Schlaganfallpatienten sind als Notfälle zu betrachten, betont Prof. Gereon R. Fink. Im Interview spricht der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Direktor für Kognitive Neurowissenschaften am Institut für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich über Aufgaben der DGN, Stroke Units und Überlebensraten nach einem Schlaganfall.

Welche sind die wesentlichen Aufgaben der DGN?
Prof. Dr. Gereon R. Fink: Die Neurologie ist eine Schlüsseldisziplin und das am schnellsten wachsende klinische Fach in der Medizin. Die DGN kümmert sich als wissenschaftlichmedizinische Fachgesellschaft darum, dass aktuelle wissenschaftliche Fortschritte schnell und kompetent beim Patienten ankommen. Mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen nimmt auch die Anzahl der Patienten mit Krankheiten des Nervensystems zu, etwa mit Schlaganfällen, Demenzen oder Parkinson-Syndromen. Darum besteht eine weitere wichtige Aufgabe der DGN darin, den neurologischen Nachwuchs zu fördern, damit die Versorgung der Patienten auch in Zukunft gewährleistet ist.

Warum empfiehlt die DGN bei einem akuten Schlaganfall ein Krankenhaus mit Stroke Unit?
Prof. Dr. Gereon R. Fink: Zeit ist Hirn, im wahrsten Sinne des Wortes! Bei der Behandlung des akuten Schlaganfalls zählt jede Minute. Schlaganfallpatienten sind deswegen immer als medizinischer Notfall zu betrachten – auch wenn die Symptome nur leicht ausgeprägt sind. Die mehr als 250 zertifizierten spezialisierten Schlaganfall-Einheiten („Stroke Units“) besitzen fast flächendeckend für Deutschland die technischen und personellen Voraussetzungen, um Schlaganfallpatienten bestmöglich zu versorgen.

Wie hoch sind die Überlebensraten ?
Prof. Dr. Gereon R. Fink: Der Krankheitsverlauf und die Chancen auf eine Heilung hängen beim Schlaganfall vom Ort und der Größe der dauerhaften Hirnschädigungen ab – und davon, wie schnell ärztlich eingegriffen werden kann. Die Überlebensraten  haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. In den 80er-Jahren starben noch zwischen 40 und 50 Prozent der Patienten, inzwischen sind es nur noch 10 bis 15 Prozent. Außerdem konnte das Ausmaß bleibender Behinderungen deutlich reduziert werden. Auf diese Fortschritte der vergangenen 20 Jahre ist die Neurologie sehr stolz!

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