Psychiatrisches Entgeltsystem soll ambulante Angebote stärken      

Psychisch Kranke sollen künftig stärker im gewohnten Umfeld, statt stationär im Krankenhaus behandelt werden. Das regelt das neue Psychiatrische Entgeltsystem (PEPP), das 2017 in Kraft treten soll. Möglich ist das neben einer Behandlung zu Hause unter anderem durch sogenannte Institutsambulanzen.

„Institutsambulanzen haben den Auftrag, chronische Erkrankungen langfristig und kontinuierlich zu behandeln“, fasst Dr. Dirk Held, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Katholischen Klinikum Essen das Aufgabenfeld zusammen. Für Patienten habe das den Nutzen, Krankenhausbehandlungen zu verkürzen oder zu verhindern.

Dr. Dirk Held, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin

Dr. Dirk Held, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin

Psychische Erkrankungen waren im Jahr 2014 laut DAK der zweithäufigste Grund für Arbeitsausfälle – Tendenz steigend. 17 Prozent aller Krankmeldungen wurden mit Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen Leiden begründet. Im Jahr zuvor waren es noch 5 Prozent. Auch die Anzahl der Fehltage habe sich in den vergangenen 10 Jahren mehr als verdoppelt. Allein an der Psychiatrischen Institutsambulanz in Essen werden pro Quartal gut 1000 Patienten behandelt, drei Viertel von ihnen über viele Jahre.

Die Institutsambulanz in Essen hilft Menschen, nach einem stationären Aufenthalt wieder die Eingliederung in den Alltag zu meistern. Behandelt werden in der Regel Menschen, bei denen wegen chronischer Leiden wie Depressionen, Schizophrenien Persönlichkeitsstörungen oder Suchtkrankheiten eine langfristige, kontinuierliche Therapie notwendig ist. Wer beispielsweise mit schweren Depressionen in die Klinik kommt, wird dort etwa sechs bis sieben Wochen stationär behandelt. „Danach sind die Patienten aber nicht symptomfrei“, sagt Dr. Held. Damit Betroffene nicht im luftleeren Raum landen, begleitet die Institutsambulanz sie und hilft damit, schlimme Rückfälle zu vermeiden.

„Im Schnitt werden Patienten ein bis zwei Jahre weiterbehandelt, bis die Symptome verschwunden sind“, so Held. „Ausnahme sind chronisch Kranke, bei denen eine Dauerbehandlung in der Regel nicht zu vermeiden ist.“ Alle vier Wochen finden Einzelgespräche mit festen Therapeuten statt, in denen die Medikation überprüft, mögliche Arbeitsunfähigkeiten festgestellt und organisatorische Dinge besprochen werden. „Ein ganz wichtiger Aspekt ist die Eingliederung ins Berufsleben“, hebt Dr. Held hervor. Darüber hinaus werden in wöchentlich stattfindenden Gruppen wie der Angst- oder der Entspannungsgruppe der Austausch untereinander und das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.

Die Psychiatrische Institutsambulanz am Philippusstift ist 2002 gegründet worden. Damit gehörte sie zu den Vorreitern der ambulanten Betreuung psychisch Erkrankter durch Allgemeinkrankenhäuser mit  einer psychiatrischen Abteilung. Das Leistungsangebot umfasst das gesamte Spektrum psychiatrisch-psychotherapeutischer Diagnostik und Therapie. Psychotherapeuten, Soziotherapeuten und Ergotherapeuten arbeiten im engen Austausch untereinander und mit Patienten und Angehörigen zusammen.

Den großen Nutzen Psychiatrischer Institutsambulanzen hebt auch die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) hervor. Geschäftsführer Richard Suhre betont: „Psychiatrische Institutsambulanzen sind aus Sicht der DGSP, die sich um die Belange chronisch psychisch erkrankter Menschen bemüht, ganz wichtig. Sie sind niedrigschwellig und bieten psychisch erkrankten Menschen eine zeitnahe Behandlung.“ Ein ganz wichtiger Punkt sei auch, dass sich in den Ambulanzen viel Zeit für Patienten genommen werde.

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Oberarzt und Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie

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