Gräser sprießen, Pollen fliegen – und Allergiker gehen nur noch mit verquollenen Augen, roter Nase und nicht ohne Taschentuch aus dem Haus. Was viele nicht wissen: gut die Hälfte aller Heuschnupfen Geplagten reagiert auch auf Lebensmittel.

Welche dazu gehören und welche Behandlungsmöglichkeiten es bei Lebensmittelallergien gibt, weiß Prof. Dr. Hans-Georg Krengel, Leitender Arzt der Medizinischen Klinik I – Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährungsmedizin am Katholischen Klinikum Essen.

„Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann“, zitiert Prof. Hans-Georg Krengel den berühmten Maler Leonardo da Vinci.

Die sicherste Methode, von allergischen Reaktionen verschont zu bleiben, sei, entsprechende Lebensmittel zu vermeiden. Bei der großen Anzahl der Ursachen besteht die größte Herausforderung aber vermutlich darin, die Übeltäter zu erkennen.

An einer Allergie leidet in Deutschland nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinischer Immunologie (DGAKI) jeder Vierte bis Fünfte, die meisten an einer Pollenallergie. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB) spricht von 20.000 verschiedenen Auslösern. Der Professor macht darauf aufmerksam, dass Heuschnupfen-Patienten häufig auch auf Lebensmittel reagieren. Bestätigt wird diese These vom Deutschem Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB), demzufolge 60 Prozent der Pollenallergiker von einer Kreuzallergie betroffen sind.

„Wer auf Birkenpollen reagiert, ist häufig auch allergisch gegen Äpfel, Haselnüsse, Karotten und Kartoffeln“, berichtet der Leitende Arzt und führt weiter aus: „Wen Gräser zum Nießen bringen, der könnte besonders im Frühling auch Probleme mit Äpfeln und Tomaten haben.“

Eine typische Reaktion des Körpers auf ein nicht vertragenes Lebensmittel ist laut Prof. Krengel die sogenannte Nesselsucht. Sie äußert sich durch juckende, grobe Flecken, Ödeme, geschwollene Schleimhäute bis hin zu Luftnot und Kreislauf- bzw. Herzrhythmusstörungen. Im schlimmsten Fall müssten Patienten intubiert oder ein Kehlkopfschnitt vorgenommen werden.

Um herauszufinden, welches Lebensmittel nicht vertragen wird, rät der Ernährungsexperte Patienten, in Rücksprache mit einem auf Allergien spezialisierten Arzt ein Ernährungsprotokoll anzulegen. Zunächst sollten nur Haferflocken oder Reis verspeist werden. Jeden Tag kann das Repertoire um weitere Nahrungsmittel ergänzt werden. Eine zweite Möglichkeit, Übeltäter zu entlarven, ist eine Blutentnahme beim Arzt, die anschließend zur weiteren Untersuchung ins Labor geschickt wird. Schnellen Aufschluss bietet der sogenannte Prick-Text: Dabei werden verdächtige Substanzen auf eine kleine Stelle am Rücken aufgetragen und die Haut leicht angestochen. Bei Unverträglichkeit tritt eine Rötung etwa nach 20 Minuten auf.

Als Therapiemöglichkeiten nennt auch der DAAB an erster Stelle das Vermeiden des entsprechenden Allergens. Darüber hinaus helfen – besonders  bei Patienten mit Heuschnupfen, die ihrem Allergen nicht aus dem Weg gehen können – Medikamente oder eine Hyposensibilisierung. Bei Lebensmittelallergien ist Prof. Krengel besonders von der Hyposensibilisierung mäßig überzeugt: „Man kann nicht mit negativen Dingen eine Allergie heilen“. Außerdem bestehe die Gefahr einer zu hohen Dosis, die dann wiederum zu einer allergischen Reaktion führe. Die beste Strategie aus seiner Sicht lautet deshalb: Übeltäter herausfinden und vermeiden. Außerdem rät er zum Verzehr saisonaler Speisen: „Die kennen wir schon immer und sie sind frisch. Unter der großen Auswahl exotischer Lebensmittel, die wir verzehren, trifft vermutlich jeder einmal auf seinen Histaminauslöser.“

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Katholisches Klinikum Essen
Medizinische Klinik I – Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährungsmedizin
Prof. Dr. Hans-Georg Krengel
Leitender Arzt

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