Schon als Kind hatte Privatdozent Dr. Oliver Kastrup den Wunsch, Arzt zu werden. Seit April ist er neuer Leitender Arzt der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie am Katholischen Klinikum Essen. Im Interview stellt der erfahrene Mediziner sich vor, gibt Einblicke in seine Persönlichkeit und sein Fachgebiet und erzählt, warum er sich für den Beruf entschieden hat.

Sie haben im April als neuer Leitender Arzt der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie die Nachfolge von Privatdozent Dr. Gerhard angetreten. Was reizt Sie an der Arbeit am Katholischen Klinikum Essen?

Dr. Oliver Kastrup: In erster Linie reizt mich, dass es am Katholischen Klinikum Essen eine über Jahrzehnte gut etablierte und leistungsfähige neurologische Abteilung gibt. Die Größe der Abteilung, die gute Ausstattung und das breite Spektrum der Neurologie gefallen mir und sind für eine gute Arbeit unabdingbar.

Sie waren vorher Leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Essen mit den Schwerpunkten Gefäßerkrankungen, Neuromuskuläre Störungen, Neuroinfektologie und Multiple Sklerose. Wie können Sie ihr Know-how am Katholischen Klinikum Essen einbringen?

Dr. Oliver Kastrup: Als Leitender Oberarzt habe ich am Uniklinikum das breite Spektrum aller neurologischen Erkrankungen behandelt. Einer meiner Schwerpunkte ist der Schlaganfall – die häufigste Erkrankung in der Neurologie und darum besonders wichtig. Ein weiterer Bereich, in dem ich tätig bin, sind die entzündlichen Erkrankungen, wie zum Beispiel Multiple Sklerose. Am Katholischen Klinikum Essen möchte ich die Therapie der Krankheit als neuen Schwerpunkt einbringen, indem ich Leistungsspektrum und Anzahl der betreuten Patienten ausbaue. Dieses Feld ist neben dem Schlaganfall das dynamischste der Neurologie. Hier gibt es bei Therapien die meisten neuen Entwicklungsmöglichkeiten.

Warum haben Sie sich entschieden, Arzt zu werden?

Dr. Oliver Kastrup: Ich habe als kleiner Schuljunge einen Arztkoffer zum Spielen geschenkt bekommen und seitdem immer wieder verkündet: „Ich will später Arzt werden“. Die Entscheidung ist also schon sehr früh gefallen. Hinzu kommt eine gewisse familiäre „Vorbelastung“ – mein Onkel ist auch Arzt. So habe ich immer etwas Kontakt zu dem Beruf gehabt. In der Abiturzeit hat sich mein Wunsch verfestigt. Es hat mich gereizt, einen Beruf zu ergreifen, der wissenschaftlichen und intellektuellen Anspruch mit kommunikativem und sozialem Anspruch verbindet. Das habe ich in der Medizin wiedergefunden.

Warum der Schwerpunkt Neurologie?

Dr. Oliver Kastrup: Die Spezialisierung hat sich in der Studienzeit herauskristallisiert. Drei Gründe spielten dafür eine besonders große Rolle: Erstens sind das Gehirn und die Nerven die zentrale Schaltstelle des Körpers und damit von integraler Wichtigkeit. Das fand und finde ich daran besonders spannend. Zweitens benötigt man als Neurologe häufig ein detektivisches Gespür: Eine Diagnose lässt sich meistens bereits aus der Anamnese, der Krankengeschichte des Patienten, und aus dem klinischen Befund heraus stellen. Die Zusammenführung der einzelnen Teile ist wie bei einem Puzzle, was mir besonders gut gefällt. Drittens wird die Neurologie ganzheitlich betrieben und hat viele Facetten: Nerven, Muskulatur und Gehirn spielen eine Rolle. Im Gegensatz zu anderen Fachdisziplinen, die sehr stark subspezialisiert sind, liegt der Neurologie eher ein ganzheitlicher Ansatz zugrunde.

Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?

Dr. Oliver Kastrup: Wir versuchen unseren Patienten das wichtige Motto der Work-Life-Balance nahe zu bringen. Ich empfinde das für Ärzte als genauso wichtig wie für Patienten. Körperliche und geistige Entspannung dürfen nicht zu kurz kommen. Für die körperliche Entspannung sorgt bei mir der Laufsport. Meine anderen Interessen liegen vor allem in der modernen Kunst sowie der Kunst im Allgemeinen. Ich gehe sehr gerne in Museen und Galerien. Außerdem mag ich Reisen, weil sie den Horizont erweitern. Ich fahre gerne ans Meer, aber es zieht mit auch auf ferne Kontinente wie Asien und Afrika. Ansonsten lese ich vielfältige Literatur. Meine Interessen sind so breitgefächert wie die Neurologie.

