Gesundheit braucht Pflege

„Pflegenotstand“, „Viel Arbeit, wenig Zeit für die Patienten“ – nicht selten sind es negative Schlagzeilen, die im Zusammenhang mit der Krankenpflege in den Medien auftauchen. „Fordernd ist unser Beruf ganz sicher, aber auch sehr erfüllend, in fachlicher wie emotionaler Hinsicht“, sagt dagegen jemand, der es wissen muss: Kerstin Kellermanns, examinierte Krankenschwester und Gesamtleitung einer UC/KA/IM WL-Station und einer IM/UC Belegstation im Katholischen Klinikum Essen.

„Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“, sagt sie. Und ergänzt, dass diese menschliche Zuwendung gerade an einem Krankenhaus wie dem Katholischen Klinikum Essen mit seinem christlichen Menschenbild mehr gilt als anderswo.

Bestens ausgebildet

Rund 740 Mitarbeiter im Pflege- und Funktionsdienst sowie ca. 100 Auszubildenden sind an den drei Standorten Philippusstift, Marienhospital und St. Vincenz Krankenhaus in unterschiedlichen Funktionen und Diensten im Einsatz, von den Ambulanzbereichen bis hin zu Operationssälen und Intensivstationen, Tag und Nacht, sieben Tage die Woche. Sie alle sind bestens ausgebildet, viele von ihnen zusätzlich spezialisiert und mit besonderen Qualifikationen. Gemeinsam mit den Ärzten sorgen sie dafür, dass die Patienten, die hier täglich ambulant und stationär behandelt werden, die Häuser gesund und geheilt wieder verlassen und dabei ihren Aufenthalt in guter Erinnerung behalten. Die Redaktion von „Gesund in Essen“ hat die Gesamtleitung Kerstin Kellermanns einen Arbeitstag lang bei ihrer Arbeit begleitet.

Montagmorgen, 6:00 Uhr: Schichtbeginn auf der Station Elisabeth. Seit 29 Jahren arbeitet die 49-jährige Kerstin Kellermanns bereits am Katholischen Klinikum Essen als examinierte Krankenschwester, wo sie auch ihre Ausbildung gemacht hat. Neben den pflegerischen Aufgaben in der stationären Versorgung der Patienten gehört auch die Leitung der Stationen Elisabeth und Theresia, und deren Mitarbeiter, zu ihren täglichen Aufgaben. Das Wochenende war naß und kalt und hat die Betten auf den Stationen mit Patienten gefüllt. Kerstin Kellermanns weiß aus Erfahrung, dass der erste Tag im Krankenhaus für die Patienten und deren Angehörigen immer eine ganz besondere Situation darstellt, an die häufig viele Ängste geknüpft sind.

„Meine Aufgabe ist es vor allem bei den neuen Patienten, sie nicht nur pflegerisch zu versorgen, sondern auch Ängste zu nehmen, sie zu beruhigen, zu ermutigen und auch ihre Angehörigen mit in diesen Prozeß einzubeziehen. Die Verantwortung ist groß, ich muss die Konzentration immer hoch halten“,

sagt sie.

6:30 Uhr: Die Übergabe der Nachtschicht an den Tagdienst ist beendet, es ist Zeit für die all morgendliche Pflegerunde. Kerstin Kellermanns hat auf ihrem Pflegewagen alle nötigen medizinischen Geräte und Dokumente bei sich. Leise klopft sie an die erste Tür. „Guten Morgen“, lächelt sie und fragt einen Patienten aus einem Pflegeheim, der in der vergangenen Nacht mit einem hoch fieberhaften Infekt eingeliefert wurde, nach seinem Befinden. Auf Grund einer bekannten Demenz und des reduzierten Allgemeinzustandes des Patienten reagiert dieser ängstlich und nicht orientiert. Die langjährig erfahrene Krankenschwester weiß, daß sie diesem Patienten mit viel Ruhe und Geduld begegnen muß. Eine gute Krankenbeobachtung und überlegte einfühlsame Kommunikation sind bei solchen Patienten besonders wichtig. Nach der Ermittlung der Vitalparameter trägt Kerstin Kellermanns alle Daten in ihr Krankenblatt ein und beginnt mit der Grundpflege des Patienten unter Einbeziehung seiner verbliebenen Ressourcen. Während dieser Tätigkeiten hört sie dem Patienten aufmerksam zu, um ihm Sicherheit und Ruhe zu vermitteln.

