Alle drei Minuten erleidet in Deutschland ein Mensch einen Schlaganfall – alle neun Minuten stirbt ein Patient daran. Ein wesentlicher Risikofaktor ist das sogenannte Vorhofflimmern. Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, die häufig medikamentös behandelt wird. An der Klinik für Kardiologie am St. Vincenz Krankenhaus des Katholischen Klinikums Essen wird jetzt ein neues Verfahren angewendet.

Unregelmäßiger Herzschlag

Typisch beim Vorhofflimmern ist ein anhaltend unregelmäßiger, bisweilen deutlich schnellerer Herzschlag, wobei die Herzfrequenz bis zu 300 Schläge pro Minute in den Vorhöfen erreichen kann. Diese Vorhöfe finden sich in der rechten und linken Hälfte des Herzens. Über den linken Vorhof gelangt sauerstoffreiches Blut aus der Lunge in eine Kammer, von wo sie in den Körper gepumpt wird.

12 bis 16 Prozent aller Schlaganfälle in Deutschland sind auf Thromben aus dem linken Vorhofohr zurückzuführen, die wiederum durch chronisches Vorhofflimmern verursacht werden.

Über den rechten Vorhof gelangt sauerstoffarmes Blut aus dem Körper in die rechte Kammer und wird von dort in die Lunge gepumpt. Beide Vorhöfe haben eine Ausstülpung, die man Vorhofohr nennt. Der unregelmäßige und erhöhte Herzschlagrhythmus bei Vorhofflimmern bewirkt, dass das Blut nicht vollständig aus dem linken Vorhofohr herausgepumpt werden kann. Durch die längere Aufenthaltsdauer können Blutgerinnsel (Thromben) entstehen.

Schlaganfallrisiko Blutgerinnsel

Wenn sich diese Thromben lösen, gelangen sie über die Blutlaufbahn ins Gehirn. In dünneren Arterien können sie stecken bleiben, was einen Verschluss der Arterie zur Folge hat. Die daraus folgende Mangeldurchblutung (Ischämie) kann zu neurologischen Störungen führen. Zudem kann es zu einem Schlaganfall kommen, wenn die Arterie platzt. „12 bis 16 Prozent aller Schlaganfälle in Deutschland sind auf Thromben aus dem linken Vorhofohr zurückzuführen, die wiederum durch chronisches Vorhofflimmern verursacht werden“, sagt Dr. Rainer Jacksch, Chefarzt der Klinik für Kardiologie am St. Vincenz Krankenhaus des Katholischen Klinikums Essen.

Vorhofflimmern: Therapie ohne Medikamente

Bis vor wenigen Jahren konnte Schlaganfällen, die durch Thromben aus dem linken Vorhofohr entstehen, nur medikamentös vorgebeugt werden: Patienten mit Vorhofflimmern wurden Mittel zur Hemmung der Blutgerinnung verabreicht. Das bekannteste ist das Medikament Marcumar. „Marcumar und auch andere Mittel zur Hemmung der Blutgerinnung haben, wie die meisten Medikamente, Nebenwirkungen. Sie können beispielsweise die Nieren schädigen. Zudem erhöht sich die Gefahr für innere Blutungen. Deswegen bieten wir auch andere Therapiemöglichkeiten an“, so Dr. Jacksch.

Schirmchen schützt vor Schlaganfall bei Vorhofflimmern

Im St. Vincenz Krankenhaus des Katholischen Klinikums Essen wird seit Anfang 2012 das sogenannte Watchman Device eingesetzt. Das Watchman Device ist ein kleines Implantat, mit dem der Arzt das linke Vorhofohr verschließt. „In einem stationären Eingriff bringt der Operateur das Watchman Device über einen Katheter durch die Vene bis zum Herzen vor. Dort klappt er es auf und platziert es am Eingang des linken Vorhofohrs. In den folgenden Monaten verwächst das kleine Implantat und wird von Herzinnenhaut überzogen. Jetzt ist das linke Vorhofohr dicht verschlossen, so dass dort keine Blutgerinnsel mehr entstehen“, erläutert Dr. Jacksch den Behandlungsablauf.

„Da das Risiko für einen Schlaganfall durch Vorhofflimmern nach einem Verschluss des linken Vorhofohrs drastisch sinkt, möchten wir diese Methode zukünftig häufiger bei Patienten ohne diese Kontraindikation anwenden“, so Dr. Jacksch.

Das Watchman Device kann sowohl unter Vollnarkose als auch mit örtlicher Betäubung eingesetzt werden. Der Eingriff dauert etwa eine Stunde, und der Patient kann meist einen Tag nach dem Eingriff die Klinik wieder verlassen. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Watchman Device gemacht. Momentan wenden wir die Technik hauptsächlich bei Patienten mit einer Marcumar-Kontraindikation an, also bei Menschen, die ein erhöhtes Blutungsrisiko aufweisen und deshalb keine gerinnungshemmenden Medikamente nehmen dürfen. Da das Risiko für einen Schlaganfall durch Vorhofflimmern nach einem Verschluss des linken Vorhofohrs drastisch sinkt, möchten wir diese Methode zukünftig häufiger bei Patienten ohne diese Kontraindikation anwenden“, so Dr. Jacksch.