Dr. Peter Feldmann, Leitender Arzt der Chirurgischen Klinik II – Orthopädie und Unfallchirurgie, Hand- und Fußchirurgie am Katholischen Klinikum Essen, erklärt häufige Verletzungen bei Fussballern  und warum Marco Reus bei der Europameisterschaft nicht einsatzbereit ist.

Ilkay Gündogan, Marco Reus und jetzt auch noch Antonio Rüdiger: Fußball-Nationaltrainer Jogi Löw ist kurz vor der Europameisterschaft in Frankreich vom Verletzungspech seiner Spieler geplagt. Während sich unter Knieproblemen (Gündogan und Rüdiger) jeder etwas vorstellen kann, haben bei dem Begriff Adduktorenverletzung viele ein großes Fragezeichen auf der Stirn. Dr. Peter Feldmann, Leitender Arzt der Chirurgischen Klinik II – Orthopädie und Unfallchirurgie, Hand- und Fußchirurgie am Katholischen Klinikum Essen, erklärt, was die Verletzung von Nationalspieler Marco Reus so tückisch macht.

Die Nachricht kommt ausgerechnet zu seinem 27. Geburtstag: Marco Reus darf wegen einer Adduktorenverletzung aus dem DFB-Pokal mit Borussia Dortmund nicht zur Fußball-Europameisterschaft nach Frankreich. Gemeinsam mit Ärzten hat der Profi-Fußballer alles versucht, um rechtzeitig zur EM wieder fit zu werden – vergeblich. „Leider ist es uns in dieser Zeit nicht gelungen, den gewünschten zügigen Heilungsprozess einzuleiten und damit für einen baldigen Einsatz in Frankreich bereit zu sein“, teilte Reus seinen Fans eine Woche vor der EM im sozialen Netzwerk Facebook mit.

Adduktorenverletzungen können akut oder chronisch sein
„Adduktoren sind Muskeln zum Heranziehen eines Körpergliedes“, erklärt Sportarzt Dr. Feldmann die menschliche Anatomie. Sind Adduktoren verletzt, hat der Spieler starke Schmerzen und kann mit dem betroffenen Bein keine Rotationsbewegungen mehr durchführen. „Geradeaus gehen ist noch möglich, starkes Auftreten oder auf das Tor schießen nicht mehr“, so der Hobby-Fußballer.

Dr. Peter Feldmann, Leitender Arzt der Chirurgischen Klinik II am Katholischen Klinikum Essen

Dr. Peter Feldmann, Leitender Arzt der Chirurgischen Klinik II

Dr. Feldmann unterscheidet zwischen akuten und chronischen Adduktorenverletzungen. Eine akute Verletzung entstehe durch einen Einriss oder eine starke Überdehnung im Adduktorenbereich – beispielsweise bei einem Pressschlag im Zweikampf um den Ball oder bei einer Ballannahme aus der Luft, bei der der Ball mit einer Rotationsbewegung aufgenommen wird. Werden die Adduktoren dauerhaft überbelastet, können sogenannte Mikrotraumen, kleine Einrisse in den Muskeln, entstehen. Mögliche Folge sind chronische Entzündungen.

„Die Ursachen einer Adduktorenverletzung sind ganz unterschiedlich“, berichtet der erfahrene Chirurg. Bei Fußballern sei es häufig der Fall, dass sie sich entweder nicht gut aufgewärmt haben oder nach einer langen Saison körperlich am Limit sind. „Statistisch gesehen entstehen Adduktorenverletzungen am häufigsten in der letzten Viertelstunde einer Begegnung“, so der Mediziner.

Nach genauer Diagnose per MRT ordnet Dr. Feldmann in der Regel Kühlen und eine strikte Schonung der betroffenen Muskeln an. Dazu verabreicht er entzündungshemmende Medikamente und verschreibt Physiotherapie. Raus aus dem Behandlungsraum und rauf auf den Fußball-Platz ist allerdings nicht zu empfehlen. „Adduktoren-Verletzungen können extrem hartnäckig sein“, sagt der Experte. „Der Heilungsprozess kann bei einer akuten Verletzung zwischen sechs und acht Woche dauern, bei einer chronischen Verletzung durchaus mehrere Monate.“ Das sei schwer zu kalkulieren und hänge immer von Einzelfall ab.

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