„Das Einbeziehen des Patienten in den Pflegeprozess und das aktive Mobilisieren der Patienten ist eine Aufgabe, die nicht nur die körperlichen Bereiche umfasst“,

erzählt die engagierte Krankenschwester. „Deshalb werden wir auch im Umgang mit dementen Patienten und anderen Disziplinen wie Kommunikation und Gesprächsführung geschult.“ Medizinisches Fachwissen allein reicht nicht aus. Empathie ist am Katholischen Klinikum Essen ein sehr wichtiger Teil der pflegerischen Arbeit. Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Pflege, der stark in den Fokus gerückt ist, ist die hoch komplexe Dokumentation. Zeitweise erweckt es aber den Eindruck, daß die Dokumentation so umfassend geworden ist, dass der Pflege zunehmend die Zeit am Patienten fehlt. Dieser Umstand birgt Gefahren in sich.

7.30 Uhr: Die chirurgischen Ärzte kommen zur Visite. Als verantwortliche Pflegekraft begleitet Kerstin Kellermanns die Visite, um die Belange der Patienten zu klären und den Prozess der Entlassung frühzeitig zu planen.Verantwortlich sind Kerstin Kellermanns und ihr Team auf der Station Elisabeth für die Versorgung 28 internistischer und 9 unfallchirurgisch-orthopädicher Patienten. Sie alle setzen ihre Kraft zum Wohle dieser Patienten ein. Es ist häufig eine Gradwanderung zwischen machbarem Engagement der Pflegenden und drohender Überforderung der Mitglieder im Team, da der in den Jahren immer weiter fortschreitende Stellenabbau in der Pflege seine Spuren merklich hinterlässt. „Die Patienten werden immer multimorbider, die Liegezeiten immer kürzer, es besteht die Gefahr des Drehtürpatienten“, sagt Kerstin Kellermanns.

9:00 Uhr: Das Frühstück für die Patienten ist da. Die Pflegenden verteilen die Mahlzeit und reichen den Patienten das Essen an, die es aus den unterschiedlichsten Gründen nicht alleine können. „Ich genieße diese Zeit des Tages, da ich als Pflegekraft endlich einmal dem Patienten die Zeit zukommen lassen kann, die ihm gebührt.“ Zeitmanagement ist der Teufel, der uns immer anspornt.

10:00 Uhr: Pause. Ein guter Moment, sich den Mitarbeitern zu widmen, ihren Sorgen, Ängsten und Wünschen. „Das bringt die Position der Gesamtstationsleitung in der Pflege mit sich“, sagt sie. „Ich als Leitung bin Anlaufstelle für jeden – Patienten, Angehörige, Pflegende, Ärzte und so weiter. Ich versuche stets ein offenes Ohr für jeden zu haben, …mein Telefon klingelt! Oh Gott! Eine Krankmeldung für den heutigen Nachtdienst“, sagt Kerstin Kellermanns.
In diesem Augenblick ist es gut einen klaren Kopf zu bewahren. Das heißt aber auch ,sich als Gesamtleitung in diesem Moment aus der Pflege zurückzuziehen, und eine Lösung für das Problem zu finden. Prioritäten müssen gesetzt werden.

„Es gab Momente“, sagt Kerstin Kellermanns, „wo ich ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Team hatte, wenn ich mich zu Leitungsaufgaben zurückgezogen habe. Ich hatte immer Sorge, dass ein Anderer für mich mitarbeiten muss. Aber mit den Jahren wächst man an seinen Aufgaben“, sagt sie. „Ich weiß, dass alles, was ich tue, aus Überzeugung und zum Wohle des Patienten, des Teams und des Klinikums geschieht. Wichtig ist dabei sich nicht selbst zu vergessen. Selbstpflege ist ein wichtiger Aspekt . `Burn out´ spielt auch in unsrem Job eine große Rolle.“

11:45 Uhr: Der Nachdienst für die kommende Nacht steht. Kerstin Kellermanns kann sich endlich wieder um ihre Patienten kümmern. Denn das ist es, was sie ausmacht. Vor mehr als 29 Jahren hat sie ein Praktikum im Marienhospital angefangen. Dort ist dann die Liebe zum Beruf entstanden und trotz manch widriger Umstände ist sie immer noch geblieben. „Mit manchen Kollegen führt man schon fast eine zwanzig jährige Ehe“, sagt sie. Diese Verbundenheit untereinander und das dadurch entstandene Wir-Gefühl im Team sind ein guter Motivator gegen den täglichen Stress und dienen damit auch dem Wohle des Klinikums. Eine positive Haltung im Team wirkt sich auch auf die Genesung der Patienten und auf ihre Zufriedenheit aus. „Für uns ist der Patient nicht nur Kunde oder eine Ziffer im System, er ist ein Mensch, der bei uns im Fokus steht.“

13:00 Uhr: Die Frühschicht von Kerstin Kellermanns geht zu Ende. Sie übergibt ihren Bereich an die Spätschicht. Ein bisschen müde ist sie – von der körperlichen Anstrengung, der Doppelbelastung, die ihre Position mit sich bringt und auch von der hohen Konzentration, die stets notwendig ist.

