behandelnden Klinik. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Weitere Infos finden Sie im Flyer.

Kontakt
Gabriele Jörß
Telefon: 0171/15 85 192
E-Mail: essen@selbsthilfe-lungenkrebs.de