Physiotherapie des St. Vincenz Krankenhauses bietet Workshops für den richtigen Umgang mit Gehhilfen.

 

Wenn das Hilfsmittel zum Hindernis wird: Stürze sind die häufigste Unfallursache in Deutschland, speziell bei älteren Menschen. Die Spanne reicht vom gebrochenen Unterarm bis hin zur Oberschenkelhalsfraktur. Nicht selten ist der Grund der falsche Umgang mit dem Rollator. Ein neuer Workshop „Rollator-Führerschein“ im St. Vincenz Krankenhaus Essen der Contilia Gruppe soll die Sturzgefahr senken.

„Ein Großteil der Menschen mit Rollator läuft falsch oder hat das Gerät zu hoch eingestellt“, beobachtet Andreas Finke, Physiotherapeut im St. Vincenz Krankenhaus Essen. Auch im Krankenhaus behandelt er häufig Menschen, die sich nach einem Sturz mit dem Rollator gravierende Verletzungen zugezogen haben. Er kam deshalb auf die Idee, einen Workshop „Rollator-Führerschein“ ins Leben zu rufen mit dem Ziel, mehr Sicherheit im Umgang mit dem Hilfsmittel zu gewährleisten und damit auch die Mobilität im Alter zu erhöhen.

Pro Jahr werden laut Deutscher Gesellschaft für Unfallchirurgie 400.000 ältere Menschen nach einem Sturz im Krankenhaus behandelt. Häufige Ursache ist eine Hüftgelenksfraktur. Jeder dritte Senior ab 65 Jahren stürzt demnach mindestens einmal pro Jahr, bei den über 80-Jährigen ist es jeder zweite. Auch das Robert-Koch-Institut betitelt Stürze mit 30 Prozent als häufigste Unfallursache. Viele Stürze ereignen sich auf öffentlichen Plätzen, Wegen oder Straßen. Meist seien Fußgänger betroffen, oft in Verbindung mit Gegenständen wie medizinischen Hilfsgeräten.

 

„Der Rollator ist Ihr Freund. Den schiebt man nicht weg, den zieht man zu sich heran.“

 

„Hinterher stelle sich häufig heraus, dass Stürze mit dem Rollator häufig aufgrund einer falschen Handhabung des Geräts geschehen sind“, berichtet Andreas Finke, der einen fehlerhaften Umgang im Alltag oft beobachtet: Die Griffe seien zu hoch eingestellt, Betroffene beugten sich weit nach vorn, anstatt gerade vor ihrer Gehhilfe zu stehen. Er rät Patienten deshalb gern: „Der Rollator ist Ihr Freund. Den schiebt man nicht weg, den zieht man zu sich heran.“

Weitere praktische Tipps und Infos zum Umgang mit Gehhilfen erteilen Andreas Finke und Michaela Blumenschein, Leiterin der Physiotherapie im St. Vincenz Krankenhaus, in Kürze im Rahmen eines Workshops. Termine und Anmeldung auf Anfrage unter Fon 0201 6400 5680.

Rückenschonend gehen

Montieren Sie die Griffe des Rollators etwa auf Handgelenkshöhe. So können Sie sich am besten abstützen und der Rollator bietet größtmögliche Sicherheit. Wenn Sie das Gerät dann auch noch so nah an sich heranziehen, dass Sie beim Gehen die Füße zwischen den hinteren Rollen aufsetzen, sind Sie bestens aufgestellt. Das schont auch den Rücken.

Sicher aufstehen

Sie haben sich zum Ausruhen auf einen Stuhl gesetzt und möchten jetzt wieder aufstehen? Für viele ein Problem. Auch hier gilt: Ziehen Sie das Hilfsmittel so nah wie möglich an sich heran. Andernfalls laufen Sie Gefahr, den Halt zu verlieren und hinzufallen. Stützen Sie sich mit den Händen an den beiden Griffen ab und versuchen Sie sich mit möglichst geradem Rücken aufzurichten.

 

Hindernisse meistern

Ein Bordstein, die Türschwelle oder die berühmte Teppichkante: Kleine Hindernisse können für ungeübte Rollator-Nutzer schnell zur Herausforderung werden. Unser Tipp auch hier: Ran an das Gerät, mit den Händen Druck auf die Griffe ausüben, damit sich die Vorderräder erheben, und auch beim Weitergehen stets nah am Rollator bleiben.

Fokussiert um die Kurve

Beim Abbiegen machen viele den Fehler, mit abgewendetem Blick den Rollator allein voraus zu schicken. Richtig wäre, in Gangrichtung zu schauen, den Oberkörper in die entsprechende Richtung einzudrehen und – als erneut wichtigste Grundregel – auf eine kurze Distanz zum Hilfsgerat zu achten. So bewältigen Sie mit Leichtigkeit auch enge Kurven.