Während seiner eigenen Darmkrebs-Therapie hat Erich Grohmann den Weg in die Selbsthilfegruppe ILCO gefunden, heute ist er Vorsitzender der Deutschen Illeostomie-Colostomie-Urostomie-Vereinigung e.V., kurz ILCO. GesundinEssen sprach mit ihm über die Möglichkeiten, die die Gemeinschaft Darmkrebs-Patienten und Angehörigen bieten kann.

Herr Grohmann, wie sind Sie zur Deutschen ILCO gekommen?

Ich erhielt 2004 die Diagnose Darmkrebs, darauf folgten Chemo- und Strahlentherapien. Während der Behandlungen fühlte ich mich mit meinen Fragen zum Darmkrebs von Fachleuten oft allein gelassen und suchte nach Betroffenen, die Ähnliches durchmachten wie ich. Als ich einen Spaziergang in Linz am Rhein machte, fiel mir ein Plakat ins Auge: Eine Einladung zur Jubiläumsveranstaltung der Deutschen ILCO. Ich hatte zuvor noch nichts von der ILCO gehört, besuchte die Veranstaltung dennoch. Ich erinnere mich noch gut an diesen Tag, denn ich fühlte mich nach langer Zeit wieder angenommen und selbstsicher – und ich konnte dank der Gespräche und der hilfreichen Informationen von Stoma-Beschwerden bis zur Ernährungsumstellung wichtige Fragen klären, die mir schon lange auf dem Herzen lagen. Seit 2005 bin ich nun schon Mitglied der ILCO.

Wie hat sich Ihre Arbeit in und mit der Deutschen ILCO in den vergangenen Jahren verändert?

Die Deutsche ILCO als Solidargemeinschaft von Stomaträgern und Menschen mit Darmkrebs fördert den gemeinsamen Austausch und die persönlichen Kontakte mit Betroffenen. Wir tun dies, indem wir Informationsmaterial zur Verfügung stellen – und Fragen beantworten, die nicht nur die unmittelbaren Herausforderungen betreffen, die mit der Krankheit einhergehen. Seit einigen Jahren bieten wir vermehrt Vorträge für Betroffene und Angehörige an, die sich mit der Alltagswirklichkeit auch nach der Genesung beschäftigen. In unserer Vortragsreihe „Darmkrebs – Was kommt danach?“ beantworten wir offen und ehrlich auch die eher unangenehmen Fragen: Muss ich nach der Behandlung oder beispielsweise nach einer Stoma-Rückverlegung mit Durchfällen rechnen? Welche Wirkungen hat meine Ernährung auf den Genesungsverlauf – und wie kann ich meine Ernährung hier entsprechend anpassen? Wir betrachten die Krankheit ganzheitlich, nehmen kein Blatt vor den Mund und lassen die Betroffenen mit ihren Fragen nicht allein.

Können sich Betroffene direkt bei Ihnen melden, wenn sie Unterstützung benötigen?

Oftmals gehen wir sogar aktiv auf die Betroffenen zu, weil wir wissen, wie viel Mut der Schritt in die Selbsthilfegruppe erfordert und wie schwierig die ganz persönliche Beschäftigung mit den mentalen Belastungen der Krankheit ist. Wir besuchen die Reha-Einrichtungen, da die Patienten hier aufnahmefähiger sind und holen die Patienten genau da ab, wo sie sind. In Einzelfällen machen wir auch Hausbesuche. Eine Herausforderung heute ist sicherlich die Tatsache, dass immer mehr Therapien in Tablettenform verschrieben werden. Das scheint auf den ersten Blick angenehmer zu sein als ein stationärer Aufenthalt, doch fehlt vielen hier der soziale Halt und die Unterstützung durch andere Betroffene. Beides – das habe ich selbst erlebt – ist für den Weg in die Selbstständigkeit und in ein selbstbestimmtes Leben nach der Krankheit sehr wichtig.

Regelmäßige Veranstaltungen

Ort: Katholisches Klinikum Essen, Marienhospital, Hospitalstr. 24
Zeit: jeder 2. Donnerstag
Uhrzeit: 18 Uhr
Kosten: keine
Zielgruppe: Darmkrebspatienten und Angehörige

Kontakt

Telefon: 0201-7501217