Ob Beugesehnen-Transplantation oder Knochenbrüche: Die Hand- und Fußchirurgie am Katholischen Klinikum Essen beherrscht komplizierteste Operationen, die nur die wenigsten Krankenhäuser durchführen dürfen, ebenso wie einfachere chirurgische Eingriffe bei Mittelhand- oder Mittelfußfrakturen.

Mit ihrer Expertise und ihrem Geschick hat sich die Klinik weit über Essen hinaus einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet.

Mit einer hoch komplizierten Beugesehnen-Verletzung und großer Hoffnung in den erfahrenen Chirurgen sucht ein Kunsthandwerker aus Südamerika den Leitenden Arzt der Klinik für Hand- und Fußchirurgie am Katholischen Klinikum Essen, Dr. Peter Kaivers, auf. Der Mann aus Übersee konnte seinen Zeigefinger kaum noch beugen und hatte damit arge Probleme bei seiner täglichen Arbeit. Wobei er sich die schwerwiegende Verletzung zugezogen hat, weiß er nicht mehr.
Üblicherweise entstehen Beugesehnenverletzungen durch einen Schnitt mit einem scharfen Gegenstand. Seltener ist ein Riss der Sehne, hervorgerufen durch eine entzündliche Krankheit wie zum Beispiel Rheuma, die Ursache. Sind beide Beugesehnen durchtrennt, kann der entsprechende Finger nicht mehr aktiv gebeugt werden. Sind sie teilweise durchtrennt, ist die Bewegung zumindest stark beeinträchtigt.

Beugesehnenverletzungen sind Notfälle
Verletzungen der Beugesehnen müssen umgehend von Spezialisten operiert werden. Andernfalls, wenn bereits Verklebungen des Gewebes stattgefunden haben, drohen dem Patienten dauerhafte Bewegungseinschränkungen. Dann hilft nur noch eine Beugesehnen-Transplantation, die am Katholischen Klinikum Essen möglich ist, aber nur die wenigsten Ärzte beherrschen.
„Beugesehnen-Transplantationen sind eine anspruchsvolle und langwierige Sache“, berichtet Dr. Kaivers von einer mehrstündigen Operation. Über einen neuen Sehnen- kanal, gebildet durch einen Tunnel aus Silikonstäben, wird  die Sehne in kleinster Detailarbeit wieder an den Muskel angeschlossen. Dr. Kaivers verweist auf den Fortschritt der Wissenschaft und der mikrochirurgischen Technik und lobt posthum den US-amerikanischen Handchirurgen Harold Earl Kleinert. Dieser entwickelte eine Methode, mit der Sehnennähte nach der Operation durch einen Gips mit Gummiband regelmäßig hin und her bewegt werden können. Durch die dynamischen Bewegungen werden Verwachsungen verhindert und eine gute Funktion wiederhergestellt. „Für diese Entdeckung hätte Kleinert eigentlich den Nobelpreis verdient“, findet Kaivers.

Spezialisten für Handverletzungen

Mittelhandimplantat

Mittelhandimplantat

Der Leitende Chirurg und sein Team sind neben Beugesehnen-Transplantationen auch auf Erkrankungen der Handgelenke sowie auf hand- und fußchirurgische Verletzungen in fortgeschrittenen Stadien spezialisiert. Der Großteil der 800 bis 1.000 Operationen der Klinik entfällt auf die Versorgung von Frakturen der Hände und Füße.
Mittelhand- wie Mittelfußfrakturen werden in der Regel mithilfe von kleinen, etwa 2 mm dicken Titanplättchen und passenden, 1,5 bis 2 mm starken Schrauben gerichtet. Plättchen aus Titan haben den Vorteil, dass der Patient vom ersten Tag nach der Operation an mit einer Bewegungstherapie beginnen kann. Bei Kindern und Jugendlichen werden Drähte eingesetzt, weil Platten das Wachstum der betroffenen Körperteile beeinträchtigen könnten. Bei Drähten, die in den Knochen eingebracht werden, müssen die Hände einige Wochen ruhiggestellt werden. Die Drähte werden hinterher wieder entfernt, was bei Platten nicht notwendigerweise der Fall ist.

„Handchirurgie ist wie Uhrmacherei“
Wie wichtig die Hände sind, wird vielen Patienten erst durch eine Verletzung so richtig bewusst. Der erfahrene Handchirurg verweist auf den Homunkulus, der die Repräsentation einzelner Körperteile auf die Großhirnrinde darstellt. „Die Repräsentanz der Hände auf der Großhirnrinde nimmt sehr viel Raum ein“, referiert der Handchirurg. „Jeder braucht seine Hände. Deshalb ist es wichtig, sie nach einer Verletzung bestmöglich
wieder herstellen.

Dr. Kaivers demonstriert, wo er bei einer Speichenfraktur das Titan-Implantat einsetzen würde.

Dr. Kaivers demonstriert, wo er bei einer Speichenfraktur das Titan-Implantat einsetzen würde.

Seine Aufgabe sieht Kaivers darin, feinste Strukturen unter mehrfacher Vergrößerung sauber darzustellen und zu reparieren – und das mit Perfektion.

„Handchirurgie ist wie Uhrmacherei“, meint der Essener Mediziner, der „die Frickelarbeit“ an seinem Job und das gute Gefühl, einem Menschen geholfen zu haben, liebt.

Kaivers freut sich, dass Patienten, die mit nicht funktionierenden Fingern zu ihm kamen, ihre Verletzungen hinterher kaum noch wahrnehmen. So wie der südamerikanische Kunsthandwerker, dessen Hand hinterher wieder fast wie neu war. „Ein kleines Defizit bleibt immer. Wie vorher wird es nicht wieder“, räumt Kaivers zwar ein. „Die Einschränkung wird im Alltag aber kaum bemerkt“, ist er sich sicher.

Ihre Fachklinik vor Ort
Katholisches Klinikum Essen
Chirurgische Klinik II – Orthopädie und Unfallchirurgie, Hand- und Fußchirurgie
Dr. Peter Kaivers
Leitender Arzt

St. Vincenz Krankenhaus
Von-Bergmann-Straße 2
45141 Essen
Fon: 0201 6400 3100
Mail: p.kaivers@kk-essen.de