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Um die Patientenzufriedenheit und –sicherheit zu erhöhen, hat das Katholische Klinikum Essen eine neue organisatorische Struktur eingeführt: Im Chirurgischen Zentrum für Viszeral- und Gefäßmedizin werden Patienten von sogenannten Kompetenzteams interdisziplinär betreut.

Um die Patientenzufriedenheit und –sicherheit zu erhöhen, hat das Katholische Klinikum Essen eine neue organisatorische Struktur eingeführt: Im Chirurgischen Zentrum für Viszeral- und Gefäßmedizin werden Patienten von sogenannten Kompetenzteams interdisziplinär betreut.

Bettina Martin, Patientin von Priv.- Doz. Dr. Olaf Guckelberger, Chefarzt des Chirurgischen Zentrums für Viszeral- und Gefäßmedizin, wird mit starken Unterleibsschmerzen ins Philippusstift eingeliefert, wo ein Darmverschluss festgestellt wird – ein Notfall, der sofort operiert werden muss. Am Philippusstift sind jedoch alle OP-Säle
belegt, und Warten ist keine Option. Kurzerhand wird Bettina Martin für die Operation ins Marienhospital Altenessen verlegt, wo die Operation sofort beginnt. Diese Flexibilität ermöglicht das Chirurgische Zentrum für Viszeral- und Gefäßmedizin.

Das Chirurgische Zentrum für Viszeral- und Gefäßmedizin am Katholischen Klinikum Essen vereint unter einem Namen die ehemaligen chirurgischen Standorte des Klinikums

Zwei Standorte, ein Zentrum

Das Chirurgische Zentrum für Viszeral- und Gefäßmedizin am Katholischen Klinikum Essen vereint unter einem Namen die ehemaligen chirurgischen Standorte des Klinikums: die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasive Chirurgie des Philippusstifts und die Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie des Marienhospitals Altenessen. Die Ärzte an den zwei Standorten des Zentrums sind auf jeweils unterschiedliche Erkrankungen spezialisiert. „Der Wunsch, ein Chirurgisches Zentrum zu gründen, entstand bei mir schon vor einigen Jahren, denn interdisziplinäre, heilende Konzepte beinhalten heute mehr als ´nur´ Operieren so Priv.-Doz. Dr. Guckelberger, der im vergangenen Jahr die Berliner Charité nach vielen Jahren verließ und Chefarzt am Katholischen Klinikum Essen wurde. „Ein Großteil der Behandlungen, die wir Chirurgen durchführen, finden in enger Zusammenarbeit mit Internisten statt.“ Im Rahmen des Chirurgischen Zentrums ist den Chirurgen und Internisten eine außergewöhnlich enge interdisziplinäre Zusammenarbeit möglich. „Wir visitieren Patienten gemeinsam und besprechen die Fälle gemeinsam. So können wir dem Patienten die beste Therapie vorschlagen“, sagt Priv.-Doz. Dr. Guckelberger.

Betreuung durch Kompetenzteams

Diese enge Zusammenarbeit ist möglich, weil die Mitarbeiter fest in den Kompetenzteams des Chirurgischen Zentrums für Viszeral- und Gefäßmedizin organisiert sind. Ein Kompetenzteam ist eine Arbeitsgemeinschaft, deren fester Teil ein Chirurg ist, welcher wahlweise durch einen Internisten, Pflegedienstmitarbeiter und weitere Fachkräfte ergänzt wird. „Das Kompetenzteam Darmkrebs wird beispielsweise zusätzlich durch einen Stomatherapeuten ergänzt“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Guckelberger. Die Teams sind jeweils für eine Erkrankung zuständig und kennen alle entsprechenden Fälle im Klinikum. „Das ‘Kompetenzteam Darmkrebs‘ weiß also über alle Patienten Bescheid, die mit Darmkrebs am Katholischen Klinikum Essen sind – auch, wenn sie sich nur in der Ambulanz vorgestellt haben“, so Priv.-Doz. Dr. Guckelberger. „Das spart im Notfall wichtige Zeit.“

Wir nehmen die Patienten innerhalb des Zentrums an die Hand und begleiten sie. Das bedeutet, dass wir ihnen beispielsweise sagen, wer genau die Ansprechpartner in unserem Kompetenzteam sind.

