Mit Atemproblemen wird Irmgard Soyk in das Essener Philippusstift eingeliefert. Ein EKG deutet auf einen Hinterwandinfarkt, eine Form des Herzinfarkts, hin. Das Ärzteteam um Prof. Dr. Hailer, Leitende Ärztin der Medizinischen Klinik II – Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie, Rhythmologie und Gastroenterologie am Katholischen Klinikum Essen, ordnet umgehend eine notfallmäßige Herzkatheteruntersuchung an – und rettet der Patientin damit das Leben.

„Es hat jede Sekunde gezählt“, sagt Irmgard Soyk zwei Tage später.Inzwischen sitzt sie entspannt auf der Kante ihres Krankenbettes. Vom Schrecken und ihrer Lebensnot ist kaum noch etwas zu sehen, abgesehen von einem Einstich am Handgelenk. „Es hätte auch anders ausgehen können“, weiß die Rentnerin um ihr Glück im Unglück.

Der Herzinfarkt gehört bundesweit zu den häufigsten Todesursachen. Rund 220.000 Menschen erlitten laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2014 einen Herzinfarkt. Für gut 50.000 von ihnen, also etwa jeden vierten bis fünften Patienten, endete er tödlich. Dabei ist die Zahl der Todesfälle laut Deutscher Gesellschaft für Kardiologie (DGK) bereits gesunken. Starben 1992 je 100.000 Einwohner 109 Menschen an einem Herzinfarkt, waren es 2012 noch 65.

Irmgard Soyk kommt mit dem Schrecken davon
Irmgard Soyk kam – trotz langem Zögern– glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Die ersten Anzeichen bemerkte sie drei Tage vor der Notoperation.

„Mir wurde bereits am Freitag beim Busfahren etwas schlecht. Zu Hause merkte ich, dass ich die Treppen nicht mehr so gut hochkam. Ich habe mir aber dabei nichts gedacht“, erzählt die ältere Dame.

Als ihr die Luft weg blieb und Schmerzen im linken Arm und in der Brust auftraten, verkannte sie zunächst den Ernst der Lage. Erst Montag früh suchte sie ihren Hausarzt auf. Der Allgemeinmediziner reagierte sofort. Innerhalb von vier Minuten traf der Notarzt ein.

Im Philippusstift war bereits alles vorbereitet. Die Ärzte um Prof. Dr. Hailer fertigten ein EKG an, führten einen Ultraschall durch und stellten ein verstopftes Gefäß als Ursache für den Hinterwandinfarkt fest. In einer 20-minütigen Operation legte das OP-Team einen Stent in das betroffene Herzkranzgefäß. Der Zugang erfolgte mit einem Katheter über die Arterie des Handgelenks. Mit großer Präzision schoben die Männer und Frauen in grüner OP-Kleidung einen dünnen Draht durch den Katheter, womit sie das verschlossene Gefäß wiedereröffneten.

Anschließend platzierten die Mediziner mit einem kleinen Ballon den Stent an der ursprünglichen Verschlussstelle. Er bildet dort ein Gerüst, das die Arterie offen hält. Irmgard Soyk ist gerettet.

Interview mit Prof. Birgit Hailer zum Thema Stents

Ein Interview mit Prof. Dr. Birgit Hailer zum Thema Stents (Anklicken zum Vergrößern)

Pro Jahr 3.000 Untersuchungen
Pro Jahr werden am Katholischen Klinikum Essen rund 3000 Untersuchungen und Interventionen an Herzkranzgefäßen durchgeführt. Spezialisiert ist die interventionelle Kardiologie am Philippusstift und im St. Vincenz Krankenhaus vor allem auf Linksherzkatheteruntersuchungen und -eingriffe. Verwendet werden unter anderem mit Medikamenten beschichtete Stents, resorbierbare Stents und Bohrköpfe. „Damit haben wir eine hohe Expertise, was die Wiedereröffnung von Gefäßen angeht“, betont Prof. Hailer das herausragende Leistungsspektrum.

Obwohl Stent-Operationen immer wieder auch kritisch betrachtet werden, haben sie aus Sicht von Prof. Hailer ebenso ihre Daseinsberechtigung wie – deutlich gefährlichere – Bypass-Operationen. Bei einer Bypass-Operation wird unter Vollnarkose das Brustbein der Länge nach gespalten. Die Ärzte legen in einer mehrstündigen Operation eine Umleitung von der Hauptschlagader zu einer Arterie hinter dem eingeengten Herzkranzgefäß – die Blockade wird somit umgangen. „Das ist eine Operation am offenen Herzen – und damit deutlich traumatischer und mit höherem OP-Risiko als bei der Kathetertechnik“, schildert Prof. Dr. Hailer die Gefahren der Bypass-Operation. Auch die Nachbehandlung dauere wesentlich länger.

„Es gibt klare Regeln, wann und für welche Patienten welche Methode besser geeignet ist“, berichtet die Chefärztin.

Je kürzer die Einengung und je weniger Gefäße betroffen sind, desto eher würden Stents gesetzt. Diabetiker und Patienten, bei denen viele Stellen betroffen sind, die Blockaden länger, komplexer und geschlängelter sind, profitierten eher von einer Bypass-Operation. „Neben der Krankengeschichte kann auch der Wunsch des Patienten dazu beitragen, dass die Kathetermethode Anwendung findet“, sagt die Ärztin und führt aus: „Viele Patienten wollen sich keiner so komplizierten Operation unterziehen.“

Das Team hat Hand in Hand gearbeitet
Bei Irmgard Soyk hat das Team im Philippusstift einen bleibenden, positiven Eindruck hinterlassen. „Die Operation dauerte nur 20 Minuten. Eine Stunde, nachdem ich bei meinem Hausarzt angekommen war, lag ich schon auf der Intensivstation. Das Team hat Hand in Hand gearbeitet, das war wunderbar“, schwärmt sie. Wenige Tage später wurde sie entlassen. Inzwischen kuriert Irmgard Soyk sich in der Reha von ihrem Herzinfarkt aus.

Prof. Hailer und ihr Team haben neben der Rentnerin noch vielen anderen Patienten das Leben gerettet oder erleichtert. „Zu uns kommen Menschen, die über Luftnot klagen, kaum noch leistungsfähig sind und selbst Alltagssituationen wie Treppensteigen nur schwer bewältigen können“, berichtet die Medizinerin. „Nach der OP machen ihnen die Dinge des alltäglichen Lebens wie spazieren gehen oder Gartenarbeit wieder Freude. Außerdem nimmt ihnen der Stent die Angst vor einem Herzinfarkt, und sie können ruhiger schlafen.“

Ihre Fachklinik vor Ort

Katholisches Klinikum Essen
Medizinische Klinik II – Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie, Rhythmologie und Gastroenterologie
Prof. Dr. med. Birgit Hailer
Leitende Ärztin

Philippusstift
Hülsmannstr. 17
45355 Essen
Fon: 0201 6400 3301/3302
Mail: mk2@kk-essen.de

St. Vincenz Krankenhaus
Von-Bergmann-Straße 2
45141 Essen
Fon: 0201 6400 3051
Mail: mk2-vk@kk-essen.de