Harvard, Charité in Berlin und jetzt leitender Arzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Katholischen Klinikum Essen: Dr. med. Olaf Guckelberger hat eine außergewöhnliche Karriere hingelegt.

„Gesund in Essen“ begleitete ihn bei seiner Arbeit – die neben fachlichem Know-how auch viel Mitgefühl erfordert.

Versteckt hinter einem Computer-Monitor und Bergen von Akten, die auf einem Schreibtisch liegen, sitzt ein Mann im weißen Kittel: frisch rasiertes Gesicht, akkurat gescheiteltes Haar, gepflegte Hände. Privatdozent Dr. Guckelbergers Tag im Philippusstift Essen beginnt um sieben Uhr morgens. Er checkt E-Mails, liest Befunde und analysiert Röntgenbilder. Eine Viertelstunde später steht die erste Visite auf der Intensivstation an. Kurz darauf bespricht der leitende Chirurg sich mit seinen ärztlichen Kollegen.

„Die Arbeit am Katholischen Klinikum Essen verläuft deshalb so reibungslos, weil wir als eingespieltes Team eng zusammen arbeiten“, lobt der Endvierziger.

Visite im Bauchzentrum – der gute Ruf eilt voraus

Zwischen acht und neun Uhr besucht er Patienten, um zu entscheiden, ob eine Operation nötig ist. Im 2011 eröffneten Bauchzentrum auf der Station A4 liegt eine Frau mit Darmbeschwerden im Krankenbett. „Guten Tag! Ich bin Dr. Guckelberger“, stellt der Mediziner sich vor. „Ich weiß, ich habe viel von Ihnen gehört“, sagt Annemarie Neumann*.

Im interdisziplinären Bauchzentrum werden Patienten zunächst von Ärzten der Gastroenterologie und der Viszeralchirurgie gemeinsam behandelt. Die gebündelte Fachkompetenz soll Reibungen zwischen den Disziplinen vermeiden und eine schnellere Diagnose und Therapie ermöglichen. Aufgenommen werden Patienten mit unklaren Bauchbeschwerden, zum Beispiel bei Verdacht auf Darmverschluss, entzündliche Darmerkrankungen oder auf einen Tumor des Magen-Darm-Traktes. Ist die Ursache geklärt, wird der Patient auf die zuständige Station verlegt.

Annemarie Neumann* bereiten nach mehrfachen Operationen am Darm Verwachsungen chronische Beschwerden. Nach akribischer Recherche setzt sie alle Hoffnung in den exzellenten Chirurgen:

„Ich habe zu meinem Mann gesagt: ‚Meine letzte Chance ist Doktor Guckelberger‘“.

In Harvard wird auch nur mit Wasser gekocht

Der gute Ruf eilt ihm voraus. Der Mediziner ist in Berlin geboren und aufgewachsen. An der Berliner Charité, dem größten Uniklinikum Europas, kletterte er 20 Jahre lang die Karriere-Leiter hinauf: vom Arzt im Praktikum bis zum leitenden Oberarzt. Einzig zwischen 1998 und 2000 war er nicht in Berlin, sondern an der weltweit wohl renommiertesten Elitehochschule, der Harvard Medical School in Boston.

„Die kochen auch nur mit Wasser“, winkt der Mann im weißen Kittel ab. Seit Oktober 2013 leitet Dr. Guckelberger die Klinik Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Katholischen Klinikum Essen. „Ich wollte Chef werden und selbst eine Abteilung leiten“, begründet er seinen Wechsel. In Essen habe für ihn alles gepasst, auch die Region. „Seit ich acht bin, lebt einer meiner besten Freunde in Bochum“, erzählt der Arzt.

Interdisziplinäres Tumorboard

Das Katholische Klinikum Essen profitiert von seinen Erfahrungen. „Ich bringe viel mit, womit wir die Chance haben, einen weiteren Schwerpunkt zu bilden“, sagt er und verweist auf die Onkologische Chirurgie, die sich mit Tumoren in der Speiseröhre, im Magen, im Darm, in der Bauchspeicheldrüse, der Leber sowie mit Tumorerkrankungen des Bauchfells beschäftigt.

Besonders am Herzen liegt ihm dabei das interdisziplinäre Tumorboard: Jeden Mittwoch trifft der leitende Arzt sich mit Kollegen anderer Abteilungen wie der Gastroentologie, der Onkologie, der Strahlentherapie und der Radiologie sowie der Urologie und der Gynäkologie. „Krebs kennt keine Grenzen“, sagt Dr. Guckelberger.

In ein bis eineinhalb Stunden wird jeder Patient mit neuer Krebsdiagnose oder einer einschlägigen Veränderung des Krankheitsbildes vorgestellt und interdisziplinär analysiert. Wenn nötig, ließe er sich auch von einer geplanten Operation abbringen. „Immer im Sinne des Patienten“, sagt Dr. Guckelberger und lobt: „Das Tumorboard funktioniert hervorragend. Wir arbeiten eng mit niedergelassenen Ärzten zusammen. So können wir Patienten guten Gewissens in die ambulante Behandlung entlassen.“

„Ich rate Ihnen von einer Operation ab“

Auch die Rentnerin auf Station A4 entlässt er heute nach Hause. Mit beiden Händen tastet der Mediziner den Bauch ab, auf dem sich eine lange, horizontale Narbe abzeichnet. „Ich rate Ihnen von einer Operation ab“, warnt er. Die würde nur zu weiteren Verwachsungen und erneuten Beschwerden führen. „Die Röntgenbilder sind in Ordnung“, erörtert der Viszeralchirurg sachlich und geht im nächsten Atemzug auf das subjektive Befinden der älteren Frau ein: „Ihre Schmerzen sehen wir darauf natürlich nicht.“

Der Doktor empfiehlt eine Schmerztherapie bei einem Spezialisten, mahnt, regelmäßig und konstant die Medikamente einzunehmen und entschuldigt sich dafür, nicht mehr für sie machen zu können. Die Rentnerin wirkt allein durch das Gespräch und die kurze Untersuchung sichtlich erleichtert. „Wofür? Vielen Dank!“, sagt sie.

