Zum bundesweiten Tag gegen den Schlaganfall informiert das Katholische Klinikum Essen über die Volkskrankheit

Akute halbseitige Schwäche, Sprach- und Sehstörungen: Anzeichen für einen Schlaganfall sind eindeutig. Trotzdem werden sie besonders bei Kindern häufig nicht erkannt. Privatdozent Dr. Oliver Kastrup, Leiter der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie am Katholischen Klinikum Essen, hat sich in den vergangenen 20 Jahren intensiv diesem Thema gewidmet. Der Mediziner berichtet von Meilensteinen in der Therapie, nennt Risikofaktoren und erklärt, warum er sich gerade bei Kindern mehr Aufmerksamkeit wünscht.

Gesundheit braucht Motivation – so lautet das Motto des diesjährigen Tags gegen den Schlaganfall, aus dessen Anlass am 10. Mai um 18:00 Uhr im Philippusstift, Hülsmannstraße 17, in Haus F ein Vortrag zu der weit verbreiteten Volkskrankheit stattfindet.

„Schnelles Handeln ist bei einem Schlaganfall der wichtigste Faktor“, bringt Dr. Kastrup die Forschungsergebnisse der vergangenen 20 Jahre auf den Punkt. Je früher die Therapie beginne, desto besser. Um das zu gewährleisten, müssten niedergelassene Ärzte, Patienten  und Angehörige noch stärker für die Anzeichen eines Schlaganfalls sensibilisiert werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) zählt 260.000 Schlaganfälle pro Jahr. „Ausgelöst werden sie entweder durch eine Blutung im Gehirn oder – in 80 Prozent der Fälle – durch ein Blutgerinnsel, das ein Hirngefäß verschließt“, erklärt der Privatdozent. Das betroffene Areal des Gehirns stirbt ab, so kommt es zu Ausfallerscheinungen.

Für die Forschung in der Therapie nennt Dr. Kastrup drei Meilensteine der vergangenen 20 Jahre: Erster ist die Einführung der Thrombolyse. Per Infusion werden Patienten mit akutem, durch ein Gerinnsel ausgelöstem Schlaganfall mit einem Gerinnungsmedikament versorgt, das den Weg zum Hirn wieder freigeben soll. „Die Lysetherapie ist allerdings nur in den ersten viereinhalb Stunden nach Eintreten des Schlaganfalls wirksam. Danach sinkt die Wirksamkeit,  und es steigt das Risiko für Blutungen“, schränkt der Neurologe ein.

Zusätzlich erhalten Menschen, bei denen ein großes Gefäß verschlossen ist, als Standard eine Thrombektomie. Ärzte führen einen Katheter mit Stent über die Leiste Richtung Gehirn. Wie ein Drahtkäfig umschließt der Stent das Gerinnsel und der Pfropf wird zusammen mit dem Katheter entfernt. „Die Thrombektomie wird in Deutschland im Einzelfall schon seit zwanzig Jahren angewandt. Heute ist die Technik aber deutlich besser“, preist Dr. Kastrup und erklärt: „Kleine weiche Stents verfangen sich im Gerinnsel, und der Neuroradiologe kann das Gerinnsel so ganz leicht herausziehen.“

Als dritten großen Meilenstein nennt der Leitende Arzt die Prophylaxe. Mit der Einführung der neuen oralen Antikualantien (NOAK) können mit einer festen Dosierung Medikamente verschrieben werden, die das Blut verdünnen und damit bei Vorhofflimmern Schlaganfälle verhindern können. „Vorher hatten wir Marcumar, ein Mittel, das nach Bedarf gegeben wurde. Das hieß aber auch, dass ständig Gerinnungskontrollen durchgeführt werden mussten“, so der Neurologe. Das tägliche Nachjustieren sei mit dem neuen Medikament nicht nötig. Darüber hinaus würden weniger Nebenwirkungen wie unerwünschte Blutungen auftreten.

Damit es nicht erst zu einem Schlaganfall kommt, rät Dr. Kastrup besonders Patienten mit in der Familie bereits aufgetretenen Schlaganfällen nicht zu rauchen, sich gesund zu ernähren und gegebenenfalls Risikofaktoren wie einen zu hohen oder zu niedrigen Blutdruck und ungünstige Fettwerte mit Hilfe des Hausarztes einstellen zu lassen. Auch regelmäßige Bewegung beuge Schlaganfällen vor.

Bei Heranwachsenden sind die Ursachen allerdings andere als bei Älteren. Häufig seien sie genetisch bedingt und Folge verschiedener Blut- und Gefäßerkrankungen, meint Dr. Kastrup. „Bisher führen Schlaganfälle bei Kindern ein Schattendasein und werden häufig zu spät erkannt“, bedauert der Mediziner und ergänzt: „In unserer Gesellschaft wird ein Schlaganfall nur mit dem Alter assoziiert.“ So verzögere sich die Diagnose häufig trotz deutlicher Symptome. „Selbst Ärzte glauben oft nicht, dass es ein Schlaganfall sein kann, und haken das Thema damit ab“, bemängelt der Neurologe und meint: „Schlaganfälle gibt es schon im Säuglingsalter, bei Kleinkindern und Jugendlichen. Leider ist das wenig bekannt. Hier ist noch viel Aufklärung der Bevölkerung und der Ärzte nötig.“

Veranstaltungshinweis:

Anlässlich des bundesweiten Tags des Schlaganfalls am 10. Mai halten Privatdozent Dr. Oliver Kastrup und Christiane Mais, Geschäftsführerin des Aphasiker-Zentrums NRW, Vorträge zum Thema Schlaganfall. Von 18 Uhr bis 19:30 Uhr geht es im Philippusstift, Haus F. Hülsmannstraße 17 in 45355 Essen um Gesundheitsprävention und Motivation sowie Sport nach Schlaganfall. Die Vortragsveranstaltung findet im Rahmen der Patientenhochschule statt. Eine Anmeldung ist erforderlich. Interessierte können sich anmelden unter der Telefonnummer (0201) 6400-1021 oder unter https://gesundinessen.de/patientenhochschule/vorlesungen-termine/