Trotz Lungenkrebs mit Metastasen im Kopf und in der Leber denkt Lāszāk Zaremba noch lange nicht ans Sterben. Der Essener lässt sich von seiner Krankheit nicht unterkriegen – und macht sich damit selbst für den Leitenden Arzt des Onkologischen Zentrums am Katholischen Klinikum Essen, Dr. Winfried Berger, zum Vorbild. Der hat eine gute Nachricht für viele Krebskranke.

„In einer Stunde müssen wir fertig sein, dann läuft Fußball“, witzelt Lāszāk Zaremba zur Begrüßung. Der Mann mit polnischen Wurzeln liebt es, seine Mitmenschen zum Lachen zu bringen. Energie und Lebensfreude lässt Zaremba sich auch von einer niederschmetternden Diagnose nicht nehmen. Der 56-Jährige leidet an Lungenkrebs mit Metastasen im Kopf und in der Leber. Die Nachricht erhielt er im Frühling, ausgerechnet am Geburtstag seiner Frau.

Pro Jahr erkranken 500.000 Menschen
Laut Krebsinformationsdienst erkranken in Deutschland pro Jahr rund 500.000 Menschen neu an Krebs. Zwar seien die Überlebenschancen und die Lebensqualität deutlich besser als noch vor zehn Jahren, dennoch ist die Krankheit nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. 2014 starben bundesweit rund 225.000 Menschen daran. Ein Allheilmittel existiert auch nach Jahrzehnten der Forschung nicht. Die Gründe dafür sieht Dr. Berger in der Komplexität der Onkologie. „Wer sich vor Augen führt, was in Bezug auf Entstehung und Variationen der Krebserkrankungen für ein Kosmos vor einem liegt“, so der Arzt, „der versteht auch, warum es nicht eine Lösung geben kann, die Krankheit zu heilen.“ Störungen könnten auf allen denkbaren und undenkbaren Ebenen auftreten. Begünstigt werde Krebs vor allem durch schädigende Umwelteinflüsse, genetische Veranlagung und die Tatsache, dass Menschen zunehmend älter werden.

Heilung vielfach möglich
Trotzdem sei eine Heilung vielfach möglich, so die gute Nachricht des Leitenden Arztes. Je früher der Tumor erkannt werde, desto größer seien die Chancen auf eine vollständige Genesung. „Im frühen Stadium kann man den Krebs oft mit einer Operation besiegen“, sagt Dr. Berger. Im fortgeschrittenen Stadium werde mit Medikamenten oder Chemotherapie der gesamte Körper behandelt. „Ich hätte nie gedacht, dass ich Lungenkrebs habe. Ich fühle mich nicht so“, meint Zaremba. Seit seinem 50. Lebensjahr unterzog sich der Kraftwerker berufsbedingt regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Sechsmal waren die Leberwerte erhöht. „Ich dachte, ich hätte zu viel Bier getrunken und habe mir nichts weiter dabei gedacht“, sagt der Mann, der bis zur Diagnose in der Essener Müllverbrennungsanlage gearbeitet hat. Im Frühling stellte sein Hausarzt im Ultraschall schließlich mehrere Lebermetastasen fest und überwies ihn ins Krankenhaus. Am Onkologischen Zentrum des Katholischen Klinikums Essen beraten Ärzte verschiedenster Fachrichtungen in wöchentlich stattfindenden Tumorkonferenzen darüber, was für jeden einzelnen Patienten die beste Therapie-Form ist. In einer bis eineinhalb Stunden wird von Ärzten unterschiedlicher Fachbereiche, zum Beispiel der Gastroenterologie, der Onkologie, der Radiologie und der Chirurgie, über jeden Patienten mit einer neuen Krebsdiagnose oder einer einschlägigen Veränderung des Krankheitsbildes debattiert und gemeinsam nach einer Lösung gesucht.

Zweitmeinung inklusive
„Am Ende steht ein Beschluss der Tumorkonferenz, dem wir uns verpflichtet fühlen und den wir dem Patienten als Empfehlung ans Herz legen“, sagt PD Dr. Olaf Guckelberger, Leitender Arzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Katholischen Klinikum Essen und Teilnehmer der Konferenz. Vorteil für den Betroffenen: Seine Krankheit wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, Zweitmeinung inklusive. „Das Onkologische Zentrum ist äußerst leistungsstark“, betont Dr. Berger und verweist auf Kooperationen, zum Beispiel mit dem Uniklinikum Essen oder dem Strahlentherapiezentrum in Gelsenkirchen. „Dadurch und durch die Zusammenarbeit mehrerer Abteilungen steht dem Patienten die gesamte Fülle an Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.“ Wo Dr. Berger und seine Kollegen dennoch an Grenzen stoßen, würden sie offen damit umgehen und Betroffene an entsprechend spezialisierte Kliniken weiterempfehlen.

