Neue Prothese oder notwendige Wechsel-Operation: Prof. Dr. Werner Siebert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie, erklärt, worauf Sie bei der Klinik-Wahl unbedingt achten sollten.

Prof. Dr. Werner Siebert

Prof. Dr. Werner Siebert

Wie viele künstliche Gelenke werden im Jahr in Deutschland eingesetzt, wie viele davon sind Wechseloperationen?

Prof. Dr. Werner Siebert: Wir zählen rund 250 000 primäre Hüftprothesen und 180 000 primäre Knieprothesen. Mit anderen Prothesen wie Schultergelenken kommen wir insgesamt auf 440 000 Gelenke, die pro Jahr in Deutschland eingesetzt werden. Etwa 45 000, also gut jede zehnte Prothese, muss im Verlauf gewechselt werden.

 

Was sind die Gründe dafür?

Prof. Dr. Werner Siebert: Übliche Gründe für Wechseloperationen sind Materiallockerungen durch Abnutzung und Verschleiß, die nach 12 bis 15 Jahren auftreten können. Wir haben aber auch eine erhebliche Zahl an Patienten, die im ersten Jahr nach dem Einsatz bereits eine neue Prothese brauchen. Das hat andere Ursachen. Bei älteren Menschen führt oft ein Sturz zu einer sogenannten periprothetischen Fraktur, meist an der Hüfte. Dieser Bruch des Knochens, in dem die Prothese verankert ist, macht einen Wechsel erforderlich. Häufiger sind es aber Infektionen oder Qualitätsdefizite. Infektionen können auftreten. Zu Qualitätsdefiziten kommt es aber vermehrt dann, wenn die Operation von jemandem durchgeführt wurde, der das nicht oft macht. Ein Eisenteil kaufen und einsetzen, darf heute noch jeder Arzt. Entscheidend ist, dass das Gelenk gut funktioniert.

 

Warum kann das nicht jeder Orthopäde?

Prof. Dr. Werner Siebert: Für den Einsatz von Prothesen allgemein und erst recht für Wechsel-Operationen sind Erfahrung, Qualität und regelmäßige Schulungen wichtig. Dafür braucht man die richtige Umgebung, ein umfassendes Materiallager mit Ersatzteilen und eine Klinik, an die für die postoperative Zeit auch eine Intensivstation angeschlossen ist. Vor allem muss das fachliche Können des Operateurs und des OP-Teams gut sein, damit der Patient innerhalb von sechs bis acht Wochen nach der Operation eine Situation hat, mit der er gut leben kann. Voraussetzung für hohe Qualität ist, dass der Patient die Klinik nach einem Eingriff zufrieden verlässt. Sie gehen schließlich auch nicht in eine Bäckerei, um ihr Auto reparieren zu lassen.

 

Wie wichtig ist dabei das von der DGOU mit initiierte Zertifikat Endocert?

Prof. Dr. Werner Siebert: Endocert zertifizierte Kliniken wie das Katholische Klinikum Essen sind auf dem aktuellen Stand der Dinge. Orthopäden zertifizierter Kliniken müssen jedes Jahr Masterkurse besuchen, mit denen sie sich fortbilden. Mit dem Zertifikat garantiert die Klinik darüber hinaus eine hohe Qualität, Kontrolle von innen, Kontrolle von außen sowie eine Mindestmenge an Operationen pro Jahr. 50 sind dabei noch viel zu wenig. Nicht jeder, der ein Messer halten kann, kann auch eine Prothese einsetzen oder wechseln. Ich bin mir sicher, dass in Zukunft nur noch zertifizierte Zentren die Genehmigung dafür erhalten. Das wird staatlich reglementiert werden.

 

Kontakt

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie
Prof. Dr. Werner Siebert
Präsident
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Mail: office@dgou.de