Überfordertes Pflegepersonal, rauer Ton, keine Zeit für Patienten: Gesundheits-und Krankenpflegerinnen und -pfleger mussten in jüngster Vergangenheit harsche Kritik einstecken. Das Katholische Klinikum Essen geht jedoch mit gutem Vorbild voran.

Ein Pflegeschüler berichtet aus seinem Arbeitsalltag, von menschengroßen Puppen und warum er sich zwischendurch gern auch mal fünf Minuten Zeit für Gespräche nimmt.

Christoph Grzebyta ist jung, aufgeschlossen und Schüler in der Krankenpflegeausbildung. Der 22-jährige steht kurz vor seiner Abschlussprüfung und blickt auf angenehme drei Jahre am Katholischen Klinikum Essen zurück. Am besten hat ihm die internistische und intensiv-medizinische Betreuung gefallen. „Damit habe ich angefangen und es ist hängengeblieben. In dem Bereich fühle ich mich am wohlsten und sichersten“, sagt der Azubi.

Entschieden hat er sich für diese Ausbildung, weil auch seine Mutter als Pflegerin arbeitet und er bei ihr gesehen hat, dass es ein „schöner Job sein kann“. Büroarbeit sei nichts für ihn. Die Erwartungen hätten sich bestätigt, sagt er jetzt, drei Jahre später und begründet: „Man hat Kontakt zu den Menschen, kann helfen und bekommt etwas wieder.“ Das Spektrum der Ausbildung umfasst die morgendliche Grundpflege, Verbandwechsel, den Umgang mit Medikamenten und das Wissen über Krankheiten sowie viel Zwischenmenschliches.

Üben an Simulatoren

Ausbildungsbeauftragte Alexandra Bestobka bereitet den Azubi auf ein Patientengespräch vor

Ausbildungsbeauftragte Alexandra Bestobka bereitet den Azubi Christoph Grzebyta auf ein Patientengespräch vor

Besonders viel gebracht und Spaß gemacht habe ihm das Arbeiten im Skills-Labor, das wegen der hohen Kosten bundesweit nur an wenigen Krankenpflegeschulen angeboten wird. Dort liegen fünf menschengroße Puppen in Krankenbetten, jede hat ihre eigene Geschichte, einen Namen, Eigenschaften. In Dreiergruppen stellten die Schüler dort mehrmals pro Ausbildungsjahr Situationen am Krankenbett nach, messen Puls, Blutdruck oder üben besondere Körperlagerungen. Einer las den Ablaufplan, einer führte ihn durch und der Dritte beobachtete und durfte seinem Mitschüler hinterher Feedback geben. Per Mikrofon und Lautsprecher erweckten Lehrkräfte die Puppen zum Leben und ließen sie sprechen, husten oder erschwert atmen. „Das war zu Beginn wirklich merkwürdig“, erinnert sich Christoph Grzebyta noch an die erste Begegnung. Er habe Hemmungen gehabt, mit der Puppe zu sprechen. Die anfängliche Befangenheit legte er aber schnell ab. „Man geht nicht unvorbereitet in die Praxis, sondern hat vorher Erfahrungen gesammelt und die Materialien schon mal angefasst. Das nimmt die Überforderung“, zog er ein positives Resümee.

Zeit für Gefühle
Auch insgesamt fallen ihm nur Lobeshymnen ein: „Die Schule ist super, die Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern und den Ausbildungsbeauftragten auch“, schwärmt er. Die Unterstützung sei hervorragend. Man werde als Anfänger sanft in den Beruf getragen. Ebenso aufmerksam habe er versucht, mit den Patienten umzugehen. „Es bestand immer die Option, ins Zimmer zu gehen und sich fünf oder zehn Minuten Zeit für ein Gespräch zu nehmen.“ So mancher Patient habe sich so bei ihm ausgeweint. „Wie es den Menschen geht, erfährt man nicht, wenn man ohne Worte einfach nur die Pillen gibt und wieder rausgeht. Das bestätigt auch seine Ausbildungsbeauftragte Alexandra Bestobka: „Ein fünfminütiges Gespräch bringt manchmal mehr als Pillen.“

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Katholische Schule für Pflegeberufe Essen
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