„Den Arbeitsalltag zu bewältigen, war sehr schwierig für mich, ich war schnell müde und erschöpft, auch kleinere Aufgaben haben mich schnell gestresst“, erklärt Jennifer Stadler, 33 Jahre. Erschöpfung, Müdigkeit und Stress sind Zustände, die jeder kennt und immer wieder durchlebt. Überwindet man diese Zustände, besteht kein Grund zur Sorge. Ist die Lebensqualität dauerhaft negativ beeinflusst, können daraus Depressionen werden – ein Schicksal, das neben Jennifer Stadler vier Millionen weitere Deutsche erleiden.
Nach Angaben der Psychotherapeutenkammer NRW liegt das Risiko, unabhängig von Alter und Geschlecht, einmal im Leben an einer Depression
zu erkranken, bei 16 bis 20 Prozent. Eine der Ursachen von Depressionen liegt im Gehirn. „Dabei handelt es sich um Störungen im Stoffwechsel von sogenannten Botenstoffen, wie zum Beispiel Serotonin und Noradrenalin“, erklärt Prof. Cornelius Wurthmann, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin am Philippusstift des Katholischen Klinikums Essen. Die
Botenstoffe dienen der Kommunikation zwischen den Nervenzellen. Auch Stress und körperliche Krankheiten können Depressionen auslösen.

Verschiedenste Lebensumstände als Auslöser

Die seelischen Beschwerden können auch konkrete körperliche Folgen wie Schmerzen, Herzbeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden, Schlaf-, Ernährungs- oder Sexualprobleme nach sich ziehen

Eine Depression kann von den verschiedensten Lebensumständen hervorgerufen werden. Dies ist laut Prof. Wurthmann die wichtigste Ursache von Depressionen. So ergaben Studien, dass viele Erkrankte vor dem Ausbruch mit belastenden Ereignissen konfrontiert waren. „Ich habe meinen Arbeitsplatz verloren und gleichzeitig sind meine Eltern weggezogen“, erinnert sich Jennifer Stadler. „Auch in meinem Freundeskreis gab es gravierende Veränderungen, weil ein Pärchen sich nach fünf Jahren getrennt hatte.“ Auch Todesfälle, Verlustsituationen oder andauernde Kränkungen können ein Auslöser sein. „All diese Faktoren werden zu Auslösern, weil die Lebensgeschichte davor den Weg zur späteren Depression gebahnt hat“, erklärt Prof. Wurthmann. Dies muss in einer Therapie aufgearbeitet werden.

Weitreichende Folgen

Bei einer Depression können die Betroffenen von den verschiedensten Symptomen geplagt werden. Diese reichen von seelischen bis hin zu körperlichen Beschwerden. Neben Symptomen von Traurigkeit, Antriebslosigkeit und Verzweiflung gibt es auch Patienten, die unter Gefühllosigkeit und innerer Leere leiden. „Diese seelischen Beschwerden können auch konkrete körperliche Folgen wie Schmerzen, Herzbeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden, Schlaf-, Ernährungs- oder Sexualprobleme nach sich ziehen“, beschreibt Prof. Wurthmann.

Individuell passende Therapie

Am Katholischen Klinikum Essen ruht die Therapie der Depression auf mehreren Säulen. Zum einen erhält jeder Patient eine psychotherapeutische Behandlung durch einen Psychiater oder Psychologen. Zum zweiten werden für jeden Patienten je nach den Erfordernissen im Einzelfall weitere therapeutische Maßnahmen angewandt.Dazu kann zum Beispiel das Achtsamkeitstraining
gehören, mit dem große Erfolge erzielt werden können. „Das Achtsamkeitstraining im Achtsamkeitsraum der Klinik hat mir sehr geholfen,
bei mir zu bleiben“, so Jennifer Stadler.

Ergotherapie, Biofeedback, Gestalttherapie, progressive Muskelrelaxation und Bewegungstherapie gehören zum Therapiespektrum.

„Inzwischen sind die Achtsamkeitsübungen so eintrainiert, dass ich sie im Problemfall abrufen und anwenden kann.“ Auch Ergotherapie, Biofeedback, Gestalttherapie, progressive Muskelrelaxation und Bewegungstherapie gehören zum Therapiespektrum. Dies wiederum macht deutlich, dass nicht nur Ärzte und Psychologen, sondern auch andere Berufsgruppen an den Therapien beteiligt sind. „Durch regelmäßige Teamsitzungen ist eine fortlaufende gegenseitige Abstimmung gewährleistet“, sagt Prof. Wurthmann. „Bei einigen Patienten“, so der Chefarzt, „ist auch eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva angezeigt.“

Stationäre oder teilstationäre Unterbringung

Um die optimale Versorgung des Patienten zu garantieren, verfügt das Katholische Klinikum Essen mit seiner Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin neben einer großen Bandbreite an Behandlungsmöglichkeiten über unterschiedliche klinische Strukturen. So gibt es einerseits die Möglichkeit, den Patienten bei einem stationären Aufenthalt im Philippusstift zu behandeln. Andererseits kann auch der teilstationäre Aufenthalt in der Tagesklinik in Betracht gezogen werden. Dort behandeln die Therapeuten die Patientin über einen bestimmten Zeitraum tagsüber. Nachts und an den Wochenenden sind die Patienten zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld. Schließlich besteht am Philippusstift die Möglichkeit zu einer ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung, zum Beispiel im Rahmen der Institutsambulanz. Dank dieser optimalen Betreuung schaut auch Jennifer Stadler wieder positiv in die Zukunft: „Was meine Krankheit betrifft, bin ich optimistisch, dass ich wieder im Beruf Fuß fassen kann, alles wieder ‚gut‘ wird und ich mit den schlechten Gefühlen abschließen kann.“