Herzrhythmusstörungen: Wenn das Herz stolpert

Die meisten Menschen machen sich wenig Gedanken darüber, wie oft und schnell ihr Herz schlägt. „Und das ist auch völlig in Ordnung“, sagt Prof. Dr. Birgit Hailer, Chefärztin der Medizinischen Klinik II des Katholischen Klinikums Essen. Denn schließlich ist bei jedem Menschen – auch einem gesunden – der Herzschlag manchmal unregelmäßig.

„Die meisten Störungen des Herzschlags sind harmlos. Jeder ist zum Beispiel einmal aufgeregt. Wenn dann das Herz aus dem Rhythmus gerät und sprichwörtlich ‚höher‘ schlägt, ist das völlig normal.“ Treten Symptome wie Herzrasen allerdings ohne erkennbaren Grund auf, beispielsweise in der Nacht, zeigen sich Schwindel, Übelkeit oder sogar Bewusstlosigkeit, sollten Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Größte Kardiologische Klinik der Region
„Derlei Symptome können auf eine unerkannte Herzkrankheit hindeuten“, sagt Prof Hailer. Seit am 1. Januar 2015 die Kardiologischen Kliniken des St. Vincenz Krankenhauses und des Philippusstifts des Katholischen Klinikums Essen zusammengelegt wurden, leitet die erfahrene Kardiologin mit der Medizinischen Klinik II mit den Standorten Philippusstift und St. Vincenz Krankenhaus die größte Klinik der Region zur Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen. Täglich werden hier Patienten umfangreich und interdisziplinär diagnostiziert und behandelt.

„Ängste sind bei Herzrhythmusstörungen in den meisten Fällen unbegründet“, sagt Prof. Hailer. „Auch wenn der Übergang zwischen normalen und krankhaften Störungen fließend ist: Selbst eine krankhafte Störung muss nicht gleich gefährlich sein.“

Elektrische Herzströme messen
Die vorliegenden Symptome sind bei einer Herzrhythmusstörung nicht immer wegweisend. So gibt es lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, die von den Patienten kaum wahrgenommen werden. Umgekehrt kann es sein, dass im Grunde harmlose Extraschläge des Herzens den Betroffenen stark beeinträchtigen und beunruhigen. Um festzustellen, ob eine Herzrhythmusstörung vorliegt, eignet sich die zunächst die Elektrokardiografie, was so viel wie „Herzstromkurve“ bedeutet. Unter der Abkürzung EKG hat fast jeder schon einmal davon gehört. Wenn das Herz schlägt, entsteht ein elektrischer Strom mit einer schwachen Spannung von etwa einem Tausendstel Volt. Mit Hilfe von Messelektroden auf der Haut werden diese elektrischen Impulse als Kurven aufgezeichnet. So erkennt der Arzt Auffälligkeiten der elektrischen Aktivität des Herzens wie auch vorzeitig einfallende Extraschläge, die dann als Herzstolpern bemerkt werden. Da eine Aufzeichnung in Ruhe über wenige Sekunden meist nicht aufzeichnet, um solche Extraschläge zu erkennen, erfolgt eine sogenannte langzeitelektrokardiographische Untersuchung, wobei der Patient ein EKG bis zu sieben Tagen trägt.

Vorhofflimmern
Zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen zählt das Vorhofflimmern, bei dem sich die Herzvorhöfe nicht mehr regelmäßig zusammenziehen. Folge: Der Blutstrom verlangsamt sich, im schlimmsten Falle bilden sich Blutgerinnsel, die ein Gefäß im Gehirn verstopfen und einen Schlaganfall verursachen. Nach Schätzungen der Deutschen Herzstiftung sind hierzulande rund eine Million Menschen vom Vorhofflimmern betroffen, häufig Ältere. Jedes Jahr verursacht die Erkrankung etwa 30.000 Schlaganfälle. Ein Vorhofflimmern lässt sich mit Hilfe eines EKG schnell und sicher diagnostizieren, tritt allerdings gerade in der Anfangsphase bisweilen nur vorübergehend auf – es kommt deshalb vor, dass eine Untersuchung ein normales EKG zeigt. Dann führt der Arzt mit dem Patienten das erwähnte Langzeit-EKG durch. Dafür nimmt der Patient ein kleines tragbares Gerät mit nach Hause, das seine Herztätigkeit aufzeichnet. Die Daten werden anschließend in der Klinik oder Praxis ausgewertet. Um das Vorhofflimmern zu behandeln und insbesondere das Schlaganfallrisiko zu senken, nehmen Patienten gerinnungshemmende Medikamente ein. Durch eine sogenannte Katheterablation kann das Vorhofflimmern beseitigt werden: Dabei werden im Herzinneren die Ursprungsorte der Rhythmusstörung verödet.

Herzrhythmusstörungen behandeln
Seit einiger Zeit hat bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen ein Umdenken stattgefunden. Noch vor einigen Jahren glaubte man, dass die meisten Herzrhythmusstörungen bedrohlich seien.

„Inzwischen bleiben viele Herzrhythmusstörungen – nach entsprechender sorgfältiger Abklärung durch einen Kardiologen – unbehandelt, wenn sie keine Gefahr für die Gesundheit bedeuteten“, sagt Prof Hailer.

 

 

Gut zu wissen: Welches EKG kommt wann zum Einsatz?
Das Ruhe-EKG wird meist im Liegen durchgeführt und dauert nur einige Sekunden.
Bei einem Langzeit-EKG werden die elektrischen Impulse des Herzschlags mit einem kleinen, tragbaren Gerät über einen Zeitraum von meistens 24 Stunden aufgezeichnet.
Das Belastungs-EKG zeichnet die Tätigkeit des Herzens unter körperlicher Anstrengung des Patienten auf (Fahrradergometer, Laufband).
Gerade Patienten, die einen Herzinfarkt hinter sich haben, sind bei neu auftretenden Herzrhythmusstörungen verunsichert. Mit einem Eventrekorder können auch selten auftretende Herzrhythmusstörungen aufgezeichnet werden: Der Patient trägt das leicht zu bedienende, kaum scheckkartengroße Gerät mehrere Wochen bei sich.

 

 

Kontakt:

Katholisches Klinikum Essen
Philippusstift
Prof. Dr. Birgit Hailer
Leitende Ärztin
Medizinische Klinik II
Hülsmannstraße 17
45355 Essen
Fon: 0201 6400 3300 / 3301 / 3050
Mail: mk2@kk-essen.de

St. Vincenz Krankenhaus
Prof. Dr. med. Birgit Hailer
Leitende Ärztin
Kardiologie
Von-Bergmann-Straße 2
45141 Essen
Fon: 0201 6400 3300 / 3301 / 3050
Mail: mk2-vk@kk-essen.de