Was sind Hernien?

Eine Hernie bezeichnet einen Eingeweidebruch, der durch eine Schwachstelle der Muskelwand entstehen kann. Mögliche Folgen sind das Vorfallen von Bauchfell oder Bauchorganen durch die Muskellücke, wodurch sich sackartige Ausstülpungen bilden. Dieser Inhalt der Hernie wird Bruchsack genannt und kann neben Teilen von Organen wie Magen oder Darm auch Bauchfett oder Bauchfell enthalten.

 

Ursachen von Hernien

Neben angeborenen Ursachen wie der Nabelhernie bei Säuglingen, die beispielsweise durch Untergewicht hervorgerufen wird, bilden sich Hernien durch geschwächtes Bindegewebe oder einen erhöhten Druck auf die Bauchwand, bei der bereits eine Schwachstelle vorliegt. Durch starkes Pressen, Heben schwerer Lasten sowie Husten, aber auch Übergewicht, Vernarbungen infolge einer Operation oder eine Schwangerschaft kann dabei eine Hernie ausgelöst werden.

 

Wie bemerke ich Hernien?

Die meisten Bauchwandbrüche sind durch Hervorwölbungen zu ertasten. Aber nicht alle Hernien verursachen Beschwerden. Kleinere Brüche rufen meist nur bei starker Anspannung der Bauchmuskulatur Schmerzen hervor, wenn in der Muskulatur Bauchfell oder Darmteile eingeklemmt werden. Ein Druckgefühl, stechende Schmerzen oder Brennen sind üblich, auch Verdauungsbeschwerden können durch die eingeengte Darmpassage auftreten.
Starke oder neu auftretende Schmerzen an der Hernie oder zusätzliche Übelkeit und Erbrechen weisen darauf hin, dass der Bruchsack eingeklemmt ist. Gefahr droht, wenn Bauchfell und Darm in der Bruchpforte eingeklemmt sind, wodurch die Blutversorgung abgeschnitten wird. Solche Brüche sind Notfälle und müssen sofort operiert werden.

 

Welche Arten von Hernien gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man Hernien nach dem Ort ihres Auftretens. Wenn die Hernie von außen zu erkennen ist, spricht man von einer äußeren Hernie. Liegt die Hernie innerhalb des Körpers und ist deshalb ohne Hilfsmittel nicht erkennbar, ist von einer „inneren Hernie“ die Rede. Innerhalb dieser Einteilung gibt es verschiedene Hernienarten, abhängig von ihrer Lage.

 

Leistenhernie

Eine Leistenhernie (Leistenbruch) entsteht durch eine Schwachstelle im Bereich des Leistenkanals oberhalb des Leistenbandes. Diese Hernienform ist mit 70 Prozent bei Männern und 60 Prozent bei Frauen die häufigste. Bei Frauen liegt am Austritt des Mutterbandes aus dem Leistenkanal und bei Männern am Austritt des Samenstranges eine Schwachstelle in der Bauchdecke vor.

 

Schenkelhernie

Schenkelhernien sind immer erworbene Hernien und kommen überwiegend bei älteren Frauen mit schwachem Bindegewebe vor. Die Bruchpforte befindet sich zwischen Leistenband und Beckenwand, das heißt im Gegensatz zur Leistenhernie unterhalb des Leistenbands. Wegen der häufigeren Gefahr einer Einklemmung ist hier eine Operation dringend angeraten.

 

Nabelhernie

Diese Bruchform tritt häufig im Säuglingsalter in der Nabelgegend auf. Grund dafür ist die in diesem Alter noch unvollständige Ausbildung der Bauchwand um den Nabel. Allerdings ist die Einklemmungstendenz bei Säuglingsnabelbrüchen sehr gering, weswegen sie nur mit Bandagen behandelt werden. Bei Erwachsenen kommen Nabelhernien ebenfalls relativ häufig vor, meist ohne Beschwerden zu verursachen. Liegt doch eine Einklemmung von Bauchorganen vor, wird operiert.

 

Zwerchfellhernie

Zwerchfellhernien sind eine innere Bruchform, bei der sich der Bruchsack durch eine Lücke im Zwerchfell schiebt. Lücken im Zwerchfell sind anatomisch normal, da durch sie Blutgefäße, Nerven und Organe verlaufen, diese begünstigen jedoch Hernienbildungen. Der Bruch ist von außen nicht sichtbar und wird deshalb als „innere Hernie“ bezeichnet. Der häufigste Zwerchfellbruch ist die Hiatushernie. Dabei verlagert sich ein Teil des Magens in die Hiatus genannte Lücke, die ein Durchtrittsort der Speiseröhre ist.

 

Narbenhernie

Narbenhernien entstehen im Bereich einer Operationsnarbe. Die Bauchwand ist nach einem operativen Eingriff an dieser Stelle oft geschwächt und anfälliger für die Entstehung von Hernien.

 

Was passiert bei der Untersuchung von Hernien?

