Seit Oktober verfügt das Katholische Klinikum Essen über ein neues Nierensteinzentrum – das erste seiner Art im Ruhrgebiet.

Angeboten wird 24 Stunden pro Tag an 365 Tagen im Jahr das gesamte Spektrum der Nierenstein-Therapie. Auch für Notfall-Patienten, die mit einer Nierenkolik kommen und innerhalb kürzester Zeit behandelt werden müssen, ist das Zentrum bestens gerüstet.

Ein krampfartiger Schmerz, der wellenförmig von der Flanke durch die Leistengegend zieht: Nierenkoliken sind Betroffenen zufolge noch deutlich heftiger als Geburtswehen. „Eine Nierenkolik verursacht mit die schlimmsten Schmerzen, die ein Mensch erleiden kann“, bestätigt Prof. Dr. Wammack, Leitender Arzt der Klinik für Urologie und Neurourologie am Katholischen Klinikum Essen.

Nierensteine sind Prof. Wammack zufolge bundesweit eine der häufigsten urologischen Erkrankungen. Insgesamt wurden am Katholischen Klinikum Essen im vergangenen Jahr 800 Nierenstein-Patienten stationär und 1.200 ambulant behandelt – Tendenz steigend. Eine Altersgrenze gibt es nicht. Jugendliche können genauso betroffen sein wie Senioren und Kinder. Einzig die Ursachen unterscheiden sich: liegen bei Kindern überwiegend Stoffwechselerkrankungen zugrunde, sind es bei älteren Menschen Bettlägerigkeit und Immobilität.

Wohlstandskrankheit mit fatalen Folgennierensteine-schaubild
„Seit Jahren beobachten wir am Katholischen Klinikum Essen eine stetige Zunahme der Patientenzahlen“, sagt der Professor. Gründe dafür sieht er zum einen in der hohen Expertise seiner Abteilung und zum anderen in immer weiter steigenden Krankenzahlen. Er spricht von einer Wohlstandskrankheit, die häufig auf Ernährung, zum Beispiel zu viel Fleisch oder salzhaltiges Essen und schlechte Trinkgewohnheiten zurückzuführen ist. „Viele müssen sich zwingen zu trinken und bewusst daran denken, weil sie keinen Durst empfinden“, erklärt der erfahrene Urologe. Bei mehr als 80 Prozent der Patienten seien Nierensteine darüber hinaus anlagebedingt. Zuweilen würden Stoffwechselerkrankungen, zum Beispiel eine Überfunktion der Nebenschilddrüse, zugrunde liegen.
Tückisch: Die meisten Erkrankten merken nicht, dass sie unter Nierensteinen leiden. „Die Krankheit verläuft in der Regel ohne Symptome, solange die Steine in der Niere bleiben“, erklärt der Mediziner. Das kann fatale Folgen haben: Wenn Nierensteine in den Harnleiter wandern, sei bereits nach Stunden die Funktionsfähigkeit der Niere eingeschränkt. „Spätestens nach Tagen kann der Funktionsverslust eintreten“, so Wammack, der von einer Kolik spricht, wenn Nierensteine in den Harnleiter wandern.

Röntgen mit geringster Strahlenbelastung
Damit es nicht soweit kommt, bieten Prof. Wammack und sein Team am Katholischen Klinikum Essen „ausnahmslos alle Verfahren an, um Nierensteine zu behandeln“ – sowohl akut als Notfall als auch für Patienten, die chronisch darunter leiden und planmäßig eine Operation durchführen lassen. „Die Behandlungsabläufe am neuen Nierensteinzentrum sind so strukturiert, dass Patienten schnell behandelt werden und – im besten Fall – das Krankenhaus ebenso schnell wieder verlassen können“, sagt der Leitende Arzt. Operationen finden dank modernster Verfahren ohne Einschnitte in die Haut statt, sodass die meisten Patienten bereits ein bis zwei Tage nach dem Eingriff beruflich wieder einsatzfähig sind.
Je kleiner die Steine, desto leichter sei die Therapie. Ein Schema x gebe es allerdings nicht. Für jeden müsse individuell abgestimmt werden, was der erfolgversprechendste Weg ist. In der Regel erfahren Patienten durch eine Routineuntersuchung per Ultraschall beim Hausarzt, dass sie möglicherweise unter Nierensteinen leiden. Im Nierensteinzentrum wird dieser erste Verdacht mithilfe eines hochmodernen, digitalen Röntgengerätes, das speziell für die Steintherapie entwickelt wurde, überprüft. „Das Gerät produziert so wenig Strahlung, dass auch Kinder damit diagnostiziert werden dürfen“, betont Prof. Wammack. Das sei, besonders nach den kürzlich überarbeiteten und gesetzlich begrenzten Referenzwerten für Röntgenanwendungen, nicht in allen Krankenhäusern der Fall. Viele, vor allem ältere Geräte, dürften seither nicht mehr benutzt werden.

Nach zwei Tagen wieder am Arbeitsplatz
Neben dieser hochmodernen Anlage zur Diagnostik verfügt das Nierensteinzentrum über drei verschiedene Laser, mit denen kleine bis große Steine zertrümmert und anschließend ausgespült werden. Für Eilige empfiehlt Prof. Wammack eine Harnleiter-Nierenspiegelung, die minimalinvasiv, aber unter Narkose durchgeführt wird. Steine könne auf diese Weise problemlos in der Niere zertrümmert werden. Patienten sitzen im Idealfall zwei Tage später wieder am Arbeitsplatz.
Spielt Zeit keine Rolle, sei eine äußere Stoßwellentherapie sinnvoll, so Prof. Wammack. Innerhalb von mehreren Sitzungen werden die Steine über die Haut von außen mit Schallwellen zerstoßen. Dafür sind zwar mehrere Tage notwendig, der Patient kann allerdings auf eine Narkose verzichten.

In einem dritten Verfahren, das dem Mediziner zufolge nicht so häufig wie die Harnleiter-Nierenspiegelung zur Anwendung kommen muss, werde die Steinmasse per Schlüsselloch-Chirurgie operativ zertrümmert und dann abgesaugt. Das ist notwendig, wenn die Steinmenge bereits so groß ist, dass sie sich nicht mehr über den Harnleiter ausspülen lassen würde. Offene Operationen zur Entfernung von Harnleiter- oder Nierensteinen sind durch den Einsatz der genannten minimal-invasiven Verfahren an spezialisierten Zentren eine absolute Seltenheit geworden.
Patienten mit Nierensteinen rät Prof. Wammack, eine Therapie nicht allzu lange vor sich herzuschieben. Zwar müsste der Betroffene nach einem verdächtigen Ultraschall beim Hausarzt nicht zwingend sofort in ein Krankenhaus – aber doch zeitnah.

„Jeder Nierenstein sollte behandelt werden“, sagt Prof. Wammack und begründet: „Irgendwann begibt er sich auf Wanderschaft, und meist in einem sehr ungünstigen Moment wie zum Beispiel im Urlaub.“

Wer einmal unter Nierensteinen gelitten hat, sollte in regelmäßigen Intervallen von drei bis vier Monaten einen Ultraschall seiner Niere machen lassen. Nierensteine hätten die unangenehme Eigenschaft, treu immer wieder aufzutreten, wenn sie sich einmal wohl gefühlt haben.

Lesen Sie zum Thema auch das Interview mit Prof. Wammack


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