Historische Persönlichkeiten wie Napoleon oder Hemingway sind zu ihren Lebzeiten mit zum Teil fragwürdigen Mitteln therapiert worden. Fünf Mediziner erläutern, wie sie es heute besser machen würden.

Friedrich Nietzsche (links)(1844 – 1900)
Erst Migräne, dann nervlicher Zusammenbruch: Den berühmten Dichter Friedrich Nietzsche soll eine sogenannte progressive Paralyse, eine fortschreitende Lähmung, zum Wahnsinn getrieben haben. Nach mehreren Schlaganfällen war der Philologe teilweise gelähmt und konnte weder stehen noch sprechen. Die Ursache ist bis heute ungeklärt – vermutet wird eine Syphilis-Erkrankung, aus der die Lähmung entstand. Schließlich starb er an den Folgen einer Lungenentzündung und eines weiteren Schlaganfalls.

Das rät der Mediziner heute:
„Nietzsche wurde nie obduziert, weshalb über seine Erkrankung nur Mutmaßungen angestellt werden können“, sagt Dr. Horst Gerhard (rechts), Neurologe am Medizinischen Versorgungszentrum Essen-Nord-West. „Am wahrscheinlichsten ist eine Neurolues“, vermutet der Facharzt für Neurologie. Hierbei handelt es sich um keine eigenständige Erkrankung, sondern um das Spätstadium einer unbehandelten Syphiliserkrankung. „Einige Patienten entwickeln eine progressive Paralyse. Diese ist gekennzeichnet von Wahnvorstellungen, Persönlichkeitsstörungen und Demenz. Das Gehirn verkümmert“, erklärt Dr. Gerhard. Die sexuell übertragbare Infektionskrankheit, die sich zu Beginn durch schmerzlose Geschwüre an den Geschlechtsorganen bemerkbar macht, wird heute mit hochdosiertem Penicillin therapiert. „Das führt in der Regel zur vollständigen Heilung.“