Im Rahmen der Aphasie-Selbsthilfe treffen sich Menschen mit erworbenen Sprachstörungen, die sich austauschen und gegenseitig unterstützen. Ziel ist es, im Austausch mit anderen neue Perspektiven für sich zu entdecken und soziale Kontakte zu pflegen. GesundinEssen sprach mit Christiane Mais, Leiterin des Aphasiker-Zentrums NRW e.V. und 1. Vorsitzende des Landesverbands der Aphasiker NRW e.V., über ihre wertvolle Arbeit.

Was ist Aphasie? Woran leiden die Betroffenen?

Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die nach einer Schädigung der linken Gehirnhälfte auftreten kann. Ursachen sind häufig Schlaganfälle, aber auch Hirnblutungen, Hirntumore, entzündliche Prozesse oder Schädelhirnverletzungen. Je nach Ausmaß und Lokalisation der Schädigung können die Sprachmodalitäten Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben betroffen sein. Der Landesverband der Aphasiker NRW und das Aphasiker-Zentrum NRW e.V. setzen sich für die Betreuung und Begleitung von Betroffenen und ihren Angehörigen ein. Neben der medizinischen und sozialen Rehabilitation spielt die Wiedereingliederung in das Berufsleben eine zentrale Rolle.

Welche Ziele hat der Landesverband der Aphasiker?

Der Landesverband der Aphasiker umfasst 54 Selbsthilfegruppen in ganz Nordrhein-Westfalen. Wir möchten im Rahmen der Selbsthilfe in den Gruppen die Selbständigkeit und Eigenverantwortung der Betroffenen fördern und die Wiedereingliederung in Familie, Beruf und Gesellschaft erleichtern. Das ist gerade in der heutigen Zeit nicht ganz einfach, so dass uns das Aphasiker-Zentrum NRW, neben seinen anderen Aufgaben, wie Therapie, Studienbegleitung und Lehre, im Bereich der Selbsthilfe unterstützt.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Selbsthilfegruppen heute?

Immer weniger Menschen finden den Weg in die Selbsthilfe, suchen stattdessen häufig in Internetforen nach der Beantwortung ihrer Fragen. Eine Verarbeitung der Krankheitsgeschichte oder gar eine Begegnung mit Gleichgesinnten auf Augenhöhe kann hier jedoch nicht stattfinden. Hinzu kommt, dass es immer mehr Anlaufstellen für Betroffene gibt: Pflegestützpunkte und Pflegedienste. Doch findet der gemeinsame Austausch und die Begegnung mit anderen Betroffenen im Alltag keinen Raum.

Was tun Sie für den besseren Austausch unter den Betroffenen?

Unser gemeinsames Engagement für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen und unser großer Einsatz für ihre erfolgreiche berufliche Rehabilitation drückt sich in vielerlei Hinsicht aus: Wir organisieren regelmäßige Ausflüge für Betroffene und Angehörige im Rahmen unseres Programms „Aphasiker unterwegs“, veranstalten gemeinsame Seminare, in denen das Thema Krankheitsverarbeitung im Vordergrund steht, geben Hilfestellungen in sozialen und rechtlichen Angelegenheiten oder treffen uns am offenen Nachmittag mit Aphasikern und ihren Angehörigen. Unsere Montagsveranstaltung ist beispielsweise eine feste Instanz im Aphasikerzentrum in Essen geworden. Jeden 1. und 3. Montag im Monat treffen sich Aphasiker und Angehörige hier in einer gemütlichen Runde und tauschen ihre Erfahrungen aus. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Was möchten Sie Betroffenen mit auf den Weg geben?

Finden Sie gemeinsam mit Ihren Angehörigen den Mut, den Schritt in die Selbsthilfegruppen zu gehen!

Regelmäßige Veranstaltungen

Ort: Aphasiker-Zentrum NRW e. V. Essen
Zeit: jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat
Uhrzeit: 16:30 – 18:00 Uhr
Kosten: keine
Zielgruppe: Aphasiker und Angehörige

Kontakt
Telefon: +49 201 6099-422 oder 423
Telefax: +49 201 6099-424
E-Mail: aphasie@versanet.de