Seit 1. September ist Rainer Voss AOK-Regionaldirektor für Essen-Mülheim. Der 57-jährige Familienvater und begeisterte Anhänger des Fußball-Regionalligisten Rot-Weiss Essen steht seit 40 Jahren im Dienst der AOK und war unter anderem bereits Regionaldirektor für Duisburg.

Im Interview mit dem neuen Marketingleiter des Katholischen Klinikums Essen, Stefan Mattes, spricht er über seine Ziele, den Gesundheitsstandort Essen und mündige Patienten.

Wo sehen Sie die Stärken des Gesundheitsstandortes Essen? Und worin liegt Ihrer Meinung nach die (größte) Herausforderung?
Rainer Voss: Es ist wirklich selten und eine Besonderheit, dass hier in Essen so ein lebendiges Netzwerk besteht, über das viel Gemeinsames realisiert wird. Und das trotz der wachsenden  Wettbewerbssituation untereinander, in der auch hier die Krankenhäuser stehen. Bei uns sprechen die Ärzte noch miteinander und tauschen sich fachlich aus. Man findet überall offene Türen. Insofern besteht die eigentliche Herausforderung vor allem darin, dieses Angebot an die Frau und an den Mann zu bringen. Überlegen Sie beispielsweise, welche Versorgungsdichte mit welchen medizinischen Angeboten wir hier vorhalten. Das ist ziemlich einzigartig, aber bisher kaum einem wirklich klar geworden.

Welche Themen möchten Sie als neuer Regionaldirektor anpacken? Gibt es ein Ziel oder Thema, das Ihnen ganz persönlich am Herzen liegt?
Rainer Voss: Da möchte ich drei Punkte nennen: Kundenservice, Standortstärkung und Konzentration auf neue Medien wie Facebook, Twitter, aber auch E-Mail-Kommunikation. Für unseren Facebook-Auftritt haben wir erst ein Redaktionsteam aufgestellt. Weiter möchten wir eine Online-Geschäftsstelle einrichten. Wir haben in Essen ein Telefon-Zentrum. Aber wir brauchen auch ein E-Mail-Zentrum. Der Kunde muss den Effekt spüren, dass er schreibt und zeitnah eine Antwort bekommt.

Wie verändert sich die Rolle des Patienten in der Gesundheitsvorsorge und -versorgung. Trägt der Patient zukünftig eine größere Mitverantwortung beim Erhalt seiner Gesundheit?
Rainer Voss: Was die Rolle des Patienten betrifft, unterscheidet dieser immer mehr zwischen dem ärztlichen Bereich und dem nicht-medizinischen Bereich und stellt hier wie da Ansprüche. Die Belegung der Zimmer entwickelt sich zu immer kleineren Einheiten. Faktoren wie Service und Essen bekommen eine wachsende Bedeutung. Was ihren Part in der Gesundheitsversorgung betrifft, müssen die Patienten erkennen, dass es ausreichende und gute Vorsorgeangebote gibt und sie müssen diese in Anspruch nehmen, weil es die notgedrungene Konsequenz ist, dass was früh erkannt wird, erfolgreicher behandelt werden kann. Zum Beispiel das Thema Prostatakrebs-Vorsorge. Hier ist Früherkennung so entscheidend, aber Männer sind Vorsorgemuffel. Darum will ich damit ins Stadion zu Rot-Weiß-Essen, wir müssen einfach ein Bewusstsein dafür schaffen. Vorsorge kann sehr viel leisten, aber nur, wenn die entsprechenden Angebote angenommen werden.

Stichwort „Mündiger Patient“: Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang die Patientenhochschule des KKE sowie die von beiden organisierten Informations-veranstaltungen?
Rainer Voss: Solche Veranstaltungen sind neben ihrem Informationsgehalt vor allem als vertrauensbildende Maßnahmen ungeheuer wichtig. Der Patient ist ein entscheidendes Glied in der Behandlungskette, in der ihm eine aktive Rolle beim Heilungsprozess zukommt. Voraussetzung dafür ist eine Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Arzt und Patient. Dazu trägt die Patientenhochschule in wesentlichem Maße und auf vorbildliche Weise bei. Ich selbst halte dort – wie bereits mein Vorgänger als Stellvertreter der AOK – regelmäßig Vorträge, zum Beispiel über die Unterschiede gesetzlicher und privater Krankenkassen bzw. Krankenversicherungen.

Herr Voss, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte: Stefan Mattes,
Marketingleiter des Katholischen Klinikums Essen