Erst Verdacht auf Schwangerschaftsvergiftung, dann Sturzgeburt in Rekordzeit:

Nach der rasanten Entbindung eines Säuglings berichtet Dr. Martin Schütte, Leitender Arzt der Geburtshilfe im Marienhospital Altenessen des Katholischen Klinikums Essen, über Herausforderungen bei schnellen Geburten und Schwangerschaftsvergiftungen. Die junge, werdende Mutter hatte sich wegen möglicher Komplikationen auf Empfehlung kurzfristig für das Katholische Klinikum Essen entschieden.

 

Wie kommt es zu einer Schwangerschaftsvergiftung?

Dr. Martin Schütte: Die Ursachen einer Schwangerschaftsvergiftung sind nur teilweise bekannt. Die sogenannte Gestose kann zum Beispiel entstehen, wenn bei der werdenden Mutter Vorerkrankungen bestehen, insbesondere an den Nieren, oder wenn schon vor der Schwangerschaft eine Neigung zu Bluthochdruck vorhanden ist. Die meisten Schwangerschaftsvergiftungen, wie die Krankheit im Volksmund genannt wird, treten bei Erstgebärenden auf, von denen die allermeisten keine Vorerkrankungen aufweisen. Es handelt sich dann um sogenannte idiopathische Gestosen, deren Ursache trotz intensiver Forschung über viele Jahrzehnte nicht bekannt ist. Darüber hinaus bleibt unbedingt zu berücksichtigen, dass Schwangerschaftsvergiftungen kein einheitliches Krankheitsbild darstellen sondern sowohl hinsichtlich der Symptomatik wie auch der Schwere und der Bedrohlichkeit der Erkrankung ein sehr breites Spektrum aufweisen, nämlich von relativ wenig bedeutsam bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen.

 

Welche Vorsichtsmaßnahmen sind zu treffen?

Dr. Martin Schütte: Vorsichtsmaßnahmen können nicht wirklich getroffen werden. Es gibt keine sicher verwertbaren Anweisungen, wie eine Gestose sicher vermieden werden könnte. Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge liegt das Hauptaugenmerk darauf, derartige schwangerschaftsinduzierte Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und dann symptomatisch zu behandeln. Der zu hohe Blutdruck wird mit antihypertensiven Medikamenten normalisiert. In schweren Fällen wird Magnesium intravenös appliziert. Bei drohendem Krampfanfall mit entsprechender Sedierung durch die Gabe von Beruhigungsmitteln, wie es auch bei anderen Krampfzuständen üblich ist. Bei Frau Höfken lag aber glücklicherweise allenfalls eine leichte Gestose vor.

 

Rebekka und Jens Höfken mit ihrer frisch geborenen Tochter

Rebekka Höfken sagte, sie sei um 5 Uhr wachgeworden und um 5:55 Uhr ist ihre Tochter geboren. Welche Herausforderungen bringt eine so schnelle Geburt für Mutter und Kind mit sich?

Dr. Martin Schütte: Die Geburtswehen haben äußerst rasch und vehement eingesetzt. Dies ist für die Mutter oft eine Herausforderung, da die Intensität der Schmerzen sehr groß ist und oft zu wenig Zeit bleibt, um eine adäquate Anästhesie (zum Beispiel Periduralanästhesie o.ä.) entsprechend schnell zur Wirkung zu bringen. Anderseits ist eine rasche Geburt natürlich auch etwas Erlösendes. Aus sehr starken und frequenten Wehen kann auch manchmal für die Kinder Stress resultieren. Die Durchblutung der Plazenta kann bei allzu frequenten Wehen herabgesetzt sein. Dies macht sich oft in der Herztonkurve des ungeborenen Kindes bemerkbar. Bei Frau Höfken ist jedoch alles unkompliziert verlaufen.