Tiefe Gespräche oder Alltagsfreuden:
Doris Broszeit kommt als Seelsorgerin regelmäßig mit Patienten des Katholischen Klinikums Essen ins Gespräch. Im Interview erzählt sie, wie sie Kranke unterstützt ohne selbst traurig zu werden.

Wie kommen Sie mit Patienten ins Gespräch?
Doris Broszeit: Die Zugangswege zur Seelsorge sind unterschiedlich. Angehörige kommen auf mich zu und bitten darum, ihre Lieben zu besuchen. Manche  Patienten nehmen selbst Kontakt auf. Häufig kommt es  vor, dass  Pflegende, Ärzte oder Therapeuten einen Besuch anregen. Wir Krankenhausseelsorger warten aber nicht nur darauf, dass jemand etwas möchte, sondern sind im Haus unterwegs und besuchen Patienten. Bisweilen ergeben sich kurze Gespräche, öfter aber  auch ein längerer Austausch. Wichtig ist: der Patient bestimmt das Thema. Nicht alle wollen über ihre Sorgen reden, sondern erst mal als Person gesehen werden. Und dann schraubt sich ein Gespräch in die Tiefe oder auch nicht. Man landet bei Sorgen und Ängsten, oder bei der Freude über die Enkelkinder.

Über welche Sorgen sprechen Patienten mit Ihnen?
Doris Broszeit: Ein großes Thema ist Angst. Das Gefühl muss man äußern dürfen, ohne mit billigen Worten wie „Das wird schon wieder“ beschwichtigt zu werden. Das will niemand hören, der wirklich Angst hat. Manche hätten gern Klarheit darüber, was bei einer Operation genau gemacht wird. Oft geht es auch darum, wie es weitergehen kann: Was, wenn ich nicht mehr nach Hause kann? Dann tritt häufig die Frage nach dem Sinn auf. Thema ist auch, wie die eigene Erkrankung Angehörige belastet oder wie man mit ihnen über die Angst reden kann.

Wie helfen Sie?
Doris Broszeit: Ich höre aufmerksam zu und begleite den Patienten, wo er das möchte, in die Tiefe seines eigenen Lebens. Dabei taste ich danach, was jetzt Sinn macht und Lebenskraft gibt. Oft mache ich die Erfahrung, dass eine Person, wenn sie benennen kann, was sie an Bedürfnissen hat, auch selbst herausfindet, was oder wen es braucht, um diese Bedürfnisse zu befriedigen.

Was machen Sie, wenn Sie abends nach Hause kommen, um abzuschalten?
Doris Broszeit: Meistens nehme ich mir, bevor ich aus dem Krankenhaus gehe, noch einen Moment Zeit. Zeit, um in der Kapelle die Begegnungen des Tages in Gottes Hände zu legen. Es hilft mir ungemein in Gott hinein loszulassen, was ich im Moment nicht verändern kann. Natürlich ist es auch wichtig, selbst eine gute Gesprächsbegleitung zu haben. Und dann helfen die ganz alltäglichen Dinge – vom Haushalt bis zum Einkaufen oder der Freizeitgestaltung mit Familie und Freunden.
Natürlich fragen mich manche, ob mir das nicht zu viel sei, die ganze Zeit mit Krankheit und Tod zu tun zu haben. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Ich habe mit Leuten zu tun, die gerade etwas wirklich Wichtiges in ihrem Leben erfahren, nämlich krank zu sein. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es uns selbst zugemutet wird. Einander dann unterstützen zu können, ist auch sehr schön und erfüllend. Aber ich denke, das ist kein Privileg der Seelsorge, sondern gilt ebenso für alle Kollegen im Krankenhaus, die im Dienst der Mitmenschlichkeit unterwegs sind.

Kontakt
Katholisches Klinikum Essen
Philippusstift
Pastoralreferentin Doris Broszeit
Seelsorge
Hülsmannstraße 17
45355 Essen-Borbeck
Fon: 0201 6400-1230
Mail: d.broszeit@kk-essen.de