Neue Erkenntnisse zeigen: Migräneanfälle können in ihren Symptomen nicht nur einem Schlaganfall ähneln, die Krankheit ist auch möglicher Vorbote des Hirninfarkts. Worauf Patienten mit Migräne deshalb besonders achten sollten, empfiehlt Dr. Oliver Kastrup, Leitender Arzt der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie im Philippusstift Essen.

 

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Migräne und einem Schlaganfall?

Dr. Oliver Kastrup: Migräne tritt in Schüben auf und äußert sich neben pulsierenden Kopfschmerzen und Übelkeit bei manchen mit einer sogenannten Aura. Charakteristisch dafür sind flüchtige Ausfallerscheinungen, die den Kopfschmerzen vorausgehen. Dazu gehören Sehstörungen, teils mit Flimmern und Zacken, eine Sehminderung, halbseitige Taubheit und Lähmungen sowie Koordinations- und Sprachstörungen. Ähnliche Symptome zeigen sich auch bei einer transitorischen ischämischen Attacke, die Vorbote eines Schlaganfalls ist.

 

Inwiefern ist das problematisch?

Dr. Oliver Kastrup: Das Risiko, das auf eine transitorische ischämische Attacke (TIA) in wenigen Monaten bis Jahren ein Schlaganfall folgt, ist relativ hoch. Die TIA äußert sich mit ähnlichen Symptomen wie ein Migräneanfall, allerdings setzen die Beschwerden abrupt ein und bilden sich langsam wieder zurück. Bei einer Migräne breiten sich die Symptome allmählich aus. Gerade beim Verdacht einer zum ersten Mal auftretenden Migräne müssen Mediziner deshalb sehr gründlich und gewissenhaft diagnostizieren. Auch jüngere Patienten können einen Schlaganfall erleiden.

 

Neusten Studien zufolge zählt Migräne als Risikofaktor für einen Schlaganfall. Was raten Sie Betroffenen?

Dr. Oliver Kastrup: Dass es seltene, sogenannte migranöse Infarkte gibt, die in ihrer Symptomatik ungewöhnlich sind, ist länger bekannt. In den vergangenen Jahren haben Forscher aber auch herausgefunden, dass für Migräne-Patienten eine erhöhte Schlaganfall-Gefahr, insbesondere von embolischen oder Kleingefäßinfarkten, besteht. Vermutet werden genetische Ursachen. Wer an Migräne leidet, sollte deshalb alle anderen Risikofaktoren für einen Schlaganfall kritisch prüfen. Dazu gehört beispielsweise, einen zu hohen Blutdruck richtig einstellen zu lassen, Fette zu normalisieren, auf keinen Fall rauchen, Triptane und andere Medikamente nicht zu häufig zu nehmen und stattdessen der Migräne mit einer guten Prophylaxe zum Beispiel mit Betablockern oder der im Winter neu auf den Markt kommenden Antikörpertherapie entgegenzuwirken.

 

Zum Thema Kopfschmerzen und Migräne lesen Sie auch den Beitrag „Kopfschmerzen ade: Was hilft gegen Migräne?“.