Dr. Guckelberger ist auf dem Weg zu seiner nächsten Patientin. Die junge Frau hat einen entzündeten Insektenstich am Fuß. Auch das ist Teil seiner Arbeit. „Der Fuß war dick und kräftig rot, als sie hier herkam“, beschreibt eine Krankenpflegerin die Verletzung. „Durch Kratzen kommen Bakterien drunter, und dann kann so etwas passieren“, ergänzt Dr. Guckelberger. Er verordnete Ruhe, Kühlen und Antibiotika. Jetzt tastet der Arzt den Knöchel ab und entlässt die Patientin nach Hause – mit der eindringlichen Bitte, nicht zu kratzen.

Operationen dauern zwischen einer und sechs Stunden

Er selbst geht längst nicht nach Hause. Etwa zwischen acht und neun Uhr morgens beginnen die Operationen. Manche davon dauern sechs Stunden, kleinere, wie beispielsweise ein Leistenbruch sind in einer Stunde erledigt. Gegen 14.30 Uhr bespricht er sich abschließend mit seinen Mitarbeitern. Eine halbe Stunde später erhält er alle Röntgenbilder des Tages, führt anschließend die zweite Visite auf der Intensivstation durch und besucht Patienten der anderen Stationen. Für ambulante Patienten nimmt er sich zwischendurch Zeit.

Ruhe kehrt erst am späten Nachmittag ein. Die nutzt der Mediziner, um die Aktenberge auf seinem Schreibtisch zu minimieren und Röntgenbilder zu studieren. Zwischen halb acht und acht am Abend gönnt er sich den wohlverdienten Feierabend. Von Stress, Augenringen oder Überforderung ist keine Spur. „Mir macht das wahnsinnigen Spaß“, begründet er seinen Arbeitseifer. „Und ich bin es den Patienten schuldig, gut vorbereitet in Operationen zu gehen.

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Teamarbeit: Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Tarek Azhari wertet Dr. Guckelberger Befunde aus.

 

Schwerpunkt Hernien- und Gefäßzentrum
Die Chirurgische Klinik I mit Sitz im Philippusstift und im Marienhospital Altenessen befasst sich mit der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. Die Ärzte sind spezialisiert auf Operationen des Magen-Darm-Traktes, der Leber, der Schilddrüse, der Speiseröhre, der Milz und der Bauchspeicheldrüse. Die Operationen werden – wenn möglich – minimalinvasiv vorgenommen. Dank kleinster Instrumente behält der Patient keine schwerwiegenden Narben und kann in den meisten Fällen nach wenigen Tagen das Krankenhaus verlassen. Die Qualität der Eingriffe wurde von der Gesellschaft für Viszeralchirurgie geprüft und zertifiziert.
Schwerpunkte der Chirurgischen Klinik I sind das Hernien- sowie das Gefäßzentrum. Hernien, also Bauchwandbrüche inklusive Leistenbrüche, sind häufig auftretende chirurgische Krankheitsbilder. Im schlimmsten Fall können Bauchorgane durch eine solche Lücke fallen, sich dort einklemmen und lebensgefährliche Durchblutungsstörungen, Darmverschlüsse oder Darmdurchbrüche verursachen. Die spezialisierten Ärzte um Dr. Guckelberger verlagern sowohl konservativ als auch minimalinvasiv das entsprechende Organ zurück in die Bauchhöhle, verschließen die Bruchpforte und verstärken die Bauchwand.

In der Gefäßchirurgie werden beispielsweise Gefäßbypässe gelegt, aber auch Shunts zwischen Arterie und Vene, über die Dialysen durchgeführt werden. Das Gefäßzentrum am Marienhospital Altenessen ist 2004 als eines der ersten in Deutschland von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin und Gefäßchirurgie zertifiziert und im September 2010 rezertifiziert worden.
Weiterer Schwerpunkt ist die onkologische Chirurgie, in der Krebserkrankungen der Bauchorgane behandelt werden. Im sogenannten Tumorboard arbeiten Ärzte interdisziplinär zusammen – sowohl klinikintern als auch mit niedergelassenen Ärzten.

*Name von der Redaktion geändert

Kontakt
Katholisches Klinikum Essen
Philippusstift
Priv.-Doz. Dr. med. Olaf Guckelberger
Leitender Arzt
Chirurgische Klinik I – Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie
Hülsmannstraße 17
45355 Essen
Fon: 0201 6400 3150
Mail: o.guckelberger@kk-essen.de

Marienhospital Altenessen
Hospitalstraße 24
45329 Essen
Fon: 0201 6400 1310
Fax: 0201 6400 1330
Mail: o.guckelberger@kk-essen.de