GesundInEssen.de sprach mit Priv.-Doz. Dr. Horst Gerhard über Parkinson, eine Erkrankung des Nervensystems. Priv.-Doz. Dr. Gerhard ist unter anderem Facharzt für Neurologie sowie Neurologie und Psychiatrie. Er leitet die Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie am Philippusstift des Katholischen Klinikums Essen.

Herr Dr. Gerhard, die Neurologie ist ein sehr komplexes Fachgebiet, das sich mit den Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, der peripheren Nerven und der Muskulatur befasst. Mit welchen Erkrankungen sind Sie in Ihrer Klinik am häufigsten konfrontiert?
Unsere Fachklinik ist insbesondere spezialisiert auf die Behandlung von Schlaganfall-Patienten. Für die Erstversorgung steht eine Spezialstation, die sogenannte „Stroke-Unit“, zur Verfügung. Außerdem therapieren wir Patienten mit unterschiedlichen Formen von Epilepsie, Schmerzsyndromen und die für Parkinson-Patienten typischen Bewegungsstörungen. Die Frühdiagnose von Parkinson gehört zu den Schwerpunkten unserer Klinik, da gerade der frühe Einsatz von bestimmten Medikamenten das Fortschreiten der Erkrankung verzögern kann.

Warum wird die Parkinson-Krankheit oft so spät erkannt?
Die Krankheit entwickelt sich schleichend, die Symptome sind eher diffus und erst nach Jahren deutlich sichtbar. Offensichtlich gelingt es dem Körper über lange Zeit, den zunehmenden Dopaminmangel zu kompensieren.

Von welchem Therapieansatz versprechen Sie sich am meisten?
Parkinson verläuft bei jedem anders. Deshalb verfolgen wir am Katholischen Klinikum Essen einen fächerübergreifenden, ganzheitlichen Therapieansatz. Neben der individuell angepassten, medikamentösen Therapie therapieren wir also auch die zur Erkrankung gehörenden Begleitsymptome. Dazu arbeiten wir eng mit den internistischen Abteilungen, der gastroenterologischen Klinik und der psychiatrischen Klinik des Philippusstift zusammen.

Was führt eigentlich zu Parkinson? Gibt es einen Auslöser, den man vermeiden kann?
Man hat herausgefunden, dass bei Parkinson-Patienten der Botenstoff Dopamin nicht mehr hergestellt wird. Dopamin ist ein Neurotransmitter – ein Überträgerstoff – es leitet die Signale zwischen Neuronen weiter, die körperliche und geistige Bewegungen steuern. Wenn diese Signale nicht mehr oder nur teilweise weitergeleitet werden, kommt es zu den typischen Motorikstörungen und Einschränkungen der mentalen Fähigkeiten.

Vielen Dank für das Gespräch Dr. Gerhard. Ihr Gesund In Essen Team.
Essen, 26.11.2014