Wann eine Knie- oder Hüftprothese sinnvoll ist und welchen Nutzen ein von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie initiiertes Endoprothesenregister hat, an dem sich auch das Katholische Klinikum Essen beteiligt, berichtet Prof. Dr. Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik.

Wann wird ein Hüft- oder Kniegelenk aus medizinischer Sicht ersetzt?

Prof. Dr. Karl-Dieter Heller: Hier müssen zahlreiche Parameter zusammen wirken. Voraussetzung ist ein hoher Leidensdruck beim Patienten. Dieser Leidensdruck wird unabhängig von der Schwere der Verschleißerkrankung von den Betroffenen sehr unterschiedlich empfunden. Grundvoraussetzung ist auch ein positiver Röntgenbefund im Sinne einer schweren  Arthrose. Und nur wenn beides zusammenpasst, sollte und muss operiert werden.

Sofern Patienten nicht schmerzgeplagt sind, können sie also trotz einer schweren Arthrose und der damit einhergehenden Bewegungseinschränkung durchaus gut ihren Alltag meistern und ohne eine Operation auskommen. Wenn sich Patienten hingegen eine Operation wünschen, obwohl sie keinen positiven Röntgenbefund und keine ausgeprägte Bewegungseinschränkung aufweisen, sollte von einer Operation abgeraten werden. Positiver Röntgenbefund, klinische  Untersuchung und Leidensdruck: Passen diese Faktoren zusammen, sollte, kann, aber es muss nicht operiert werden.

Das Endoprothesenregister (EPRD) erfasst die Zeit der Kunstgelenke im Körper vom Einbau bis zum gegebenenfalls notwendigen Wechsel. Welchen Nutzen hat dieses Register für den Patienten?

Prof. Dr. Karl-Dieter Heller: Das EPRD informiert die Patienten über die Qualität der Versorgung und stellt gleichzeitig einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einer höheren Patientensicherheit dar. Mit dem EPRD wird es zukünftig möglich sein, zu erfahren, wie lange ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk hält, ob und in welchem Zeitraum eine Endoprothese gewechselt werden muss und aus welchem Grund dies nötig sein könnte. Solche Aussagen werden möglich durch die Dokumentation wesentlicher Informationen über Eigenschaften der eingesetzten Kunstgelenke, der Operationen sowie der jeweiligen Grunderkrankung der betroffenen Patienten – Informationen, die in ihrer Gesamtheit auch Aufschluss über die Ursachen möglicher Fehlschläge geben.

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