Eine falsche Bewegung, ein unglücklicher Sturz – und die Selbstständigkeit im Alter ist dahin. Damit betagte Menschen nach einer Verletzung nicht ins Heim müssen, bietet das Katholische Klinikum Essen eine geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung an, die Patienten körperlich und geistig wieder in ihren Urzustand versetzt.

Es schellt an der Haustür, Hildegard Schwarz (Anm: Name von der Redaktion geändert) eilt zur Tür, stolpert und fällt auf halber Strecke zu Boden. Glücklicherweise trägt sie ihr Telefon um den Hals und kann den Notarzt verständigen. Der bringt sie ins Marienhospital Altenessen, wo sie zunächst operiert und dann in die Geriatrie verlegt wird. Diagnose: Oberschenkelhalsbruch. Für die 80-jährige, alleinlebende Frau eine Katastrophe.

Ein Bild von Prof. Krengel beim Messen des Blutdrucks bei einer Patientin

Prof. Krengel kümmert sich gerne persönlich um seine Patienten

„Zu uns kommen Patienten mit Knochenbrüchen, Herz-/Kreislauferkrankungen, Gefäß- oder neurologischen Erkrankungen“, berichtet Prof. Hans-Georg Krengel, Leitender Arzt der Medizinischen Klinik IV – Innere Medizin, Geriatrie und Pulmologie am Katholischen Klinikum Essen. „Wir wollen sie wieder mobil machen und dafür sorgen, dass das nächste Ereignis nicht gleich hinterherkommt.“

Im Jahr bundesweit rund 61,3 Milliarden Euro für Pflege
Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Waren 1999 noch rund 2 Millionen Menschen pflegebedürftig, verzeichnete das Statistische Bundesamt im Jahr 2013 bereits mehr als 2,6 Millionen Pflegebedürftige. Am meisten betroffen sind demnach Männer und Frauen ab 70 Jahren. Die Ausgaben für pflegerische Leistungen beliefen sich 2014 auf rund 61,3 Milliarden Euro – Tendenz steigend. „Menschen werden immer älter, Pflege und Betreuung sind kostspielig. Deshalb ist die Altersmedizin ins Zentrum gerückt“, sagt der auf dieses Gebiet spezialisierte Professor. Mit aktivierender Pflege, Ergo- und Physiotherapie sowie ärztlicher Behandlung bereitet ein umfassendes Team Patienten jenseits der 70 wieder auf ihren Alltag zu Hause vor. Lang- oder auch Kurzzeitpflege wird damit überflüssig.

„Wir sind für Rehabilitation statt Pflege“, so Prof. Krengel. Statt Patienten durch Freundlichkeit und Liebe ins Siechtum zu befördern, hole er sie lieber in einen geregelten Lebensalltag herein. „Unsere Aufgabe sehe ich dabei darin, zu motivieren, Multimorbidität zu erkennen, zu behandeln und zu verhindern, dass Patienten mehr Medikamente als nötig einnehmen – Schlafmittel und Betablocker können beispielsweise Ursache für Stürze sein.“

Therapeutische Maßnahmen und aktivierende PflegeEin Interview mit Chefarzt Prof. Dr. Hans-Georg Krengel zum Thema Geriatrie
Vor allem auf das Motivieren legt der Mediziner großen Wert und rückt therapeutische Maßnahmen und aktivierende Pflege in den Vordergrund. Jeder Patient erhält zweimal pro Tag jeweils eine halbe Stunde Physio- und Ergotherapie. Die Pflege zielt darauf ab, mit Patienten zu kommunizieren und selbstständiges Waschen, An- und Ausziehen sowie regelmäßige Bewegung zu unterstützen. „Patienten, die zu uns kommen, waren vor ihrer Erkrankung oder ihrem Unfall überwiegend selbstständig“, sagt Pflege-Stationsleiter Gerhard Kellermanns. „Diesen Zustand von vorher wollen wir mit unserem Konzept wieder erreichen.“ Als Beispiel nennt Kellermanns einen Patienten mit Armverletzung. Mit gezielten Übungen und Abläufen würden Pflegekräfte und Therapeuten dem Verletzten beibringen, wie er Bewegungen so abstimmen könne, dass er im Alltag nur wenig eingeschränkt sei. Um das zu erreichen, sei die Verweildauer deutlich länger als auf anderen Stationen. „Normalerweise liegen Patienten im Schnitt fünf Tage im Krankenhaus. Bei uns sind es durchschnittlich 18“, berichtet der Stationsleiter und erklärt: „Es macht keinen Sinn, jemanden innerhalb von fünf Tagen für den Alltag zu trainieren.“

Mit 104 Jahren noch Alleinversorger
Besonders imponiert hat Kellermanns ein 104-jähriger Patient, der Anfang des Jahres nach einer Kollision mit einer Straßenbahn im Marienhospital verweilte. Er war gerade auf seinem täglichen Weg zum Mittagessen bei seiner Tochter, als der Unfall geschah. „Ich finde es beeindruckend, dass er sich in seinem Alter noch selbst zu Hause versorgt hat“, staunt der an der Zeche Zollverein ausgebildete Schlosser, der 1993 zur Pflegekraft umsattelte. Mit viel Lebenswille und Motivation habe der Greis es geschafft, wieder dort hinzukommen, wo er vorher war: nach Hause.

Erfolg zeigt auch die Therapie von Hildegard Schwarz. Nur wenige Tage nach der Operation kann sie schon wieder aufstehen und herumlaufen, wenn auch noch etwas wackelig. Langsam aber bestimmt setzt die alte Dame sich in ihrem Bett auf, greift nach ihrem neben dem Bett geparkten Rollator und bewegt sich damit eigenständig ins Bad. Bald wird auch sie wieder sicher Treppen laufen und überschaubare Wegstrecken zurücklegen können.

Ihre Fachklinik vor Ort

Katholisches Klinikum Essen
Medizinische Klinik IV – Innere Medizin, Geriatrie und Pulmonologie
Prof. Dr. Hans-Georg Krengel
Leitender Arzt

Marienhospital
Hospitalstraße 24
45329 Essen
Fon: 0201 6400 1900
Mail: h.krengel@kk-essen.de

St. Vincenz Krankenhaus
Von-Bergmann-Straße 2
45141 Essen
Fon: 0201 6400 1900
Mail: h.krengel@kk-essen.de