Chronische Schmerzen haben oft vielfältige Ursachen

„Ich bilde mir das doch nicht ein“, hört Prof. Dr. Cornelius Wurthmann oft, wenn er betroffenen Schmerzpatienten zu einer Therapie rät. „Das hat aber nichts mit Einbildung zu tun“, erwidert der Leitende Arzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin am Katholischen Klinikum Essen. Mit einer gesprächsorientierten Therapie hilft er Patienten mit chronischen Schmerzen zu einer neuen Lebensqualität. Am häufigsten stößt Prof. Wurthmann bei chronischen Schmerzen auf Somatisierungsstörungen oder somatoforme Schmerzstörungen. Bei der somatoformen Schmerzstörung steht der Schmerz im Vordergrund. Dabei handelt es sich um über Monate und länger anhaltende Beschwerden, für die keine körperliche Ursache gefunden wird. Sie betreffen entweder nur eine Region oder mehrere, wie beispielsweise Kopf, Rücken, Schulter, Bauch und Unterleib. Bei Somatisierungsstörungen treten neben Schmerzen vordergründig auch noch viele andere Symptome auf, wie Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Probleme, Atemwegsbeschwerden oder Hautirritationen.

Ursache im seelischen Bereich

Beide heißen deshalb somatoform, weil sie auf körperliche Ursachen hinzudeuten scheinen, die Ursachen aber tatsächlich im seelischen Bereich liegen. „Patienten tun sich oft schwer damit, eine Therapie anzunehmen“, bedauert der Leitende Arzt. Wer Schmerzen habe, denke natürlich an körperliche Ursachen, nehme dazu viele Untersuchungen auf sich und in letzter Konsequenz wahrscheinlich auch Schmerzmittel oder Operationen. „Wir erleben es gar nicht selten, dass Patienten mit psychosomatischen Schmerzen mit Morphinen behandelt wurden oder bereits operiert sind, bevor sie zu uns kommen“, so Prof. Wurthmann. Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin im Borbecker Philippusstift geht dann den psychosozialen Ursachen auf den Grund. „Viele unserer Patienten haben traumatische Erfahrungen gemacht. Manchmal spielt auch Erblichkeit eine Rolle. Wir beobachten immer wieder, dass Verwandte ersten Grades ebenfalls solche Erkrankungen haben“, sagt Prof. Wurthmann. Gibt es in einer Familie bereits chronische Schmerzpatienten, hat das möglicherweise Auswirkungen auf andere Familienmitglieder und insbesondere auf deren Umgang mit Schmerzen oder Belastungen. „Wir wollen Patienten motivieren“, so Prof. Wurthmann, „ihre Wahrnehmung zu verändern, und ihnen vermitteln, dass Schmerzen mit psychosomatischer Ursache nichts mit Einbildung zu tun haben“. Erstes Etappenziel wäre die Bereitschaft, das für sich zu akzeptieren. Dann geht es darum, unangemessene, krankheitsfördernde Einstellungen und Verhaltensweisen zu modifizieren.

Leben genießen statt schonen

Die Therapie findet gesprächsorientiert statt und nur in seltenen Ausnahmefällen medikamentös. „Es gibt keine gesicherten Untersuchungen, dass Medikamente bei diesen Krankheitsbildern etwas bewirken“, betont der Psychiater und Psychotherapeut. Ausnahme: wenn die chronischen Schmerzen Teil einer Depression sind. Dann sehe allerdings auch die Behandlung anders aus. Wichtigstes Ziel ist für Prof. Wurthmann, die Lebensqualität zu verbessern: „Das Leben genießen, sich Gutes tun“, sagt er. Oft achteten Patienten mit Somatisierungsstörungen oder somatoformen Schmerzstörungen ganz besonders auf ihren Körper und würden Veränderungen als bedrohlich oder gefährlich wahrnehmen. „Wir versuchen, das darauf folgende Schonverhalten abzubauen“, so Prof. Wurthmann.

 

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