„Aber ich liebe meine Arbeit. Menschen dabei zu unterstützen, wieder gesund und selbständig zu werden, das erfüllt mich“,

sagt sie. Und ergänzt, dass die Perspektiven der Krankenpflegerinnen und -pfleger am Katholischen Klinikum Essen sehr gut sind: Hier setzt man auf eine fundierte Personalentwicklung. Das heißt: Jede examinierte Pflegekraft kann sich gemäß ihrer beruflichen Vorlieben für einen bestimmten Schwerpunkt entscheiden und fortbilden.

 

Fragen an Jürgen Lehmann, Pflegedienstdirektor am Katholischen Klinikum Essen

Herr Lehmann, wenn ein junger Mensch vor der Frage nach der Berufswahl steht, würden Sie ihm raten, Gesundheits- und Krankenpfleger zu werden?
Vor jeder Berufswahl sollte die Frage nach dem inneren Antrieb stehen. Wer gerne mit Menschen zusammenarbeitet, eine abwechslungsreiche und anspruchsvolle Tätigkeit sucht und Verantwortungsbewusstsein mitbringt: der- oder diejenige ist in diesem Beruf bestimmt richtig. Man muss auch immer wieder betonen, dass unser Beruf mit höchst positiven Zukunftsperspektiven verbunden ist. Gerade am Katholischen Klinikum Essen bieten wir zudem viele Aufstiegs- und Spezialisierungsmöglichkeiten.

Der Beruf des Pflegers ist heute komplexer denn je…
Ja, Krankenhäuser sind hoch komplexe, spezialisierte Einrichtungen. Unsere Pflegerinnen und Pfleger benötigen deshalb fundiertes medizinisches wie pflegerisches Wissen, das sie gegebenenfalls auch unter Zeitdruck umsetzen können.

Was sind die schönsten Seiten im Arbeitsalltag eines Gesundheits- und Krankenpflegers?
Die Momente, wenn sich wieder einmal zeigt, wie gut unsere Teams funktionieren. Alle ziehen an einem Strang, unterstützen sich gegenseitig und meistern eine kritische Situation.

 

Pflege hilft: Familiale Pflege – Unterstützung bei der Angehörigen-Pflege


Krankenpflege endet nicht im Krankenhaus. Viele Menschen sind zunächst besorgt, wenn sie erfahren, dass ein Angehöriger nach einem Krankenhausaufenthalt zuhause weitergepflegt werden muss. Dann müssen oft schnell und unvorbereitet Entscheidungen getroffen werden. Das Katholische Klinikum Essen lässt seine Patienten auch in solchen Fällen nicht alleine und begleitet pflegende Familien beim Übergang von der Klinik zur häuslichen Pflege. Schon im Krankenhaus bieten ausgebildete Pflegetrainer/innen den Angehörigen praxisnahe Pflegetrainings und Gespräche an, entwickeln gemeinsam mit den Betroffenen ein sogenanntes Pflegenetzwerk. Auch in den eigenen vier Wänden geben die Pflegetrainer/innen der pflegenden Familie durch Besuche Sicherheit. Ein monatlicher Gesprächskreis dient der Vertiefung der Pflegekompetenz und bietet durch gemeinsame Reflexion mit anderen Betroffenen die Möglichkeit, den Alltag besser zu bewältigen.

Breites Spektrum an Spezialisierungen – Fort- und Weiterbildungen sowie Studienabschlüsse – in der Pflege

Im Pflege- und Funktionsdienst des Katholischen Klinikums Essen arbeiten rund 740 MitarbeiterInnen. Hinzu kommen etwa 100 Pflegekräfte in Ausbildung. An den drei Standorten des Klinikums kommen folgende Pflege-Experten in den unterschiedlichen Fachbereichen zum Einsatz: Wundexperten Kontinenzberater, Familiale Pflege, FachGKP Onkologie (Gesundheits- und KrankenpflegerIn im Fachbereich Onkologie), Breast-Care-Nurse (Pflegefachkräfte für Brustkrebspatientinnen), Pain Nurse (Pflegefachkräfte für die professionelle Messung und Behandlung von Schmerzen), MFA Onkologie (Medizinische Fachangestellte im Fachbereich Onkologie), FachGKP Endoskopie (Gesundheits- und KrankenpflegerIn im Bereich Endoskopie), Palliativversorgung, Praxisanleitung (Weiterbildung zur Anleitung der Auszubildenden in der Praxis), Studiengänge (auch duale Studiengänge: Hochschulstudium mit fest integrierten Praxisblöcken im Klinikum) in verschiedenen Bereichen wie zum Beispiel Pflegemanagement und Pflegewissenschaft.

Kontakt:
Katholisches Klinikum Essen
Philippusstift
Jürgen Lehmann
Pflegedienstdirektor
Hülsmannstraße 17
45355 Essen
Fon: 0201 6400 3500
Mail: j.lehmann@kk-essen.de