Eine kleine Schwellung, ein leichtes Ziehen in der unteren Bauchregion: Leistenbrüche kommen anfangs mit scheinbar harmlosen Symptomen daher. Warum Patienten trotzdem meist nicht um eine Operation herumkommen und wie gefährlich das Leiden werden kann, erklärt Privatdozent Dr. Olaf Guckelberger, Leitender Arzt der Chirurgischen Klinik I – Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, am Katholischen Klinikum Essen.

„Unser Körperbau ist besser für Vierfüßler als für Zweifüßler geeignet“, meint der Mediziner halb scherzhaft, halb ernst. Im aufrechten Gang drücke Gewicht aus der Bauchhöhle permanent auf den Leistenkanal. Die natürliche Schwachstelle weitet sich. Im schlimmsten, aber seltenen Fall klemmt sich in der entstandenen Lücke der Darm ein, stirbt ab und führt zu einer tödlichen Bauchfellentzündung.

Leistenbrüche gehören deutschlandweit zu den häufigsten Operationen, auch am Katholischen Klinikum Essen. Dr. Guckelberger und sein Ärzte-Team haben 2015 rund 200 Patienten mit Leistenbruch operiert. Pro Jahr erleiden in Deutschland 170.000 Menschen einen Leistenbruch, die meisten von ihnen sind Männer. Im frühen Stadium äußert sich das Leiden durch ziehende Schmerzen in der Leistenregion und eine Vorwölbung. Bedrohlich werde ein Leistenbruch, wenn permanente Schmerzen auftreten, die Vorwölbung sich nicht in den Bauch zurückdrücken lässt oder gar die Haut sich verfärbt.

Männer häufiger betroffen als Frauen

Weil im Säuglingsalter der Hoden durch den Leistenkanal wandert, sind Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen. Die anschließende Verklebung erfolgt bei manchen nicht vollständig. Auch Übergewicht trage dazu bei, sagt Dr. Guckelberger, beschwichtigt aber: „Nicht jeder Übergewichtige neigt zu einem Leistenbruch und auch Schlanke können davon betroffen sein“. Zum Beispiel Patienten mit chronischem Husten oder Verstopfungen: durch Druck auf die Leistengegend wird der Ausbruch der Krankheit begünstigt.

Obwohl ihm moderne Apparate wie Ultraschall und Computertomografie zur Verfügung stehen, greift Dr. Guckelberger nur selten darauf zurück. „Die Diagnose Leistenbruch kann man fast immer mit Auge und Hand stellen“, sagt der an der renommierten Charité ausgebildete Arzt.

Bei harmlosen Leistenbrüchen wird eine Operation gemeinsam mit dem Patienten geplant. Bei eingeklemmten Eingeweiden oder Fettschürzen muss sofort gehandelt werden. „Ein eingeklemmter Darm geht schnell kaputt und verteilt Bakterien im Bauch, was zu einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung führen kann“, so der Chirurg.

Harmloser Routine-Eingriff

Die OP an sich beschreibt er als „harmlosen Routine-Eingriff mit einem Komplikations-Risiko unter einem Prozent“. Hauptsächlich minimalinvasiv unter Vollnarkose, auf speziellen Patientenwunsch aber auch traditionell mit örtlicher Betäubung, wird ein weiches, großporiges Kunststoffnetz im Bereich der Bruchpforte platziert. „Anfangs wurden die Netze noch mit dicken Fäden festgenäht“, erzählt Dr. Guckelberger. „Seit zehn Jahren werden sie meist nur noch eingelegt oder mit auflösbarem Kleber befestigt.“ Halt bekommen die Netze dank ihrer großen Poren, die vom Bindegewebe des Körpers schnell umwachsen werden.

Auch wenn er die Krankheit als grundsätzlich harmlos einstuft, rät Dr. Guckelberger, eine Operation auch bei nur geringen Beschwerden nicht auf die lange Bank zu schieben. „Ein Leistenbruch wird von allein nicht wieder kleiner, sondern eher größer“, sagt er zur Begründung und meint: „Dann doch lieber geplant als eine Notoperation im Urlaub.“

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Katholisches Klinikum Essen
Chirurgische Klinik I – Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie
Priv.-Doz. Dr. med. Olaf Guckelberger
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