Im Jahr 2010 litten 22,3 Prozent der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen an Kniearthrose. Die Behandlungsmöglichkeiten für die Erkrankung sind vielfältig und erfolgversprechend. Dr. Feldmann, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Hand- und Fußchirurgie am Philippusstift und am St. Vincenz Krankenhaus des Katholischen Klinikums Essen, klärt über konservative und chirurgische Therapiekonzepte auf.

Vor der Arthrose steht die Belastung

Arthrose ist eine nichtentzündliche, langsam fortschreitende Abnutzungserscheinung des Gelenkknorpels und der angrenzenden Knochenstruktur. „Der Knorpel dient als Schutzschicht zwischen den Knochen. Ist diese nicht mehr vorhanden, entzünden sich die Knochen, weil sie bei jeder Bewegung aufeinander reiben“, sagt Dr. Feldmann. Ursache für übermäßigen Gelenkverschleiß ist meist eine zu hohe Belastung, etwa aufgrund erhöhten Körpergewichts, Fehlstellungen der Gelenke (sei es angeboren oder verletzungsbedingt) oder Bewegungsmangel.

Tatsächlich kann eine Arthrose auch durch zu wenig Bewegung entstehen

Konservative Behandlungsmethoden

Durch das richtige Verhalten können Betroffene den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen. Dazu zählen persönliche Lebensstilveränderungen wie gegebenenfalls Gewichtsabnahme und vor allem Bewegung. Insbesondere die heilende Wirkung von sportlichen Aktivitäten kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn: Auch moderate Bewegung regt den Kreislauf an, wodurch der schützende Knorpel verstärkt mit Nährstoffen versorgt wird. „Tatsächlich kann eine Arthrose auch durch zu wenig Bewegung entstehen“, sagt Dr. Feldmann. Ist die Arthrose weiter fortgeschritten (mittleres Stadium), hält speziell auf Kniearthrose abgestimmte Krankengymnastik die Gelenke geschmeidig, stärkt Bänder, Muskeln und Sehnen. Bisweilen verringern auch Injektionen von Hyaluronsäure die Schmerzen. Im fortgeschrittenen Stadium hilft die sogenannte Systemische Schmerztherapie, also Schmerztherapie mit Tabletten. Auch in diesem Stadium sollte auf krankengymnastisch unterstützte Bewegung keinesfalls verzichtet werden. Über alle Stadien hinweg kann Akkupunktur helfen, die Schmerzen zu verringern. Und schließlich: Eine ausgewogene Ernährung führt dem Körper Vitamine und Mineralstoffe zu, die Knochen und Knorpelaufbau unterstützen.

Eine Knieprothese sollte eingesetzt werden, wenn konservative Maßnahmen wie Physiotherapie oder lokale Schmerztherapien nicht weiterhelfen

Gelenkersatz: wenn nichts mehr geht

„Eine Knieprothese sollte eingesetzt werden, wenn konservative Maßnahmen wie Physiotherapie oder lokale Schmerztherapien nicht weiterhelfen“, so Dr. Feldmann. Meist ist dies der Zeitpunkt, an dem die Patienten dauerhaft unter Schmerzen und einer erkennbaren Bewegungseinschränkung leiden. Dann kann durch den Einsatz einer Prothese eine echte Steigerung der Lebensqualität erreicht werden. „Auch sportliche Betätigung ist meist problemlos wieder möglich, egal ob Radfahren, Langlauf, Nordic Walking oder Schwimmen“, so Dr. Feldmann.

Lesen Sie auch ein Interview mit Dr. Feldmann zum Thema Kniearthrose.