Spezialisierung und standortübergreifende Betreuung

Aufgrund der Spezialisierung innerhalb des Zentrums kann es vorkommen, dass ein Patient zur Operation an den anderen Standort verlegt wird. Trotzdem wird jeder Patient von Anfang an von einem festen Mitarbeiter des zuständigen Kompetenzteams betreut. Dieser bespricht den Fall in seinem Team, das gemeinsam einen Behandlungsplan erarbeitet. Dadurch kennt jedes Mitglied dieses Kompetenzteams die Krankengeschichte des Patienten. Wird er nun für die Operation innerhalb des Zentrums verlegt, bleibt er trotzdem in demselben Kompetenzteam. Außerdem lernt er seine Ansprechpartner deutlich früher kennen. „Wir nehmen die Patienten innerhalb des Zentrums an die Hand und begleiten sie. Das bedeutet, dass wir ihnen beispielsweise sagen, wer genau die Ansprechpartner in unserem Kompetenzteam sind. Das gibt ihnen Sicherheit, weil die Patienten wissen, an wen sie sich wenden können“, erläutert der Chefarzt. Diese Erfahrung hat auch Bettina Martin gemacht: „Nach der Operation hat sich Dr. Guckelberger sogar zweimal bei mir persönlich erkundigt, wie es mir geht“, sagt sie zufrieden.

Regelmäßige Besprechungen

Die neue Struktur dient letztlich der Sicherheit und Zufriedenheit der Patienten. „Bei allen Erkrankungen zählt auch Erfahrung. Im besten Falle vereint man die gesamte Erfahrung in einem Zentrum“, so Priv.-Doz. Dr. Guckelberger. Dabei liegt dem Zentrumleiter die Fort- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter besonders am Herzen, denn innerhalb der Kompetenzteams können sich die Chirurgen sehr viel stärker spezialisieren. Zudem werden die Behandlungen nach einheitlichen Standards durchgeführt. Das ermöglicht eine gleichbleibend gute Qualität und erhöht die Sicherheit und Zufriedenheit der Patienten. Trotz der Spezialisierungen bleiben die Teams untereinander vernetzt: Regelmäßige Besprechungen der Teamleiter geben einen Überblick über aktuelle Fälle. Dabei zählt auch die Gemeinschaftsidee: Mitarbeiter fühlen sich anders eingebunden und verantwortlich, da sie an beiden Standorten des Zentrums gemeinsame Ziele und Standards haben.

Schwerpunkt Pankreaskrebs

Zu den Krankheiten, die am Chirurgischen Zentrum für Viszeral- und Gefäßmedizin behandelt werden, zählen beispielsweise die Schaufensterkrankheit, Krebserkrankungen der Speiseröhre und des Magens, Darmkrebs und die daraus entstandenen Lebermetastasen. „Ein Schwerpunkt des Zentrums ist die Therapie von Pankreaskarzinomen, also Bauchspeicheldrüsenkrebs. Diese Krebsart erfordert ein hohes Maß an chirurgischer Präzision, kombiniert mit einer interdisziplinären Betrachtungsweise. Das können wir dank der Zentrumsstruktur und den sehr gut ausgebildeten Chirurgen hier bieten“, ergänzt Priv.-Doz. Dr. Guckelberger.

Neben den regulären Fällen ist die Versorgung von Notfällen über das Zentrum deutlich besser abgedeckt.

Notfälle

Neben den regulären Fällen ist die Versorgung von Notfällen über das Zentrum deutlich besser abgedeckt. „Die Operation von Frau Martin ist sozusagen ein Paradebeispiel unseres Chirurgischen Zentrums für Viszeral- und Gefäßmedizin für die Behandlung eines Patienten im Notfall. Frau Martin war unsere erste ‘Zentrumspatientin‘, noch bevor das Zentrum vollständig etabliert war“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Guckelberger. Die Nutzung von OP-Kapazitäten erfolgt innerhalb des Zentrums sehr flexibel, sodass Notfälle wesentlich schneller operiert werden können. So war es auch mit Bettina Martin: „Alle Operationssäle am Philippusstift waren belegt. Deshalb wurde ich ins Marienhospital verlegt und ich bin dann erst wieder auf der Intensivstation des Marienhospitals aufgewacht. Dort verbrachte ich zwei Tage und bin anschließend per Krankentransport wieder zurück in das Philippusstift auf die Normalstation gebracht worden.“ Die Verlegung an den ursprünglichen Standort ist wichtig, weil sich Patienten dort auskennen und sich deshalb wohler fühlen: „Obwohl ich mich im Marienhospital wohlgefühlt habe, war es mir doch lieber, wieder zurück ins Philippusstift zu kommen, da ich das Team dort kenne, nett und freundlich finde“, sagt auch Bettina Martin.

Einzigartig in Essen

Das Chirurgische Zentrum für Viszeral- und Gefäßmedizin ist mit seiner vernetzten Struktur einzigartig in Essen“, sagt Priv.-Doz. Dr. Guckelberger. „Es gibt immer wieder Entwicklungen, bei denen man von einer normalen Station zu einem Zentrum übergeht, die Idee ist ja nicht ganz neu. Aber in dieser Umfänglichkeit,
dass es für alle relevanten Krankheitsbilder umgesetzt werden soll, gibt es das hier noch nicht.“