Sie sind waschechter Essener. Was schätzen Sie an der Stadt besonders?

Dr. Oliver Kastrup: An der Stadt und der gesamten Region mag ich besonders die offene Kultur und Atmosphäre. Es ist ja eine Kreuzungsregion in der es ein ständiges Hin- und Wegwandern von Menschen gab. Das spiegelt sich in der Offenheit der Bewohner und der Stadt wider. Diese Offenheit entspricht meinem Naturell.

Was ist Ihnen im Umgang mit Patienten besonders wichtig?

Dr. Oliver Kastrup: Mir ist besonders wichtig, ausreichend Zeit für die Patienten zu haben und ihnen im persönlichen Gespräch intensiv zuzuhören. Viele neurologische Erkrankungen lassen sich in einem ausführlichen Gespräch der Krankenvorgeschichte diagnostizieren. Insofern ist dieser enge Patienten-Gesprächskontakt in der Neurologie besonders wichtig.

Haben Sie eine Botschaft für Ihre neuen Patienten am Katholischen Klinikum Essen?

Dr. Oliver Kastrup: Ja, scheuen Sie sich als Patient nicht, bei jeder Gelegenheit Fragen zu stellen. Leider trauen sich viele Patienten im Gespräch mit dem Arzt nicht, die Fragen zu stellen, die sie bewegen.



Multiple Sklerose: Prognose deutlich besser als früher

Sehstörungen, Taubheitsgefühl, Lähmungen: Multiple Sklerose hat weitreichende Auswirkungen auf das Leben und die Lebensqualität der Betroffenen. Im schlimmsten Fall drohen bleibende Behinderungen. Privatdozent Dr. Oliver Kastrup, seit April Leitender Arzt der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie und auf Multiple Sklerose spezialisiert, macht Patienten Hoffnung.

Dr. Oliver Kastrup

„Mir liegt die Betreuung der betroffenen Patienten besonders am Herzen.“

„Heutzutage kann man durch die vielfältigen Behandlungsoptionen viel mehr erreichen als früher“, sagt Dr. Kastrup. Er möchte am Katholischen Klinikum Essen das Leistungsspektrum in Bezug auf Multiple Sklerose weiter ausbauen und als Schwerpunkt seiner Abteilung etablieren. „Mir liegt diese Erkrankung besonders am Herzen – vor allem die Betreuung der betroffenen Patienten“, so der Essener.

Weltweit etwa 2,5 Millionen Menschen betroffen

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die sogenannten Myelinscheiden, die Schutzschicht um die Nervenzellen, angegriffen werden. Sie befällt hauptsächlich junge Patienten zwischen 20 und 40 Jahren, vereinzelt auch Kinder. Nach Schätzungen des Bundesverbands „Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft“ sind weltweit etwa 2,5 Millionen Menschen davon betroffen, Frauen doppelt so häufig wie Männer. In Deutschland leben rund 130.000 Menschen mit Multipler Sklerose. Bei akuten Schüben werden Patienten kurz aber hochdosiert mit Kortison behandelt. „Das bringt die Symptome meist rasch zur Besserung“, ermuntert Dr. Kastrup. Gelingt das nicht, gibt es sogenannte „Blutwäscheverfahren“. Antikörper werden auf diese Weise entfernt, die Schübe verkürzt oder zur Rückbildung gebracht.  Darüber hinaus bestehen zum Beispiel mit Spritzen oder Tabletten vielfältige Methoden, einem Schub vorzubeugen. Bei schweren Fällen kommen Antikörpertherapien zum Einsatz, die durch eine sogenannte Eskalationstherapie die Krankheit bremsen oder zum Stillstand bringen sollen.

Prognose deutlich besser als früher

„Die Prognose ist heutzutage deutlich besser als früher. Eine MS-Diagnose muss nicht mehr unbedingt einen schweren Einschnitt ins Leben der Patienten bedeuten“, ermutigt der Mediziner. „Viele Patienten bleiben mithilfe der modernen Therapien arbeitsfähig und sind in der Lage, ihr Leben selbstbestimmt weiterzuführen.“ Auch die Lebenserwartung von MS-Patienten sei nicht geringer als die gesunder Menschen. Multiple Sklerose sei zwar nicht heilbar, mithilfe vielfältiger Therapien könne die Krankheit aber zum Stillstand gebracht werden. „Wenn man den Patienten lange auf einem stabilen Niveau hält“, so Dr. Kastrup, „dann ist schon sehr viel gewonnen“.

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Priv-Doz. Dr. Oliver Kastrup
Leitender Arzt
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Tel.: 0201 – 6400 3351
Mail: o.kastrup@kk-essen.de