Dr. Berger im Gespräch mit einer Patientin

Dr. Berger im Gespräch mit einer Patientin

Den Tumor in Schach halten
Lāszāk Zaremba empfahl das Ärzteteam am Onkologischen Zentrum eine Bestrahlung des Kopfes und eine Chemotherapie für die im Körper verteilten Krebszellen, um den Tumor so lange wie möglich in Schach zu halten. Laut Dr. Berger geht es darum, Leben zu verlängern und dabei eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten. „Seine Erkrankung ist palliativ“, kategorisiert der Mediziner, der den Krebs aber mit neusten Therapieverfahren so lange wie möglich zurückhalten möchte. Die Therapie schlug laut Dr. Berger erstaunlich gut an. Der Tumor im Kopf ist fürs Erste beseitigt. Die schädlichen Zellen in der Lunge und der Leber sind eingedämmt. „Sobald der Tumor wiederkommt, müssen wir ihn erneut behandeln“, sagt der Leitende Onkologe, der sich aber optimistisch zeigt, dass Lāszāk Zaremba noch einige glückliche Jahre mit seiner Krankheit leben wird. Dreimal Chemotherapie hat der 56-Jährige hinter sich, die vierte folgt. „Wahrscheinlich können wir danach eine mehrwöchige Pause einlegen“, freut sich Dr. Berger über die schnelle und positive Wirkung. Normal wären bis zu sechs Mal Chemotherapie mit einem Abstand von je drei Wochen.

Nach der Chemo: 70 Kilometer mit dem Rad
Schon nach der zweiten Chemotherapie ist Lāszāk Zaremba wieder 70 Kilometer mit dem Rad gefahren. Dass jemand so positiv mit seiner Krankheit umgeht, beeindruckt auch den Mediziner. „Von Patienten wie Herrn Zaremba kann ich viel lernen – zum Beispiel, wie man mit Rückschlägen gut umgeht“, sagt Dr. Berger, der sich auf Augenhöhe mit den Patienten sieht und besonderen Wert auf eine individuelle Behandlung legt. „So einzigartig wie der Mensch ist auch seine medizinische Situation. Dem versuchen wir gerecht zu werden und für jeden die geeignete Therapie zu finden.“ Neben einer individuell optimalen Behandlung liegt Dr. Berger das Wohlbefinden seiner Patienten am Herzen. Die Basis sei das Zwischenmenschliche. Deshalb nimmt er sich viel Zeit für die Gespräche mit den Patienten und ihren Angehörigen. Er organisiert klassische Konzerte, die vom Obergeschoss der Klinik auf die einzelnen Fernseher der Patienten übertragen werden, zeigt stolz den modernen XXL-Fernseher im Wohnzimmer der Station und verweist auf die angenehme Atmosphäre unter Ärzten und Pflegern.

Lebenstraum: Mit dem Schiff von Hamburg nach New York
Zaremba weiß das zu schätzen – und denkt noch lange nicht ans Sterben. Er und seine Frau hätten gerade angefangen, ihr Leben zu genießen. „Unser Haus ist abbezahlt, ich habe einen festen Job mit Option auf Altersteilzeit, wir unternehmen Kreuzfahrten und ich habe mir vor kurzem mein Traumauto gekauft“, berichtet der Mann, dessen Leidenschaft Sport, Reisen und schnelle Autos sind. Eine Woche lang sei das Ehepaar nach der Diagnose am Boden zerstört gewesen. Jetzt versuchten sie nach vorn zu blicken. Statt vom Ende spricht Zaremba von langen Mountainbike-Touren, Kreuzfahrtreisen und umgestellter Ernährung: Honig statt Industrie-Zucker, vorerst kein Bier und Bio-Obst statt jeden Tag Fleisch. Er hofft, die Krankheit soweit in den Griff zu bekommen, dass er bald wieder reisen kann. Sein großer Wunsch ist es, noch einmal mit dem Schiff von Hamburg nach New York zu fahren.

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Katholisches Klinikum Essen
Onkologisches Zentrum
Medizinische Klinik III – Hämatologie und Internistische Onkologie
Dr. Winfried Berger
Leitender Arzt
Marienhospital Altenessen
Hospitalstraße 24
45329 Essen
Fon: 0201 6400 4742
Mail: w.berger@kk-essen.de