Jeder Dritte Deutsche ab einem Alter von 65 Jahren leidet unter Kniearthrose. Was kann man tun, wenn sich das Gelenk steif anfühlt, jeder Schritt Schmerzen bereitet, Treppen hinabsteigen und Beine beugen zur Qual werden? Es gibt viele Möglichkeiten, mit konservativen und operativen Möglichkeiten die Schmerzen zu reduzieren oder sogar vollständig zu beseitigen.

Arthrose, der frühzeitige Verschleiß von Knorpelgewebe, gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen. Arthrose entsteht, wenn die schützende Knorpelschicht in den Gelenken dünner wird, bis die Knochen aufeinander reiben und sich unter Umständen sogar verformen. Flüssigkeit staut sich im Gelenk, es kommt zu Schwellungen und einem starken Spannungsgefühl im Kniegelenk. „Ursache für übermäßigen Gelenkverschleiß ist meist eine zu hohe Belastung, etwa aufgrund erhöhten Körpergewichts, angeborener oder verletzungsbedingter Fehlstellungen der Gelenke oder Bewegungsmangel“, erklärt Dr. Peter Feldmann, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Hand- und Fußchirurgie am Philippusstift und am St. Vincenz Krankenhaus des Katholischen Klinikums Essen. „Doch auch ein Zuviel an Bewegung kann schaden: Besonders häufig leiden Marathonläufer an den Folgen der hohen Belastung der Gelenke.“

„In einem ersten Schritt sollten die Reizzustände des Kniegelenks mit entzündungshemmenden Medikamenten und begleitender Physiotherapie therapiert werden, um bleibende Schäden zu minimieren und die richtige Bewegung des Gelenks zu fördern.“

Therapiemöglichkeiten zur Schmerzlinderung

Zur Schmerztherapie ist eine kontrollierte, richtige Belastung des Kniegelenks wichtig. Eine Ruhigstellung des betroffenen Gelenks ist hingegen nicht sinnvoll, da hierdurch die Versorgung des Gelenkknorpels mit Nährstoffen verschlechtert wird. Dr. Feldmann rät: „In einem ersten Schritt sollten die Reizzustände des Kniegelenks mit entzündungshemmenden Medikamenten und begleitender Physiotherapie therapiert werden, um bleibende Schäden zu minimieren und die richtige Bewegung des Gelenks zu fördern.“ Auch konservative Methoden, wie beispielsweise Schmerztherapie, Wärme und Kälteanwendungen, können im Anfangsstadium Linderung verschaffen. Erst wenn sich unter Ausschöpfung aller nicht operativen Maßnahmen keine befriedigende Besserung für den Patienten einstellt und dieser unter starken, chronischen Schmerzen leidet, sollte die Entscheidung für ein künstliches Kniegelenk in Betracht gezogen werden.

Wenn sich ein künstliches Gelenk nicht vermeiden lässt, sollten Patienten einen Arzt aufsuchen, der sie umfassend bei der Wahl der richtigen Endoprothese berät.

Moderne Endoprothesen

Wenn sich ein künstliches Gelenk nicht vermeiden lässt, sollten Patienten einen Arzt aufsuchen, der sie umfassend bei der Wahl der richtigen Endoprothese berät. Ein gesundes Kniegelenk wird durch Muskeln geführt und besitzt eine hohe Bewegungsfreiheit – es kann gebeugt und gestreckt und bis zu einem gewissen Grad nach innen und außen gedreht werden, ohne, dass es Schmerzen bereitet oder die Bewegung dem Gelenk Schaden zufügt. Bei diesen Bewegungen wird das Knie von Bändern, Sehnen und Muskeln stabilisiert. Wird ein künstliches Gelenk eingesetzt, können insbesondere das vordere und hintere Kreuzband nicht immer erhalten bleiben. Dadurch verliert das Gelenk an Stabilität. Knieprothesen sind deshalb an ihrer Verbindungsstelle, also dort, wo eigentlich die Ober- und Unterschenkelknochen aufeinander treffen, oftmals sehr eng geführt. Daraus resultiert, dass die Patienten weniger Bewegungsfreiheit haben, als mit einem natürlichen Knie. Beispielsweise können die meisten Knieendoprothesenträger nicht ganz in die Hocke gehen. Entscheidet man sich aber für eine weite Führung an der Verbindungsstelle, besteht die Gefahr, dass sich die Patienten „wackelig“ auf den Beinen fühlen.

Perfekter Sitz der Knieprothese

Es gibt Hersteller, die innovative Prothesen entwickelt haben, welche die Vorteile von enger Führung und hohem Bewegungsfreiraum kombinieren. Für großzügige Bewegungsfreiheit sorgt eine große Kontaktfläche der Prothesenteile. Für gute Stabilität haben diese Prothesen ein festes Drehzentrum, was die Instabilität im Beugungsvorgang reduziert. Damit soll eine gleichbleibende Spannung der Muskeln, Bänder und Sehnen, die das Knie während der Bewegungen führen, erzielt werden. Außerdem kann mit Hilfe dieses Kniedesigns die Muskelkraft beim Bewegen optimal genutzt werden. Die Materialien für künstliche Gelenke haben sich im Laufe der Jahre stetig verbessert. Es werden ausschließlich biokompatible Materialien eingesetzt, und für Patienten mit Allergieleiden hat man sogar keramische Beschichtungen entwickelt. Sowohl das Aussehen der Endoprothesen als auch die Studienerfahrungen und Materialforschungen haben dazu geführt, dass die Haltbarkeit immer weiter zugenommen hat.

Ein Leben mit neuer Qualität

Die Rehabilitation nach der Operation verläuft in den meisten Fällen recht zügig. Zudem beschleunigt die richtige Physiotherapie ab dem ersten Tag den Genesungsprozess und hilft, Funktion und Muskulatur des operierten Gelenks über den Reha-Aufenthalt hinaus zu verbessern. Die meisten Patienten können nach etwa drei Monaten wieder Sport treiben. Hier empfiehlt Dr. Feldmann Sportarten mit weichen, runden Bewegungen, die das Gelenk wenig belasten, wie Nordic Walking, Radfahren oder Schwimmen. Auch Klettern ist ein sehr guter Sport für Knieprothesenträger. Er stärkt die Beinmuskulatur gezielt mit langsamen Bewegungen.

Lesen Sie hier ein interessantes Interview von Dr. Feldmann zu Knieprothesen.