Bei der körperlichen Untersuchung beim Arzt, bittet dieser den Patienten im Stehen zu husten, damit der Bruchsack sichtbar oder tastbar wird. Eine weitere bildgebende Diagnostik ist nur bei unklaren Befunden nötig.

 

Hernien ohne Operation heilbar?

Eine Selbstheilung von Bauchwandbrüchen ist ausgeschlossen. Nur Säuglinge stellen einen Sonderfall dar, bei ihnen kann sich die Bauchwand nachträglich vollständig ausbilden, wodurch der Nabelbruch von selbst verschwindet. Erwachsene hingegen kommen bei einem Bauchwandbruch nicht um eine Operation herum, man kann eine Operation zwar hinauszögern, sofern keine Einklemmung von Organteilen besteht, es wird allerdings zu einer frühzeitigen Behandlung geraten, um nicht nachträglich bei weiterer Vergrößerung der Hernie eine Notoperation zu riskieren.

 

Behandlung von Hernien

Hernien heilen nicht von selbst. Bruchpforten erweitern sich sogar kontinuierlich, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Einklemmung rapide ansteigt. Sie sollten daher umgehend operativ geschlossen bzw. gesichert werden. Dabei existieren verschiedene Verfahren, grundsätzlich lassen sich offene Operationen und laparoskopische Methoden (minimal-invasive Methoden) unterscheiden. Bei der offenen Operation wird durch einen größeren Schnitt im Hernienbereich gearbeitet, während bei der minimal-invasiven OP (Laparoskopie) nur einzelne kleine Schnitte gemacht werden, durch die ein feines Rohr mit einer Kamera sowie chirurgische Instrumente in den Bauchraum eingeführt werden. Welche Verfahren infrage kommen, hängt von der Größe und Lage der Hernie ab. Ziel des Eingriffs ist es, den Bruchsack zurückzuschieben oder zu entfernen und die Lücke in der Bauchwand zu verschließen.

 

Offene Hernien-OP

Bei der offenen Hernien-OP können verschiedene Techniken angewendet werden. Der Eingriff erfolgt über einen kleinen Hautschnitt von außen. Die Methode ohne Netz beruht auf der Nutzung von Bindegewebe und Muskeln zur Verstärkung der Nahtstelle, dafür wird die Bruchpforte mit benachbartem Bindegewebe vernäht. Bei der Methode mit Netz wird mit einem Kunststoffnetz gearbeitet, das die Bruchpforte abdecken soll und zusätzlich stabilisiert wird.

 

Minimal-invasive Hernien-OP

Die minimal-invasive Operation ist schonender und bereitet weniger Schmerzen als offene Operationen, dennoch wird sie immer in Vollnarkose durchgeführt. Bei der sogenannten Laparoskopie werden einzelne kleine Schnitte gemacht, durch die ein feines Rohr mit einer Kamera sowie chirurgische Instrumente in den Bauchraum eingeführt werden. Grundsätzlich ist die Behandlung von Hernien und Leistenbrüchen in den meisten Fällen auch minimal-invasiv möglich.

 

Welche Komplikationen können bei einer Hernien-Operation auftreten?

Komplikationen nach Hernien-Operationen sind selten. Es kann in wenigen Fällen passieren, dass während der Operation Nerven oder Blutgefäße verletzt werden. Postoperative Komplikationen können außerdem Wundheilungsstörungen, Nachblutungen oder Infektionen sein, allerdings sind diese die Ausnahme. Bei Männern kann es im schlimmsten Fall während der Operation zu einer Verletzung des Samenstrangs und resultierender Hodenatrophie (Verkleinerung und Funktionsverlust des Hodens) kommen. Eine mögliche Spätkomplikation ist ein erneuter Bruch der operierten Stelle, aber diese Wahrscheinlichkeit kann durch die Verwendung von alloplastischen Materialen auf deutlich unter 10 Prozent gesenkt werden.

 

Was passiert nach der Operation?

Die Patienten können kurz nach der Operation schon aufstehen, ein endgültiger Verschluss der Narbe ist allerdings erst nach 3-4 Monaten erreicht. Starke Belastungen sollten bis zu diesem Zeitpunkt vermieden werden. Außerdem sollte der Hausarzt regelmäßig die Wundverhältnisse kontrollieren und auf Entzündungszeichen, Schwellungen und Rötungen achten.

 

Wie lange bin ich nach einer Hernien-Operation krankgeschrieben?

Die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit beträgt acht bis 14 Tage.

 

Wann darf ich nach einer Hernien-Operation wieder Sport treiben?

Wer nach einer Hernien-Operation wieder Sport treiben möchte, sollte sich an folgende Empfehlungen halten:
• Ab dem zehnten Tag sind längere Spaziergänge möglich
• Schwimmen ab der dritten Woche, jedoch ohne Springen
• Radfahren ab der vierten bis sechsten Woche
• Weitere Sportarten ab der achten bis zwölften Woche

 

 

 

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