Weiteres Mittel gegen Multiple Sklerose gibt Grund zur Hoffnung

Ein neues Medikament macht Patienten mit Multipler Sklerose Hoffnung: Eine Antikörpertherapie mit dem Mittel Ocrelizumab soll künftig eine Besserung der primär progressiven sowie der aktiven, schubweise auftretenden Multiplen Sklerose ermöglichen. Für Betroffene und Ärzte ein vielversprechender Durchbruch: Die progressive Form galt bisher als schwer therapierbar.

„Die Behandlungsmöglichkeiten sind in den vergangenen 20 Jahren immens optimiert worden. Aber es gab zu keinem Zeitpunkt zuvor so viel Grund für Optimismus wie jetzt“, zeigt sich Privatdozent Dr. Oliver Kastrup, Leitender Arzt der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie im Philippusstift des Katholischen Klinikums Essen, erfreut. Ihm fallen auf Anhieb einige Patienten ein, die sich bereits auf die neue Antikörpertherapie mit Ocrelizumab freuen. „Einer meiner Patienten verspricht sich davon weniger Schübe“, sagt Dr. Kastrup. „Ein anderer, bei dem die Krankheit bisher ohne Schübe schleichend fortschritt, hofft auf eine generelle Besserung.“

Bisher war Ocrelizumab in Deutschland nur eingeschränkt für Patienten zugänglich. Nachdem das Präparat bereits in den USA und in skandinavischen Ländern für gute Erfolge in der Therapie Multipler Sklerose sorgte, lässt seit Anfang des Jahres auch die EU-Kommission das Mittel zu. Es ist eine Weiterentwicklung des bisher bei Blutkrebs und Autoimmunerkrankungen eingesetzten Rituximab. Breitere Anwendung und positive Erfahrung mit dieser Therapie gab es bisher schon in Skandinavien. Verabreicht wird es zweimal im Jahr, es hemmt die weißen Blutkörperchen (B-Zellen) im Körper und überzeugt offenbar durch verhältnismäßig geringe Nebenwirkungen.

Für einen Großteil der MS-Patienten bringt zwar bereits eine Basistherapie mit Interferonen oder Glatirameracetat Besserung. Das Präparat wird dreimal in der Woche unter die Haut gespritzt oder einmal in der Woche intramuskulär gegeben. Seit einigen Jahren gibt es darüber hinaus das aus der Rheumatherapie abgeleitete Teriflunomid sowie Fumarsäure, welche als Tablettenpräparat verabreicht wird. Das Mittel kam bisher vorwiegend bei Schuppenflechte zum Einsatz. Beide erfordern wegen Leber- oder Blutbildstörungen regelmäßige ärztliche- und  Laborkontrollen. Ebenfalls mit speziellen und zum Teil relevanten Nebenwirkungen stehen seit einigen Jahren die hochwirksamen intravenösen Präparate Natalizumab und Alemtuzumab zur Verfügung.

„Es ist leider immer so gewesen, dass Patienten trotz der Basis-Therapie Krankheitssymptome gezeigt haben, Schübe bekamen oder ihr klinischer Zustand sich verschlechterte oder erhebliche Nebenwirkungen möglich waren“, bedauert Dr. Kastrup. Gerade Patienten mit primär progressiver Multipler Sklerose sprachen kaum auf die für über die Hälfte aller MS-Patienten hilfreiche Basistherapie an. Die primär progressive Multiple Sklerose äußert sich durch einen von Beginn an schleichend oder kontinuierlich voranschreitenden Krankheitsverlauf. Vor diesem Hintergrund hätten Pharmakologen weiter geforscht und im Laufe der vergangenen Jahre eine Reihe vielfältiger und wirkungsvoller Medikamente auf den Markt gebracht.

„Wir sind sehr glücklich, dass wir jetzt eine breite Palette an Wirkstoffen zur Verfügung haben, die wir über die Basistherapie hinaus gezielt, kontrolliert und für jeden Patienten individuell einsetzen können“, freut sich der leitende Arzt für seine Patienten und verweist in dem Zusammenhang auf den von der Multiplen Sklerose Gesellschaft veranstalteten WeltMSTag am 30. Mai 2018. Passend zu den neusten Entwicklungen lautet das Motto „Hoffnungslos optimistisch“. Dr. Kastrup: „Das Motto trifft grundsätzlich auf die meisten MS-Patienten zu – im Moment allerdings mehr als je zuvor.“