Zu Lebzeiten verkannt, posthum verehrt: Vincent van Gogh war ein begnadeter Künstler, dessen Werke heute Millionenbeträge einbringen – und er war schwer krank. Prof. Dr. Cornelius Wurthmann, Leitender Arzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin am Katholischen Klinikum Essen, ahnt, was den Maler umtrieb.

„Vincent van Gogh ist früh psychisch krank gewesen, was sich in anfallsartigen Zuständen äußerte“, sagt Prof. Wurthmann. Er geht davon aus, dass der Maler unter einer manisch-depressiven Erkrankung litt – eine These, die auch Medizinhistoriker favorisieren. „Er muss aber auch gesunde Phasen gehabt haben“, meint der Facharzt für Nervenheilkunde, Psychiatrie und Psychotherapie, „sonst wäre sein konzentriertes Schaffen nicht denkbar gewesen“. Mit heutigen Mitteln könnte man ihm wahrscheinlich helfen.

Manie und Depression
Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung leiden in ihrem Leben irgendwann einmal an einer manisch-depressiven Erkrankung. Die phasenweise auftretende Krankheit geht mit Stimmungsschwankungen einher. Im Gegensatz zu einer Depression, bei der Patienten interessen- und freudlos sind, ein vermindertes Selbstwertgefühl vorweisen und sich zurückziehen, ist bei einer Manie das Gegenteil der Fall: Typische Symptome sind eine gehobene bis gereizte Stimmung, Umtriebigkeit, ausgeprägter Tatendrang, ein gehobenes Selbstwertgefühl und Enthemmtheit. Unbehandelt können beide Krankheiten fatale Folgen haben. Depressionen enden im schlimmsten Fall in einem Suizid. Auch die Manie kann ein Leben ruinieren, wenn der Betroffene beispielsweise große Mengen an Geld verschenkt oder ausgibt.

Manische und depressive Patienten werden am Katholischen Klinikum Essen zunächst über ihre Krankheit aufgeklärt, damit sie selbst ihre Symptome erkennen. Sie erhalten einen Notfallplan mit Anweisungen, was in akuten Phasen zu tun ist „und sie sollten ein möglichst geregeltes Leben führen“, sagt Prof. Wurthmann. Stress und unstrukturierte Abläufe könnten die Symptome verstärken. Hauptbestandteil der Therapie ist zudem eine Behandlung mit Medikamenten. „Das war zu van Goghs Zeiten noch undenkbar“, begründet Prof. Wurthmann, warum dem Künstler damals nicht geholfen werden konnte. Außerdem gab es früher noch keine Psychotherapie. Die kommt heute zur Anwendung, wenn die Akutphase abgeklungen ist.

Pro Jahr behandelt das Katholische Klinikum Essen rund 2000 psychisch Kranke. Dafür stehen ein stationärer Bereich mit 125 Betten auf sechs Stationen, eine Tagesklinik mit 25 Behandlungsplätzen und ein ambulanter Bereich zur Verfügung.

Auch nach erfolgter Therapie werden die Patienten nicht allein gelassen. „Was uns von anderen unterscheidet, für die Nachbetreuung aber große Bedeutung hat“, so Prof. Wurthmann, „ist unser Sozialpsychiatrisches Zentrum (SPZ)“. Die von Sozialpädagogen geleitete Einrichtung dient als Kontakt- und Beratungsstelle sowie als Tagesstätte. Ferner gehört ein Bereich Betreutes Wohnen dazu.

Hohes Rückfall-Risiko
„Beide Krankheiten“, so die positive Nachricht des Professors, „bilden sich meist durch Therapie zurück“. Allerdings bestehe ein hohes Risiko, dass es erneut zu manischen oder depressiven Phasen kommt. Die Wahrscheinlichkeit für deren Auftreten kann jedoch durch Medikamente und andere Behandlungsmaßnahmen herabgesetzt werden. Dass Patienten mit manisch-depressiven Erkrankungen dauerhaft ohne Medikamente auskommen sei unwahrscheinlich, weiß Professor Wurthmann. Ein Erfolg sei auch schon, „wenn die Phasen seltener auftreten, weniger schwer und kürzer sind.“

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Katholisches Klinikum Essen
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Prof. Dr. med. Cornelius Wurthmann
Leitender Arzt

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